Einmal quer über die Insel Elba

Einmal quer über die Insel Elba

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Nachdem ich an dieser Stelle schon mal ein paar schöne Wanderungen auf meiner Lieblingsinsel Elba vorgestellt habe, folgt nun mein Wander-Höhepunkt des Jahres. Auf alten Militärstrassen, Forstwegen, Maultier- und Ziegenpfaden sowie neu angelegten Wanderwegen einmal quer über die Insel. Das ist die Grande Traversata Elbana in drei Etappen.

 

Die Grande Traversata Elbana – GTE

Wer Elba komplett erwandern möchte, gönnt sich in rund 17 Stunden Gehzeit die Grande Traversata Elbana, kurz GTE. Wir haben uns für die 49 Kilometer lange Strecke von Cavo ganz im Osten nach Pomonte, im südlichen Westen, entschieden. Neun Kilometer länger wäre die Strecke nach Patresi, im nördlichen Westen. Beide Dörfer sind offizielle GTE-Ziele. Um keines zu vernachlässigen, hat sich der Erfinder des GTE, der damalige Bürgermeister von Portoferraio, vor 30 Jahren für beide entschieden.

Grande-Traversata-Elbana-GTE-Elba-Wanderung

 

Unser Guide

Unterwegs waren wir mit Michele Cervellino. Michele gehört zur Familie, die den Camping Valle Santa Maria in Lacona führt. Er ist ein totaler Bike- und Wanderfreak und ist immer mehr auch in offizieller Mission für seine zwei Hobbies unterwegs. So amtet er seit Kurzem als Vizepräsident des Club Alpine Italiano (CAI) auf der Insel Elba. In dieser Funktion hat er letztes Jahr den Original-GTE in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark des toskanischen Archipels in leicht modifizierter Variante neu ausgeschildert.

Grande-Traversata-Elbana-GTE-Elba-Wanderung-Michele-CervellinoUnser Guide Michele Cervellino

Planung

Da wir die Wanderung mit Journalisten gemacht haben, waren wir darauf angewiesen, so effizient wie möglich vorwärts zu kommen. Und da die Insel sehr überschaubar ist (224 Quadratkilometer, maximale Länge Ost – West 72 Kilometer resp. 18 Kilometer zwischen der Nord- und Südküste), haben wir jede Nacht auf dem Camping Valle Santa Maria in Lacona verbracht. Nach jeder Etappe hat uns jemand aus Micheles Familie abgeholt und am nächsten Morgen wieder hingefahren. Maximale Fahrzeit war nie länger als 40 Minuten, darum war es einfach zu organisieren. Für alle, die die Wanderung individuell planen und unterwegs übernachten wollen: Tipps dazu finden sich ganz unten im Text. Festes Schuhwerk ist zum Wandern auch auf Elba angesagt, und manche tragen in der Macchia wegen der Dornen lieber lange Hosen. Wasser findet man unterwegs nur selten, und auch einen guten Sonnenschutz sollte man dabei haben.

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Die Wandertruppe hoch über Elba – von fast überall hat man wunderbare Ausblicke

Etappen

Sinnvoll sind drei bis fünf Etappen – abhängig davon, wie schnell man wandern oder zwischen den Tagen pausieren möchte. Ich habe drei Etappen als gut machbar empfunden. Wir haben sie wie folgt absolviert:

  • Etappe 1: Cavo – Monte Grosso – Monte Strega – Monte Capannello – Le Panche
  • Etappe 2: Le Panche – Monte Castello – Colle Reciso – Località Poggio San Prospero (ca. 30 Minuten vor Sant’Illario)
  • Etappe 3: Località Poggio San Prospero – Monte Perone – Monte Maolo – Le Filicaie – Colle della Grottaccia – Le Mure – Monte Cenno – Monte Orlano – Pomonte

Ausschilderung

Ab Cavo ist die GTE ausgeschildert – rotweisse Plättchen, die an Steinen montiert sind oder aber rotweisse Markierungen an Steinen. Bei markanten Stellen sind Wegweiser angebracht, auf denen auch andere Wanderwege aufgeführt sind. Erstes wichtiges Learning gleich beim Ausgangspunkt: Bei den Angaben handelt es sich um Stunden – nicht um Kilometer. So sind für die Strecke von Cavo bis zur Weggabelung („Biforcazione GTE“) Pomonte oder Patresi 17 Stunden und 10 Minuten angegeben.

Grande-Traversata-Elbana-GTE-Elba-Wanderung-Michele-Cervellino

Die GTE-Route ist immer mit diesen drei Buchstaben signalisiert. Ab und zu weiss man bei Kreuzungen dennoch nicht genau, ob es nun links oder rechts weitergeht. In solchen Fällen einfach ein paar Meter in die eine oder andere Richtung gehen – spätestens nach 100 Metern sieht man eine entsprechende Markierung – oder eben nicht.

Grande-Traversata-Elbana-GTE-Elba-Wanderung

Es lohnt sich, die App „Avenza Maps“ aufs Smartphone zu laden und die Karten „4LAND 201-202 Isola d’Elba east bzw. west side“ (unter „Parks, Forrests & Grasslands“). So sieht man stets, wo man sich befindet. Zudem können Fotos, die man unterwegs macht, automatisch zugeordnet werden. Ein cooles Feature!

Last but not least noch dieser Hinweis zur generellen Orientierung: 200-er Nummern beziehen sich auf die Zone zwischen Cavo und Flughafen Marina di Campo. Der Wandersektor ab dem Flughafen bis ganz in den Westen ist mit 100-er Nummern ausgeschildert.

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Unsere Etappen in Kürze – und in Bildern

Tag 1: 12 Kilometer – 4 Stunden 45 Minuten

Unser Ausgangspunkt ist das Ristorante Mistral in Cavo. Nettes Lokal direkt an der Strandpromenade und in kurzer Gehdistanz zum Hafen. Idealer Ort für eine letzte Stärkung; von dort sieht man bereits das erste GTE-Schild. Nach wenigen Minuten befindet man sich auch schon im Aufstieg. Nach kurzer Zeit im Wäldchen kommt man zu einer Kreuzung, von der es nur wenige Schritte weg vom GTE hoch zum Mausoleo Tonietti geht. Das Monument, das im 1900 vom florentinischen Architekten Adolfo Coppedè für die Fabrikanten-Familie Tonietti gebaut wurde, ist ein Relikt aus der Zeit, als Cavo noch der Nobelort Elbas war. Das Betreten des baufälligen Gebäudes ist nicht empfohlen.

Grande-Traversata-Elbana-GTE-Elba-WanderungUnser Ausgangspunkt: Ristorante Mistral in Cavo

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Musoleo Tonietti

Ab dem ersten Gipfel – dem Monte Grosso auf 344 Metern – geht es der Bergkrete entlang immer rauf und runter bis zum höchsten Punkt des Tages: dem Monte Strega mit 427 Metern. Der zweite Teil des ersten Tages ist geprägt von wunderbaren Ausblicken über die ganze Insel. Unser Ziel: Der Picknick-Parkplatz am Sattel von Le Panche.

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Tag 2: 24 Kilometer – 7 Stunden 15 Minuten

Wir sind um 10 Uhr in Le Panche losgelaufen. Super Timing, um nach rund anderthalb Stunden im Terra e Cuore einen Stopp einzulegen. Das im 2017 eröffnete Agriturismo gehört einem Unternehmer aus Verona, der ausschliesslich selbst hergestellte Produkte – vor allem aus Ziegenmilch – anbietet. Die Milchlieferanten gibt’s hier natürlich zur Freude von Gross und Klein auch zum Anfassen. Wir haben uns eine Käse- und Fleischplatte genehmigt, gefolgt von Gelati – natürlich auch aus Geissenmilch. Von Rosmarin- über Lavendel, Safran- bis Misto-di-Macchia – jeder Glacéliebhaber will am liebsten hier bleiben. Das wäre übrigens auch möglich: wer am Abend zuvor noch genügend Energie hat, weiterzuwandern, kann im Terra e Cuore im Zelt übernachten. Zur Verfügung steht auch ein fest installiertes Safari-Zelt für maximal vier Personen.

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Agriturismo Terra e Cuore

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Spezialitäten aus Ziegenmilch im Agriturismo Terra e Cuore

Gestärkt nahmen wir dann den Löwenanteil dieser Route in Angriff. Die zweite Etappe ist definitiv die „langweiligste“: im Vergleich zu Tag eins und drei geht es viel geradeaus, den einen oder anderen Anstieg gibt es, selbstverständlich (wie fast überall auf Elba) auch wunderbare Ausblicke. An allen Tagen läuft man fernab der Zivilisation – mit besagter Ausnahme. Darum für alle Etappen immer genügend Essen und vor allem Trinken mitführen. Öffentliche Brunnen? Fehlanzeige. Einzig auf dem alten Militärfeldweg von Colle Reciso gibt es eine Wasserstelle („Fonte Schiumoli“ bei der Cava di Pietra). Man muss aber gut nach dem Schlauch Aussicht halten, der sich linker Hand gut getarnt im Gebüsch befindet. Auf dem Gebirgsgrat geht der Blick über die Nord- und Südküste der Insel und somit über den Golf von Portoferraio und von Lacona.

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Gut versteckte Wasserstelle „Fonte Schiumoli“ auf dem alten Militärfeldweg von Colle Reciso

Die Strecke führt dann oberhalb des Flughafens vorbei bis Loc. Poggio San Prospero. Die letzte Stunde war am Anstrengendsten – aber dafür beginnt hier der schönste Teil der GTE: felsige Granitlandschaften und Wald sowie viele tolle Ausblicke erfreuen das Auge.

Unser Ziel auf der zweiten Etappe: Sant’Illario in Campo – circa eine halbe Stunde nach Loc. Poggio San Prospero.

Tag 3: 12,7 Kilometer – 5 Stunden 15 Minuten

Heute steht die schönste (und härteste) Etappe an. Der Westteil der Insel ist generell wilder und dünner besiedelt. Generell sind im Westen die interessantesten Wanderrouten zu finden. Wir aber laufen weiter auf der GTE. Ab Loc. Poggio San Prospero geht es gleich los mit einem starken Aufstieg. Nach einer knappen Stunde erreichen wir den Monte Perone – mit 650 Metern über Meer für Elba schon eine markante Erhöhung. Das Herzstück des Nationalparks ist ein von Pinien bedeckter Berg mit einer herrlichen Aussicht auf den gesamten toskanische Archipel, die benachbarten Inseln und die tyrrhenische Küste.

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Aufstieg zum Monte Perone

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Typische kleine Hirtenhütte genannt „Caprili“

Weiter geht’s dem „Schmetterlingsweg“ entlang (Santuario delle farfalle). Er führt vom Parkplatz am Monte Perone über eine Länge von etwa zwei Kilometern zum Sattel Le Filicaie. Am Wegrand lernt man auf zahlreichen Infotafeln die Schmetterlinge der Insel Elba kennen. Natürlich kann man auch viele weltweit einzigartige Schmetterlinge in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten und fotografieren.

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Grün und blühend – sogar im Hochsommer

Nach einer knappen Stunde kommt man zur lang ersehnten „Biforcazione“ (Gabelung), wo man als GTE-Ziel entweder ins südliche Pomonte oder nördliche Patresi wandern kann. Hier hat man dann auch mit 839 Meter den höchsten Punkt des GTE erreicht. Jetzt geht es abwärts – und zwar richtig. Rund drei Stunden werden Muskeln und Gelenke gefordert was das Zeug hält. Dafür Granitfelsen, Farne, alte „Caprili“ (Schafhäuser), wunderschöne Ausblicke – so lässt sich der letzte Wandertag am besten Beschreiben.

Und dann ist es auch schon geschafft: erschöpft, aber zufrieden treffen wir in Pomonte ein und stürmen die Gelateria Isola dei Golosi. Kein Eis ha je so gut geschmeckt wie dieses …

 

Insel Elba: Generelle Informationen

Hinkommen:

  • Mit dem Auto: bis Piombino. Anschliessend Fährüberfahrt nach Portoferraio, Rio Marina oder Cavo (jeweils ca. 1 Stunde) mit Moby Lines, Toremar, Blu Navy und Elba Ferries.
  • Mit dem Zug: Nach Piombino Marittima (Fahrplan auf www.bahn.de, www.sbb.ch und www.oebb.at) dann mit der Schnellfähre nach Cavo (Ausgangspunkt für die GTE) oder nach Portoferraio.
  • Mit dem Flugzeug: Elba wird ab der Schweiz derzeit ab Sion, La Chaux-de-Fonds und Lugano direkt angeflogen. Ab Bern bietet Skywork Elba an, allerdings fliegt man nach Grosseto (Festland) und reist von dort mit Bus und Fähre auf die Insel. Ab Deutschland und Österreich gibt es derzeit keine Direktflüge auf die Insel.

Übernachten während GTE:
Wir haben auf dem Campingplatz Valle Santa Maria in Lacona übernachtet. Nach jeder Etappe haben wir einen Transfer organisiert, der uns hin und nächsten Morgen wieder zum Ausgangspunkt gefahren hat.

Wer nach jeder Etappe am jeweiligen Ort übernachten wird, muss sich seine Route jeweils leicht modifizieren, da kein Dorf direkt auf der GTE liegt. Nach der ersten Etappe eignen sich Porto Azzurro (weiter auf Wanderweg 210) oder aber das Agriturismo Terra e Cuore. Die Orte Marina die Campo und Procchio mit einem grossen Angebot an Unterkünften bieten sich nach der zweiten Etappe bestens an. Nach der Ankunft in Pomonte stehen drei Hotels im Dorf zur Verfügung. Eine Option wäre natürlich auch, auf der Strecke zu campieren, was allerdings offiziell nicht erlaubt ist. Wir haben aber einige Plätzchen gesehen, die sich als Nachtlager geeignet hätten.

Mietautos auf der Insel:
www.twn-rent.it.

Öffentliche Busse:
www.livorno.cttnord.it.

Beste Reisezeit:
Frühling oder Herbst. Aber auch im Winter findet der Wanderer – sofern es nicht regnet – gute Bedingungen vor. Allerdings wirkt die Insel dann manchmal recht ausgestorben. Im Sommer ist es den meisten Wanderern zu heiss, und die Badetouristen bevölkern die Strände.

Generelle Elba-Informationen:
http://www.visitelba.de/
https://www.infoelba.net/

 

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