Der Geheimtipp vom Balkan – Montenegro

Der Geheimtipp vom Balkan – Montenegro

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Fast jedes Jahr zieht es mich von Neuem nach Montenegro. Dieses kleine Land gehört zu den noch geheimen Perlen Südeuropas und ist an vielen Stellen touristisch noch nicht erschlossen und darum völlig authentisch. Die nicht einmal 700.000 Einwohner haben den Ruf, sehr faul zu sein. Sobald ihr ankommt, werdet ihr auch merken, wieso. Im Sommer wird’s ziemlich heiss und die einzigartige Natur lädt geradezu zum Faulenzen ein.

Am Leichtesten kommt ihr mit dem Flugzeug nach Montenegro. Entweder nach Podgorica, Tivat oder über den Flughafen in Dubrovnik, Kroatien, der auch nur einige Kilometer von der Montenegrinischen Grenze entfernt liegt. Viel schöner – und wahrscheinlich auch günstiger – ist der Weg über Belgrad. Im Sommer fährt jeden Abend ein Zug von Belgrad direkt nach Montenegro. Durch riesige Schluchten, an den schwarzen Bergen vorbei. Die Züge sind aus den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts und versprühen einen Charme längst vergangener Tage.

Egal ob nur einige Tage oder einen ganzen Monat. Montenegro hat genug zu bieten, um euch jede Reise zu versüssen.

 

Meine Top 5 in Montenegro:

Rijeka Crnojevića

Nicht ganz leicht zu finden, aber jeder Meter dorthin ist es wert. Versprochen. Krasse Aussichten über den Skadarsee, mit grünen Bergen und geheimnisvoller Stimmung. Rijeka Crnojevića, ein kleines Fischerdörfchen in den Bergen mit historischer Bedeutung. Dies war im 15. Jahrhundert die Hauptstadt Montenegros – kaum zu glauben, so klein wie dieses Dorf ist. Wunderschöne, zum Teil jahrhundertealte, verlassene Häuser, eine alte Brücke, die an die berühmte Brücke in Mostar erinnert. Und ein paar tolle Restaurants mit frisch gefangenem Fisch aus dem Fluss Crnojevića. In einer kleinen Kirche über dem Dörfchen stand früher die erste Buchdruckpresse Südeuropas, wenn es nach den Montenegrinern geht, sogar die zweitälteste der Welt. Stolz sind sie, die Montenegriner. Die kurze Fahrt bergauf lohnt sich!

Velika plaža

 

Ganz im Süden Montenegros, an Albanien grenzend, befindet sich die Velika Plaža – der grosse Strand. Ein über zehn Kilometer langer Sandstrand aus dunkelgrauem Sand. Die unglaubliche Länge dieses Strands macht ihn an vielen Stellen selbst in der Hochsaison zur menschenleeren Wüste aus Meer und Sand. Wunderbar zum Abschalten, Träumen, Spielen. Viele Wassersportfans tummeln sich hier. Perfekte Bedingungen für Wind- und Kitesurfer. Eine Vielzahl von Sport-Schulen hat sich dafür hier niedergelassen und vermietet oft auch das nötige Zubehör für spontan angereiste Wasser-Fanatiker. Wunderschön ist hier auch die Mündung des Flusses Bojana, direkt an der albanischen Grenze. Dazwischen liegt eine kleine Insel, die Ada Bojana, auf der schon seit den Sechzigern der Freikörperkultur gefrönt wird.

Skadarsko jezero

 

(Auf deutsch: Skadarsee oder Skutarisee): Der See gehört zu den größten Europas. Eine magische Welt. Am Besten zu erreichen über das alte Fischerdörfchen Vranjina. Kleine Boote fahren euch hier über das stille Wasser und erlauben Halt an jeder Küste oder Nische, die ihr entdeckt. An vielen Orten wirkt die Natur völlig unberührt. Eine magische Aura umgibt diesen See. Unzählige Erhebungen – und das friedliche Wasser schlängelt sich in geheimnisvollen Bahnen drum herum.

Manchmal steigt zum Abend hin Nebel auf, dann fühlt man sich, wie in Tolkiens Herr-der-Ringe-Büchern. Hier unbedingt auch zum Kloster Vranjina; nur einige Bootsminuten entfernt, abgeschieden, idyllisch, zum Nachdenken. Mit einer ganzen Farm an Tieren: Hunde, Katzen, Hühner und sogar ein Esel. Der Mönch und sein alter Gefährte – die einzigen Menschen, die in diesem offenen Kloster leben –  sind immer alleine dort oben und freuen sich jederzeit über Besuch. Ganz nebenbei: Sie verkaufen den wahrscheinlich leckersten Honig Montenegros, natürlich selbstgemacht von den Bienen, die hinter dem Klosterhaus umherschwirren.

 

Montenegro Skadarsee

 

Fjord von Kotor

 

Wie in Norwegen, nur viel kleiner – und mediterran. Mit dem Auto kommt man in knapp einer Stunde um die gesamte Bucht herum. Sie ist gesäumt von riesigen schwarzen Bergen, die direkt ans Meer angrenzen. Alle paar Meter gibt es kleine Strände oder Stege, von denen man wunderbar ins Wasser hüpfen kann. Die alten venezianischen Steinhäuser versprühen eine Atmosphäre von Italien und die gut erhaltenen Altstädte von Kotor oder Perast laden ein zum Schlendern durch enge Gassen und zum Rumsitzen in Cafés und Restaurants. Besonders toll: In Perast gibt es zwei Kirchen auf zwei ganz kleinen Inseln, die genau nebeneinander im Wasser liegen. Eine katholisch, die andere serbisch-orthodox. Gelebte Toleranz des Glaubens.

 

Montenegro

 

Party in Budva

 

Budva ist die Touristenhochburg Montenegros. Überhaupt fühlt sich das kleine Städtchen im Sommer verdammt cool.  Der Strand ist okay, die Altstadt ziemlich überlaufen. Dafür gibt’s hier abends die meisten Partys. Die Bars unter freiem Himmel reihen sich wie Attraktionen eines Vergnügungsparks aneinander. Miniatur-Eiffelturm inklusive. Feiern, tanzen, Schaumpartys – ludnica, also Irrenhaus, wie die Montenegriner sagen würden. Aber nur bis 1:00 Uhr morgens. Danach wird dichtgemacht und die Party geht drinnen weiter. Dutzende Clubs machen bis in die Morgenstunden weiter. Und danach, eine Abkühlung in der blauen Adria.

 

(Alle Fotos von Nemanja Novković)

 

Für weitere Infos:

 

Der Autor

Nemanja N.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nemanja Novković ist Autor, Fotograf und Träumer. Er lebt und schreibt zwischen Zürich, Belgrad und Berlin. Am liebsten flaniert er mit Notizbuch unterm Arm und Kamera um den Hals durch die engen Strassen unbekannter Orte. Das orientierungslose Wandern schärft den Blick, macht achtsam und befördert uns zurück in die Tage unserer Kindheit, als wir staunend und träumend durch eine neue Welt stolperten. (www.instagram.com/nemanjuk)

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