Dem Winter auf Gran Canaria ein Schnippchen schlagen

Dem Winter auf Gran Canaria ein Schnippchen schlagen

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Wohin im Winter? Eine Destination, wo es warm ist, die aber dennoch nicht zu weit von Europa entfernt ist? Diese Fragen stellte ich mir im Sommer letzten Jahres, als ich in der Planung für den Winterurlaub war. Nun, viele Orte bleiben nicht – auch aufgrund nicht krisensicherer Regionen – und so fiel die Wahl auf Gran Canaria.

Mein erster Gedanke: Pauschalurlaub, Ballermann à la Balearen und sehr viele Best Ager. Vorweg: Ja, all das ist wahr, aber es gibt auch andere Seiten und die lohnen einen Besuch, denn Gran Canaria ist sehr vielfältig. Hier das Stadt-Land-Fluss-Einmaleins:

Impression


Stadt (-flair Schnuppern)
Ein wenig Hauptstadtflair kann man auf der Insel in Las Palmas genießen, wenn man des Müßigtuns überdrüssig ist. Ein Tagesausflug reicht aber völlig aus, um die 500 Jahre alte Stadt zu erkunden. Am besten für 18 Euro in den offenen „Worldwide City Seightseeing“ Hop on Hop Off Bus steigen, der zwischen 38 wichtigen Sehenswürdigkeiten pendelt.

Stadtpark Las PalmasDer schöne Stadtpark in Las Palmas

Im roten Doppeldecker gibt es dann Erklärungen via Kopfhörer auf Deutsch. Inbegriffen ist auch eine einstündige kostenlose Stadtführung, die recht interessant ist. Und in jedem Fall das Mietauto stehen lassen und mit dem Bus in die Stadt fahren, denn Parkplätze sind Mangelware!

Der Puls dieser Stadt schlägt eher langsam, den Charme der Gründerjahre spürt man noch – rund um die Kathedrale auf der stillen Plaza del Pilar Nuevo oder der großzügigen Calle de los Balcones, auf der schon kastilische Herren an gediegenen Kolonialbauten vorbeiritten.

In Triana, dem Einkaufs-und Handelsviertel hingegen ist geschäftiges Treiben. Hier findet man eher die schönen Jugendstilbauten, die Ende des. 19. Jahrhunderts mit den Engländern Einzug hielten, und abends schicke Bars sowie trendige Lokale.

Blumenmeer

Die Altstadt „Vegueta“, die sich mit der Sanierung einer Frischzellenkur unterzogen hat, ist in jedem Fall sehenswert.

Park in der VeguetaPark in Vegueta

Weniger schön sind leider die Hochhaussiedlungen, die der Bauboom im 20. Jahrhundert mit sich brachte. Diese Trabantenstädte, die viele der rund 380’000 Einwohner beherbergen, reichen bis in die Berge.

Die Stadt leistet sich immer noch reichlich Kultur – vom Musik-und Opernfestival im Winter, über sommerliches Straßentheater bis zum Jazz im frühen Herbst. Auch diverse Museen bietet die Stadt, wie das CAAM (zeigt wechselnde Ausstellungen moderner Kunst), das Casa de Colón (hier residierten einst die spanischen Stadthalter) oder das Museo Canario (kanarische Geschichte).

Die Promenade des drei km langen feinen, weißen Stadtstrandes Las Canteras kann man getrost links liegen lassen – sie ist total mit Touristen überlaufen und eine Lokalität (nicht gerade mit authentischer kanarischer Küche) reiht sich an die nächste.

Unbedingt aber dem Mercado del Puerto einen Besuch abstatten. In der Markthalle am Hafen, die im Inneren architektonisch an die Eisenkonstruktion à la Eiffel erinnert, geht einem schier das Auge über vor dem Angebot. Hier kann man auch lecker Tapas essen.

Auswahl in Hülle und Fülle
Eine grosse Auswahl bietet der Mercado del Puerto

Apropos Essen: In diesem Urlaub habe ich wohl so viel Knoblauch gegessen, wie schon lange nicht mehr. Aber die vielen Mojo-Varianten (je nach Richtung eine sämige Tunke aus Peperoni, Öl, Salz, Essig und natürlich Knoblauch) und das Aioli sind einfach zu verführerisch. Unbedingt alle probieren.

Land (und Bergwelt entdecken)
Drei Klimazonen auf einer Insel: Vom trockenen Halbwüstenklima im Süden hinauf in das Fataga-Tal (das Tal der 1000 Palmen) über das Inselzentrum, wo die Landschaft von bizarren Felsformationen, tiefen Schluchten und Landschaften, die an den Grand Canyon erinnern durchbrochen wird, vorbei an riesigen Stauseen und einsamen Bergdörfchen bis hin zum fruchtbaren Norden.

Auf dem Weg in die subtropischen und fruchtbaren Gefilde des Nordens, wo Bananen, Erdbeeren und Maracujas gedeihen, durchquert man dann auch den „Schwarzwald“ der Insel: Hier bietet sich einem wieder ein ganz anderes Bild mit luftigen Kiefern-und Pinienwälder, der Pinus Canariensis, die sich im Laufe der Jahrhunderte perfekt an die vulkanische Umgebung angepasst hat. Dass man auch hier auf Gran Canaria ist, mag man kaum glauben, wenn man an die von Touristen bevölkerten Strände im Süden denkt.

Im Süden wiederum starten die meisten der großen Inseltouren die einen durch die verschiedenen Klimazonen führen. Solch eine Inseltour ist in jedem Fall empfehlenswert, da man sich nicht selbst um einzelne Anmeldungen kümmern muss.

Je nach Anbieter (wir waren mit ITS / Travelix unterwegs) muss man dafür rund 54 Euro pro Person inklusive Mittagessen (das allerdings furchtbar war!) einrechnen: Nach dem Start passiert man San Bartolomé de Tirajana, ein eher unscheinbares Bergdorf, in dem aber große Politik betrieben wird, und Ayacata, wo unzählige Mandelbäume gerade im Winter Blüte tragen.

Mandelblüte im Winter
Die Fahrt geht weiter vorbei am höchsten Stausee, und auf 1550 m befindet sich der Roque Nublo (Wolkenfels), der heilige Berg der Ureinwohner der Guanchen. Eines der Wahrzeichen der Insel. Vorbei geht es an Tejeda, einem hübschen terrassenförmig angelegten Bergdorf, und durch das Valleseco.

Wie vor 1000 Jahren
Es folgt eine überwältigende Kammfahrt entlang mehrerer Aussichtspunkte weiter nach Artenara, dem höchstgelegenen Dorf der Insel (1200 m).

Ortskern in Artenara

Im höchsten Dorf der Insel
Ausblick vom höchsten Dorf

Dort wohnt Carmen, wie auch schon die Ureinwohner, in einer komfortablen Höhlenwohnung, die in den weichen Tuffstein gemeißelt ist – im Sommer kühl, im Winter warm.

Höhlenwohnung

Dies ist aber nicht der einzige Vorteil: Sicher trägt auch die Tatsache, dass auf den in einer Höhle gelegenen Wohnraum keine Steuern erhoben werden, dazu bei, dass diese Lebensform noch recht weit verbreitet ist.

Mit vorheriger Anmeldung und gegen ein kleines Entgelt, darf man sich die Privatwohnung der älteren Dame anschauen und so einen Eindruck davon gewinnen, wie es sich in einer Höhle lebt. Durchaus ein wenig klamm, aber nicht minder eindrucksvoll.

Derlei Höhlenwohnungen lassen sich übrigens auch als Ferienunterkunft mieten. Und auch die in den Fels geschlagene Kapelle des Dorfes, Virgen de la Cuevita, ist einen Besuch wert.

Kapelle Virgen de la CuevitaDer Altar der Kapelle Virgen de la Cuevita

Der Inbegriff des kanarischen Lebens
Weiter geht es nach Teror auf 540 m im Nordosten, einem der schönsten Dörfer der Insel, das für seinen alten Ortskern und die Basilika bekannt ist. Die gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz – zu Recht. Denn die traditionelle Architektur der Häuser mit ihren berühmten verzierten Holzbalkonen ist wirklich schön.

Am besten flaniert man die pittoreske Calle Real de la Plaza entlang, um die verschiedenen Bürgerhäuser betrachten zu können. Auch der Plaza del Pino, auf dem ein uralter Lorbeerbaum steht, und die angrenzende barocke Basilika de Nuestra Senora del Pino sowie das integrierte kleine Privatmuseum lohnen einen Abstecher – für 2,50 Euro ist man dabei. Prunk und Kitsch inklusive.

Der Weg führt weiter nach Arucas im Norden, der drittgrößten Stadt der Insel. Besonders ist hier die schwarze Kathedrale Iglesia de San Juan Bautista, die aus Lavagestein besteht. Aus der Ferne scheint es ein gotischer Bau, der jedoch erst im 20. Jahrhundert erbaut worden ist – aufgrund von finanziellen Engpässen mit 70 Jahren Bauzeit!

Von dort kann man die recht malerische Fußgängerstraße Calle Leon y Castillo entlangschlendern, die auf den Parque Municipal führt, wo Strelizien, Bougainvillea, Hibiskus und andere exotische Pflanzen blühen.

Calle Leon y Castillo

Der Eintritt in den Stadtpark ist kostenlos. In der ortsansässigen Rumfabrik wird auch der Honigrum Arehucas produziert – recht süß, aber gut und ein schönes Mitbringsel.

Fluss (na gut, Meer)
Entlang der wild-romantischen Steilküste im Süd-Westen gelangt man zum idyllischen Ort Puerto de Mogan.

Wem bei Serpetinen leicht übel wird, der sollte diese Fahrt vorher noch einmal überdenken … Es wird das Klein-Venedig der Insel genannt, denn der Hafen, die engen Gäßchen und Grachten sowie die Blumenpracht der weißen Häuschen prägen das Bild des Fischerdorfes. Dieses wurde allerdings erst in den 1980ern ins Meer gebaut, ist also mehr eine Touristenattraktion.

Zur Verteidigung muss man sagen, dass die Fischerboote, die kleine Werft und Lagerhallen geschickt in die Hafenanlage integriert wurden. Dennoch reichen rund drei Stunden völlig aus, um sich einen Eindruck zu verschaffen, denn nebst der idyllischen Kulisse ist der Rest des Ortes recht touristisch. Allerdings kann man hier auch ganz gut shoppen, während man auf den Bus zurück in den jeweiligen Aufenthaltsort wartet.

Wüste
Charakteristisch für die Insel ist die Dünenlandschaft von Maspalomas. Sie gehören wohl zu einem der großartigsten Naturphänomene der Insel. 418 ha Sand, durchsetzt mit einer eigenen Flora, die seit 1987 unter Naturschutz steht. Am besten fährt man mit dem Bus oder Mietauto bis zum Leuchtturm und läuft ab dort am Playa de Maspalomas entlang.

Leuchtturm in MaspalomasDer Leuchtturm in Maspalomas

Die Dünen bestehen übrigens nicht aus Flugsand der rund 200 km entfernten Sahara, wie man annehmen könnte, sondern aus von der Brandung zerriebenem, angespültem Korallen-und Muschelkalk. Je nachdem, wo man untergebracht ist, kann man so schon einmal gut und gerne einen Strandspaziergang von 10km machen und zwischendrin immer wieder einmal zur Abkühlung ins Meer hüpfen.

Strandpromenade Maspalomas

Sonneruntergang in Maspalomas

Schöner Sonnenuntergang in Maspalomas

Achtung: Wem FKK unangenehm sein sollte, der setzt bei einem bestimmten Strandabschnitt am besten kurzzeitig die Scheuklappen auf 😉

Noch ein Tipp: wer nicht gerade auf Ballermann-Atmosphäre steht – Playa del Ingles unbedingt meiden. Eine Durchfahrt mit Bus oder Auto reicht völlig aus!

Unterkunft: Wer nicht in einem der vielen All-Inklusive-Hotels einchecken möchte, für den gibt es auch viele Angebote im „turismo rural“.: Ferien in Fincas, Herrenhäusern, Landhotels oder Höhlenwohnungen für ein Erlebnis der Insel fernab vom Massentourismus.

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