Der perfekte Winter Hideaway

Der perfekte Winter Hideaway

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Manchmal, da zieht es mich weg. Richtig weg. Besonders im Winter, wenn die Decke zu tief ist und die To-do-Liste zu lang. Dann reicht es nicht mehr, den wunderschönsten Ort im Berner Oberland oder im Bündnerland aufzusuchen. Dann muss es eben weg sein von allem.

Das sind dann meine Rückzugsorte, und die sind meistens in den Bergen. Hier möchte ich euch einen solchen „secret winter hideaway“ verraten. Und er befindet sich, vielleicht etwas überraschend, nicht einmal in den Alpen. Sondern im Jura. Es ist der Chasseron, der höchste Punkt (etwas über 1600 Meter hoch) eines langgezogenen Juragrates hoch über dem südlichen Ende des Neuenburgersees.

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Und (fast) ganz oben auf diesem einsamen Berggrat steht das Hotel du Chasseron. Es ist nichts Grosses, schon gar nichts Luxuriöses, einfach ein Berghaus, doch eben: weg von Allem. Und das spürt man am eindrücklichsten, wenn man spätabends etwas weg geht vom Haus und miterlebt, wie die Sonne sich langsam dem Alpenkranz zusenkt.

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Gefühlt hat man hier den Überblick über die ganze Schweizer Alpenkette, und das ganze geschäftige Mittelland ist nur noch eine Art Quertal davor, vielleicht gar versorgt und vergessen unter einer dicken Nebeldecke.

Dieses Berghaus auf dem Chasseron ist im Winter nicht mit dem Auto erreichbar – wunderbar! Denn so schnallt man sich unten in Sainte-Croix die Schneeschuhe oder Tourenskis an die Füsse und läuft hoch; in den gut zwei Stunden Aufstieg werden sich Kopf und Körper schon spürbar von Pendenzen und Problemen lösen können, und was noch bleibt, wird sich am Abend beim Champagner-Fondue schmelzen lassen.

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Für den Rückweg am folgenden Tag kann man die Aufstiegsspur nehmen – wer etwas Abwechslung mag, kann vom Gipfel auch 100 Höhenmeter absteigen und dann wieder südwestlich der Baumgrenze entlang Richtung Les Avattes stapfen. Im kleinen Skigebiet gibt es auch zwei kleine Restaurants, die vielleicht ganz gelegen kommen, sollte sich der Hunger melden.

Nun, so ein Wochenende reicht vollständig, um Herz und Seele wieder zu erfrischen. Aber für mich ist es immer interessant, etwas über das Land und seine Menschen und ihre Geschichten zu wissen. Und diese Geschichte ist in diesem Teil des Juras überaus interessant.

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Sainte-Croix hatte, wie viele abgelegene Dörfer im Jura, auf die Uhrenindustrie gesetzt. Und mit dem ausgeklügelten Ingenieurswissen, feinstem Präzisionshandwerk und dem Sinn für Ästhetik hatte man Erfolg, und dies global.

Daneben bestand dank der Liebe zu Kleinem und Feinem noch ein zweites Standbein in Sainte-Croix – mechanische Musikdosen. Bis zu jenem Jahr im späten 19. Jahrhundert, als der Phonograph, dieser riesige, trompetenohrige Apparat, zum ersten Mal die Welt mit seinen vollen Klang beschallte. Auf einen Paukenschlag waren die silbern und filigran klingenden Musikdosen in den Klangschatten gestellt. Fast von einem Tag auf den anderen brach die Musikdosenherstellung zusammen.

Was tun? Es war die Zeit der Belle Epoque und der in die Alpen anreisenden Engländer. Tourismus war die Lösung und der Hausberg Chasseron das Zugpferd. In Windeseile wurden Broschüren gedruckt. „Die Besteigung des Chasseron ist an schönen Sommertagen zwar sehr angenehm, die zauberhaftesten Reize bietet er dem Bergfreund aber im Herbst und im Winter.

Das ist die Zeit des klaren Himmels und damit der besten Fernsichten. Dann entpuppt sich der Chasseron als Aussichtspunkt allererster Klasse.“ (aus: Le Chasseron, Montagne mythique, Les Presses du Belvédère, Sainte-Croix 2007)

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Zum Schluss noch ein Tipp, nein, zwei Tipps: Das Hôtel du Chasseron ist nicht gross, es hat nur wenige Zimmer – reserviert also frühzeitig. Und: Besonders empfehlen kann ich das Fondue mit einem Schuss Champagne Mauler.

 

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Das Wichtigste, damit Ihr gleich loslegen könnt:

Start: Bahnhof Sainte-Croix

Route: Es gibt verschiedene Aufstiegsrouten von Sainte-Croix auf den Chasseron. Ein Beispiel: Zuerst Richtung Les Praises, vor dem Weiler aber rechts hoch, am Le Cochet vorbei und via Les Avattes auf den Chasseron. Aufstieg ca. 5 km, 600 m Aufstieg, 90 m Abstieg, ca. 2 Stunden. Auch für den Abstieg gibt es diverse Möglichkeiten. Einige Möglichkeiten auf www.swisssnowshoe.ch/region/sainte-croix-les-rasses

Einkehren: Zwei Restaurants bei Les Avattes (nur zeitweise geöffnet), Hotel du Chasseron (Mo und Di geschlossen)

Infos: Karte 1:25’000, Blätter 1182 und 1183; 1:50’000, Blatt 241, www.sainte-croix.ch

 

Detaillierte Karte auf schweizmobil.ch (Bild anklicken um zu vergrössern)

Karte

 

 

 

 

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