Ein Treffen mit Michael Jackson in St. Louis und weitere Reisetipps für Senegal

Ein Treffen mit Michael Jackson in St. Louis und weitere Reisetipps für Senegal

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“Donne-moi de l’argent”, gib mir Geld, fordert das Kind mit den grossen braunen Augen. “Alors un cadeau”, dann halt ein Geschenk, lenkt es ein, als es meinen Unwillen sieht. Ein Kugelschreiber, einen Ball, schlägt es auch gleich vor. Wir sind offensichtlich nicht die ersten Touristen, die Senegal besuchen.

Das Land ist touristisch recht gut erschlossen, besonders was die Strandregion an der Petite Côte in Saly Portudal angeht. Schon 1973 wurde hier der erste Club Aldiana überhaupt eröffnet (Aldiana heisst auf senegalesisch “Der Ort, an dem die Glücklichen leben”) und entliess Neckermänner in den westafrikanischen Staat. Heute bieten sich diverse Resorts mit ausgezeichneten Wassersportmöglichkeiten an wunderbaren Sandstränden für einen Strandurlaub an. Aber wer Senegal nur vom Strand aus sieht, verpasst viel.

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Schöne und ungeplante Begegnungen in Senegal

Viel wusste ich vor meiner Reise nicht über das Land. Zumindest hatte es also nicht durch irgendwelche politischen Skandale, Hungersnöte oder Kriege von sich reden gemacht. Youssou N’Dour fiel mir ein. Welcher Staat hat schon einen Kulturminister, der international Karriere als Musiker gemacht hat? Dann war noch die Rallye Paris-Dakar. Dass ein Grossteil der afrikanischen Sklaven von hier verschifft wurde, war mir nicht mehr bewusst. Dafür war meine Neugierde auf das Land so gross, dass ich mich entschloss, privat eine achttägige Pressereise mit dem Afrika-Veranstalter Let’s Go Tours zu begleiten.

Unsere Woche kombinierte Sehenswürdigkeiten, Überlandfahrten und eine Schiffsreise auf dem Senegalfluss. Was die Reise ausmachte, waren aber gerade nicht diese Programmpunkte, sondern die schönen, meist ungeplanten Begegnungen auf dem Weg.

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Die Senegalesen scheinen ein tolerantes Volk zu sein. 94% der Bevölkerung sind Moslems, verschleiert ist hier allerdings niemand, Frauen sind ungeniert auch ohne Begleitung unterwegs und Alkohol wird überall verkauft. Zum Teil ist ein Teil der Familie christlichen Glaubens, der andere muslimischen – c’est le Sénégal. In Joal-Fadiouth sind sie sogar im Tod vereint: Auf der gleissend weissen Insel aus angehäuften Muscheln liegen Moslems und Christen Seite an Seite begraben.

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Entspannt reagieren Senegalesen auch auf die Touristen, von denen sie hoffen, dass sie ihnen wirtschaftlich helfen. Wer sich für ihr Land interessiert, wird freundlich empfangen und in der Regel in Ruhe gelassen. Aufdringliche Händler sind selten, und auch die Kinder versuchen nur an besonders exponierten Stellen ihr Glück mit Betteln.

Senegalesische Schönheiten

Sei es auf dem Markt, am Fischerhafen oder auf dem Land: Das Leben spielt sich auf der Strasse ab. Wagemutige Jungs treiben ihre Esel zum Galopp an, auf der Ladefläche des klapprigen Karrens über der Ware stehend. Der Metzger teilt am Strassenrand einen Hammel in Stücke, gleich daneben bietet ein höchstens 6-Jähriger ein paar Kartoffeln feil und eine “African Mama” verhökert Plastikketten, bunte BHs und anderen Tand.

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Besonders die Frauen sind in wunderbare, in allen Farben scheinende bodenlange Kleider gehüllt. In den Marktgassen werden die bunt gemusterten Baumwoll- und schrillen Tüllstoffe dargeboten und nach erfolgreicher Verhandlung gleich ein paar Türen weiter zur Nähstube gebracht. “À la Minute” werden dann die Kleider massgeschneidert und der stolzen Besitzerin überreicht.

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Die hübsche Kolonialstadt St. Louis

Im Fischerviertel von St. Louis, der hübschen, ehemaligen Hauptstadt der Kolonie Französisch-Westafrika, scheint das Leben besonders prall. Laut einer Statistik ist das Quartier auf der nur 100 Meter breiten “Langue de Barbarie” der am fünftdichtest besiedelte Stadtteil der Welt. Angeblich schlafen die Menschen in Schichten. Alle Versuche, die Fischer umzusiedeln, scheiterten. Es wuselt und wimmelt, wohin man auch schaut.

Die Alten sitzen am Strassenrand unter der bunten Wäsche und diskutieren, Kinder spielen Gummitwist, eine Mutter laust ihre Tochter und tratscht dabei mit der Nachbarin. Junge Schönheiten tänzeln vor Teenagerjungs und zeigen ihre wohlgeformten Pos: Wenn darauf ein Kind sitzen kann, ohne sich festzuhalten, ist das Schönheitsideal einer Frau erreicht.

Saint Louis Senegal

Ein Treffen mit Michael Jackson

Die Fischer reparieren ihre Netze oder streichen ihre bunt verzierten Pirogen neu. Zwischen ein paar Booten liegt eine ausgewachsene Kuh, daneben meckern ein paar Ziegen, und mitten auf der Strasse im brausenden Verkehr steht ruhig und gelassen: Michael Jackson. So nennen die Einheimischen den zahmen Pelikan, der sich hier niedergelassen hat und nun von den Bewohnern versorgt wird. “Als Baby war er braun, erst mit den Jahren wurde er immer heller – wie Michael Jackson”, sagt unser Reiseleiter. Michael Jackson verzieht keine Miene.

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Meine Top 10 Reisetipps für Senegal (in dieser Reihenfolge)

Wochenmärkte in Senegal

Egal wo und wann – nichts wie hin und staunen.

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Jeder Fischerhafen

Die bunten Pirogen sind schon so pittoresk genug, wie toll muss das Treiben morgens beim Einbringen des Fangs sein?

Baobabs (Affenbrotbäume)

Verteilt im ganzen Land: Wer hätte gedacht, dass es hier so viele der uralten Zeitgenossen gibt? Innen hohl, dienten sie als Grab für Griots, den Geschichtenerzählern.

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Die Kolonialstadt St. Louis

UNESCO-Weltkulturerbe mit kolonialer Altstadt und Fischerviertel in einmaliger Lage, wobei die Stadt wohl immer wieder kurz davor ist, den Titel aufgrund des Müllproblems (das übrigens in ganz Senegal gewaltig ist) aberkannt zu bekommen. Eindrücke – wenn auch meiner Meinung nach ein bisschen sehr schwermütig – gibt der Filmbeitrag Stadt der Frauen vom SWR.

Die Muschelinsel Joal-Fadiouth

Der Geburtsort des ehemaligen Präsidenten Léopold Senghor ist über eine Brücke mit zwei Muschelinseln verbunden – einem Dorf und seinem Friedhof inmitten grosser Mangrovenwälder voller Austernzuchten.

Joal Fadiouth Senegal Muscheln

Eine Flusskreuzfahrt auf dem Senegalfluss

Fahrt mit der Bou el Mogdad, einem alten Dampfer, der einwöchige Touren auf dem Senegalfluss fährt. Stilvoll, friedlich, supernette Besatzung.

Schlafen im Wüstencamp

Übernachtung im Wüstencamp bei Lompoul. Wüste ist für mich immer wieder toll, auch wenn dieser Abschnitt eher klein ist.

Die Sklaveninsel

Île de Gorée (ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe): Friedliche mediterrane Stimmung an einem Ort mit grausiger Geschichte direkt vor Dakar. Von hier wurden Millionen von Sklaven verschifft.

Naturreservat Bandia

Safari auf 3500 Hektar inklusive Nashörnern, Kuddus, Affen und viele andere – nur die Raubkatzen fehlen.

Der Lac Rose

Der Lac war bei uns nicht rosé, sondern einfach grau, und den Kontrast zwischen uns fotografierenden Touristen und den in den Salzlagunen schuftenden Arbeitern fand ich schwierig.

Weitere Informationen bei Let’s Go, Spezialist für Afrika, Arabien und den Indischen Ozean.

Let’s Go Tours ist ein Kunde von PrimCom, die Reise von Sabine war privater Natur.

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