Nachhaltigkeit ist mehr als ein Stempel im Katalog

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Stempel im Katalog

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Mit ihrer Stiftung Sauti Kuu gibt Dr. Auma Obama, die Schwester von US-Präsident Barack Obama, benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Kenia eine Stimme. Mit verschiedenen Projekten will sie deren Potenzial wecken und nachhaltig stärken.

Frau Obama, Sie sind Botschafterin für Kenia und ganz Afrika. Was ist der Kern Ihrer Arbeit?

In erster Linie möchte ich durch meine Arbeit die Entwicklung der Menschen vor Ort vorantreiben – vor allem die wirtschaftliche Entwicklung. Es geht um den gegenseitigen, ehrlichen Umgang miteinander, die Menschen in Afrika und Europa müssen auf Augenhöhe miteinander reden. Mir ist die gemeinsame Verantwortung wichtig, unabhängig von der Herkunft der Menschen.

Was verstehen Sie unter „gemeinsamer Verantwortung“?

Ich möchte nicht, dass sich die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, als Opfer sehen oder als solche gesehen werden. Andererseits möchte ich nicht, dass die Helfer und Mitarbeitenden ein schlechtes Gewissen haben, weil sie wohlhabender sind oder befürchten, dass ihre Arbeit nichts bringt. Diese Diskrepanz zwischen den vermeintlich Starken und Schwachen will ich abbauen, denn nur so kann man zusammenarbeiten.

Auma Obama im InterviewDie zentrale Frage ist: „Was kann ich machen mit den Ressourcen, die ich habe?“

Tut die Schweizer Reiseindustrie genug für die von Ihnen angestrebte Nachhaltigkeit?

Ich spüre, dass man sich Gedanken darüber macht. Es geht letztlich darum, das Gleichgewicht zu finden zwischen dem, was man tun möchte und dem, was man tun kann. Die Reiseanbieter sollten aber vor allem ihre Angst vor dem Fremden abbauen, gerade in exotischen Ländern.

Doch die Verantwortung beginnt ja nicht beim Veranstalter oder beim Reisebüro, sondern bei jedem Einzelnen. Mit jedem noch so kleinen interkulturellen Austausch, sei es nur ein Lächeln auf der Strasse, ist schon viel für die gegenseitige Integration getan.

Aber am Ende des Tages fragt sich in der Wertschöpfungskette doch jeder „Was ist für mich drin“?

Ich finde es sehr gut, wenn diese Frage gestellt wird, denn sie steigert die Motivation und man beginnt zu handeln. Das Schlimmste ist eine passive Haltung – und es gibt heute schon genug Menschen, die nichts tun und keine Lust oder Motivation haben, um etwas zu bewegen. Es ist unter anderem auch unsere Aufgabe, den Menschen zu zeigen, dass es sich lohnt, zu handeln. Wer heute zu einem Teil der Wertschöpfungskette werden will, darf nicht von Spenden abhängig sein, sondern muss mit seiner Arbeit auch Geld verdienen können. Dabei ist eine Frage ganz zentral: Was kann ich machen mit den Ressourcen, die ich habe?

Im Bereich Nachhaltigkeit wird viel mit Zertifizierungen gearbeitet. Ist diese Vorgehensweise Ihrer Meinung nach sinnvoll?

Ein Stempel im Katalog an sich sagt nur wenig aus. Wichtig ist, für wen diese Zertifizierungen sind und was sie genau beinhalten. Ich hätte gerne, dass das einmalige Erlebnis, das Kennenlernen von Natur, Kultur und der Menschen vor Ort Teile solcher Zertifizierungen sind. Die Kriterien für Nachhaltigkeitsauszeichnungen dürfen nicht nur auf die Bedürfnisse der Europäer zugeschnitten sein.

Auma Obama, Rede an der SRV-GV auf MaltaEmotionale Rede an der GV des Schweizerischen Reise-Verbandes (SRV) auf Malta.

Touristen wollen zwar ferne Länder bereisen, teilweise aber dennoch heimische Standards in den Hotelzimmern und beim Essen vorfinden. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Eine solche Entwicklung ist natürlich sehr schade. Wenn dies in der Branche eine Nachfrage ist, ergibt das für uns natürlich eine schwierige Situation. Wir müssen die Leute dazu animieren, mutig zu sein und etwas Neues auszuprobieren.

Das Interview wurde im Rahmen der Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbandes (SRV) auf Malta geführt.

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