Crossblades – der Schneeschuh zum Abfahren

Crossblades – der Schneeschuh zum Abfahren

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Schneeschuhlaufen hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt wie kaum eine andere Sportart. Als ich vor 30 Jahren hier in der Schweiz mit meinen ersten Schneeschuhen unterwegs war (erstanden in einer kleinen Blockhütte draussen im Nichts in Alaska), erntete ich jede Menge verwunderte Blicke. Heute gibt’s im Outdoor-Laden Dutzende unterschiedliche Modelle.

crossblades staffelbach winter wintersportWas gibt’s Schöneres…  ?

In Sachen Erholungswert geht fast nichts über eine genüssliche Schneeschuhtour in der frisch verschneiten Landschaft. Doch ein Wermutstropfen bleibt. Ist man auf dem Gipfel, sieht man die Tourenfahrer ihre Felle wegnehmen und in weiten Bögen runtergleiten, während wir Schneeschuhläufer wieder runterstapfen. Natürlich behaupten wir, mehr oder weniger selbstbewusst, das störe uns überhaupt nicht, und im Sommer würden wir ja auch runterlaufen… – aber, eigentlich, ehrlich gesagt, bin ich doch jeweils etwas neidisch auf die, die mühelos durch das stiebende Weiss gleiten…

„Jetzt ist Schluss damit!“, so etwa klang es in meinen Hinterkopf, als ich die erste Werbung für Crossblades sah. Wunderbar, der versteckte Neid hat ein Ende, und auch ICH werde nun runterstieben. Telefonieren, erklären, abmachen, und schon sind meine Test-Crossblades an meiner Haustür. Nichts wie los, vier Tage lang in den unterschiedlichsten Schneeverhältnissen, und hier könnt ihr lesen, ob die Dinger ihr Verprechen halten.

winter-wintersport staffelbach crossblades bladesCrossblades sehen aus wie etwas breitere Kurz-Ski

Crossblades sehen aus wie etwas überbreite Kurzski. Oben ist eine Bindung montiert, wahlweise als Hardboot-Bindung (für Skischuhe) oder dann als Softboot-Bindung (für Snowboardschuhe oder Wanderschuhe). Auf der Unterseite ist eine Platte mit zwei Seiten angebracht, eine mit einem Fell für den Aufstieg, die andere Seite mit einem Belag wie auf einer Skiunterseite.

Zuerst zur Hardboot-Bindung. Der Einstieg mit Skitourenschuhen (oder steigeisenfesten Bergschuhen) ist einfach und funktioniert schnell und problemlos über einen Stahlbügel hinten und einen Schnappbügel vorne. Die Anpassung auf die Schuhlänge geht ebenfalls einfach von der Hand. Die Fixierung ist fest wie in einer Skibindung, und auch das Aussteigen geht in Sekunden.

staffelbach winter crossblades naturDie Hardboot-Version (vorne) und die Softboot-Version (hinten; Beta-Modell von Anfang 2016)

Die Softboot-Bindung ähnelt stark einer Snowboard-Bindung, eignet sich also für feste Wanderschuhe, Schneeschuh-Schuhe oder Snowboard-Softboots. Die zwei vorderen Riemen werden über einen Rätschenverschluss angezogen, den obersten Riemen zieht man durch eine Schnalle. Ich empfehle, die Bindung vorab mit den Schuhen im Laden zu testen, um zu sehen, ob die Schuhe gut und ohne Druckpunkte sitzen. Die Längenverstellung ist so einfach wie bei der Hardboot-Bindung.

crossblades winter natur staffelbachDie Unterseite

Beim Aufstieg mit den Crossblades waren wir uns alle einig: das Gehen ist angenehm, und ist im einfachen Gelände sogar bequemer als mit Schneeschuhen. Im Gefühl weniger wie das Stapfen mit Schneeschuhen, sondern eher wie das Gleiten mit Tourenskis – dabei aber mit wesentlich weniger Gewicht. In steileren Hängen kommen die Crossblades aber schneller an ihre Grenzen als Schneeschuhe; ohne Steigeisen bieten sie in Traversen und auf verkrusteten oder vereisten Hängen nicht den Halt ihrer gezähnten Kollegen. Mittlerweile ist jedoch ein Harscheisen erhältlich, das dieses Problem entschärft.

staffelbach crossblades wintersport winter natur sonnenschein

Wer Erfahrung mit Tourenskis hat, dem wird es auch einfacher fallen, mit den Crossblades gefühlvoll aufzusteigen und das Maximum an Traktion heraus zu holen. Crossblades eignen sich vor allem für nicht zu steiles, voralpines Gelände, mit den Harscheisen kann man sich aber auch in etwas ruppigeres Gelände vorwagen.

staffelbach-crossblades winter wintersport schnee natur bergeDie Felle ermöglichen ein leichtes Aufsteigen

Ganz einfach ist der Wechsel von Aufstieg- auf Abfahrts-Modus. Innert weniger Sekunden löst man den Schnappverschluss am Ende der Crossblades, wendet die (magnetisch festgehaltene) Platte und fixiert sie wieder, nun mit der Fahrseite nach unten. Wer in den umständlicheren Softboot-Bindungen steht, muss aber nicht unbedingt aus diesen aus- und wieder einsteigen. Besser hält er seinen Belag einfach einem Kollegen hin und lässt sich die Platte in wenigen Augenblicken wenden. Ebenfalls recht schnell geht die Umstellung der Bindung in den Abfahrtsmodus; allenfalls muss die Bindung von Schnee und Eis befreit werden.

staffelbach winter crossblades wintersportDie Unterseite ist schnell auf den Abfahrts-Modus umgestellt

Abfahrt mit Crossblades

Doch nun zur Königsdisziplin: der Abfahrt. Hier muss vorausgeschickt werden, dass man mit den Crossblades nicht hinabstapfen kann. Wem der Hang aber doch zu steil erscheint, kann einfach die Fellseite nach unten belassen und fährt so deutlich gebremst den Hang runter. Oder montiert die Harscheisen.

Im schönen Pulverschnee sind die Crossblades eine wahre Freude, und wer sich Tiefschneeabfahrten mit Skis gewöhnt ist, zeichnet im Nu auch mit den Crossblades eine Wedelschlange in den Schnee. Ist der Hang aber von vielen Spuren durchschnitten oder bucklig, wird es schnell unruhig, und die zwei kleinen „Boote“ schaukeln wie auf rauher See. Generell sind die Crossblades natürlich nicht so laufruhig wie Skier – aber dies zu erwarten, wäre auch unfair – und auch mit etwas nervöserem Lauf macht die Abfahrt doch Spass. Ganz automatisch und mühelos geht es aber nicht bergab, und es hilft auf jeden Fall, eine gute Skierfahrung in den Beinen zu haben. Und den besten Halt hat man nach wie vor mit den Hardboot-Bindungen. Dabei haben sollte man auch einen Wachs für den Belag.

crossblades wintersport winter natur staffelbachAbfahrtsspass im Pulverschnee

Eine weitere Stärke können die Crossblades ausspielen, wenn es auf präparierten Waldstrassen runtergeht. Dann flitzt man einfach an Wanderern und Schneeschuhläufern vorbei, je nach Steilheit locker stehend, leicht im Stemmbogen oder eine Schlangenspur hinlegend – grosse Augen der Überholten sind dann garantiert…

crossblades-winter wintersport natur sonneSo geht’s definitiv schneller zu Tal als mit Schneeschuhen…

Kaufen oder nicht? Die Idee hinter den Crossblades ist verlockend; die Umsetzung ist gut gelungen. Unter dem Strich machen Crossblades in nicht zu alpinem Gelände echt Spass – das Aufsteigen ist angenehm, und statt einem Abstieg gibt’s eine Abfahrt; in wenig steilem Gelände entsprechend gemächlich, in etwas steileren Hängen helfen aber definitiv ein satter Sitz mit steifen Schuhen und gute Skifahr-Erfahrung. Für die meisten Anwender auf leichteren Genusss-Touren wird wohl die Softboot-Bindung das Richtige sein; wem Skischuhe an den Füssen nicht stören und mehr auf die Abfahrt setzt, der wird mit der Hardboot-Bindung glücklicher sein.

Crossblades sind zurzeit in etwa 50 Bergsportgeschäften in der Schweiz erhältlich, in Österreich bieten zurzeit zwei Händler Crossblades an. Detaillierte Liste auf www.crossblades.ch.

Hardboot-Version SFr. 559.-, Softboot-Version SFr. 599.-, Harscheisen, SFr. 49.-, Tasche SFr. 29.-

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