Lucca – Tipps für den stillen Star der Toskana

Lucca – Tipps für den stillen Star der Toskana

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Lucca in der gleichnamigen italienischen Provinz gilt auch heute noch als Geheimtipp – zumindest für toskanische Verhältnisse. Aufgrund (oder vielleicht dank) ihrer Lage abseits der Küste und im Schatten des schiefen Turmes von Pisa, wird die charmante Stadt mit ihren 90‘000 Einwohnern von Toskana-Reisenden oft links liegen gelassen.

Dabei ist die Schönheit der Stadt seit Jahrhunderten bekannt – Lucca blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sowohl die Etrusker als auch die Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen und im 13. und 14. Jahrhundert gehörte Lucca zu den einflussreichsten Städten Europas. Die Einwohner verdankten ihren Reichtum dem gut entwickelten Bankensystem und der Textilindustrie.

Noch heute ist die reiche Vergangenheit Luccas unschwer an den grossen Plätzen und Kirchen, sowie den mittelalterlichen Türmen und den prachtvollen gotischen Bauten zu erkennen. Malereien von früher zeigen gar, wie sich die Reichen der Stadt im Mittelalter gegenseitig beim Errichten von immer höheren Wohntürmen übertrafen und diese mit Eichen und Büschen bepflanzten.

Kirchen und Türme Lucca

Die Stadtmauer als Flaniermeile

Während ausser dem wunderschönen „Torre Guinigi“ die meisten Türme längst nicht mehr stehen, sind die imposanten Befestigungsanlagen aus dem 16. und 17. Jahrhundert bis heute komplett erhalten geblieben. Die mehr als vier Kilometer lange Stadtmauer um Lucca wird nur von vier Toren durchbrochen und ist unbestritten die attraktivste in der ganzen Toskana.

Das gigantische Bauwerk dient aber längst nicht mehr dazu, Feinde abzuwehren, sondern wurde zur Promenade mit Strasse, Parks, Bänken und Cafés ausgebaut. Am Abend und am Wochenende trifft sich tout Lucca zum Flanieren auf der Stadtmauer und Radfahrer sowie Jogger geniessen während ihrem Work-out den Ausblick auf die Altstadt.

Stadtmauer Lucca

Die mehrheitlich autofreie Innenstadt selbst ist auch dann noch belebt, wenn die Touristenbusse längst wieder in Richtung Pisa oder Florenz abgefahren sind. Im Gegensatz zu Freiluftmuseen wie San Gimignano hat man in Lucca das Gefühl, dass die Einheimischen dem Charme ihrer Heimatstadt jeden Tag aufs Neue erliegen und sich selbst am meisten am historischen und gastronomischen Erbe, sowie den zahlreichen kulturellen Attraktionen Luccas erfreuen. Als beliebtestes und gemütliches Fortbewegungsmittel gilt in der Geburtsstadt des bekannten Komponisten Giacomo Puccini denn auch immer noch das Fahrrad, das sich perfekt für die engen Gassen eignet.

Shopping im sakralen Lucca

Lucca eignet sich aber nicht nur zum Flanieren, sondern auch zum Shoppen. Das grösste Angebot findet man entlang der belebten Einkaufsstrasse Via Fillungo, die sich wie ein langer Faden durch die Altstadt Luccas zieht. Touristen, die eine Pause brauchen vom Einkaufen in den Boutiquen und Spezialitätengeschäften, legen meist auf der Piazza dell’Anfiteatro einen Stopp ein. Die ockerfarbenen Häuser rund um den Platz bilden ein Oval und lassen dadurch erkennen, dass dieser Platz einst auf dem Fundament eines römischen Amphitheaters erbaut wurde. Wer genau schaut, kann an der Aussenseite der Geschäfte und Restaurants sogar noch Originalteile des römischen Bauwerks erkennen.

Anfiteatro Lucca

Ein weiterer beliebter Treffpunkt ist die weitläufige Piazza Napoleone mit ihren zahllosen Restaurants und mächtigen Platanen, die im Sommer Schatten spenden. Grössenmässig kaum zu verfehlen, dient die Piazza Napoleone Touristen als idealer Ausgangspunkt für die Erkundung des sakralen Zentrums der Stadt. Der Dom San Martino, die vierstöckige Kirche San Michele mit ihrer Marmorfassade, oder die Basiliken San Giovanni e Reparata und San Frediano werden Architekturfans und Liebhabern von sakralen Gebäuden die Tränen in die Augen treiben.

Die Gastronomie

Da wir mit einem Kleinkind unterwegs waren und mehrheitlich am Mittag im Restaurant assen, hielten wir uns vor allem an währschafte Hausmannskost. Das schöne an Italien und auch an Lucca ist, dass man auf die durchaus vorhandene „Haute-Cuisine“ verzichten kann, weil schon die traditionellen „Fatto in casa“-Gerichte keine Wünsche offen lassen.

Aperitifo Lucca

Ich persönlich würde einzig die Restaurants auf der Piazza dell’Amfiteatro meiden oder zumindest nur für einen Aperitifo berücksichtigen. Und auch um Restaurants, die mit einem „Touristen-Menü“ werben, mache ich einen grossen Bogen.

Tortelli Lucchese

Zumindest probiert haben sollte man in Lucca die lokale Spezialität „Tortelli Lucchesse“ – mit Fleisch gefüllte Tortelli an einem Rindfleisch-Ragu (siehe Bild oben). Abgesehen davon sind die Einheimischen Stolz auf Gebäcke wie den Buccellato – eine Art Brioche mit Rosinen und Anis. Natürlich spricht auch nichts dagegen, sich mit lokalen Weinen und Olivenölen einzudecken, die man in zahlreichen Geschäften findet und teilweise auch degustieren kann.

Die Gelaterias von Lucca

Als Gelato-Liebhaber war ich natürlich entzückt, in jeder Gasse Luccas mindestens auf eine Gelateria zu stossen, die sich nicht der Massenabfertigung verschrieben hat. Die Lucchesen scheinen eine grosse Vorliebe für gutes Eis zu haben – zu jeder Tages- und Abendzeit trifft man in den Eisdielen auch auf Einheimische.

Wir haben uns eine Woche lang durch die Gelato-Landschaft von Lucca gegessen und wurden nie enttäuscht. Gab es Klagen, dann nur auf höchstem Niveau. Besonders empfehlenswert fanden wir La Crema Matta und auch die Bottega del Gelato war ausgezeichnet. Die Gelaterias Paniko und Veneta, bei Tripadvisor auf dem Podest, sind ebenfalls Top, aus meiner Sicht aber nicht ganz so spannend.

Wer etwas Ungewöhnliches ausprobieren möchte und sich von Kitsch nicht abschrecken lässt, dem sei ein Besuch im Gelatarium empfohlen. Das sehr cremige Eis kann man hier wie bei amerikanischen Frozen-Yoghurt-Ketten selbst aus der Maschine rauslassen und dann mit allerlei Zutaten garnieren. Als Sitzgelegenheiten stehen ein paar Bänke und Schaukeln zur Verfügung. Schaukeln!

Übernachtungstipp für Lucca

Wir hielten uns an einen Tipp von Freunden und wählten eine Unterkunft in den Hügeln von Lucca, rund zehn Auto-Minuten vom Zentrum entfernt. Beim heutigen Demeter-Bauernhof Fabbrica di San Martino handelt es sich um einen ehemaligen Sommersitz der Adelsfamilie Sardi, der Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Den Gästen stehen grosszügige Wohnungen im ehemaligen Angestellten-Haus zur Verfügung. Inklusive Pergola und Pool. Die Wohnungen sind zwar sehr traditionell eingerichtet, aber mit allem ausgestattet, was man für einen angenehmen Aufenthalt braucht. Zudem merkt man sofort, dass die Gastgeber Giovanna und Giuseppe herzliche Profis sind und sofort auf die individuellen Wünsche der Gäste eingehen. Prädikat: Sehr empfehlenswert!

Anreise nach Lucca

Durch die Nähe zu Pisa bietet es sich an, den dortigen Flughafen zu nutzen. Er wird von diversen Fluggesellschaften angeflogen. Von dort aus braucht der Zug ca. 20 Minuten bis nach Lucca. Der Bahnhof liegt gleich ausserhalb der Stadtmauern, zu Fuss ist man in wenigen Minuten im Zentrum.

Mit dem Zug ist Lucca zudem über Mailand und Florenz erreichbar. Die Autofahrt ab Zürich dauert rund 7 Stunden.

Weitere Informationen unter www.luccaturismo.it

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