48 Stunden durch Paris — auf zwei Rädern

Travelistas_Paris_SAB mit Velo
Paris lässt sich perfekt mit dem Fahrrad entdecken – und genau das haben wir getestet. In 48 Stunden sind wir rund 22 Kilometer durch die Stadt geradelt und zeigen dir die beste Paris Fahrrad Route für zwei Tage. Von der Seine über den Eiffelturm bis ins Marais: Diese Route verbindet die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit echten Geheimtipps. Dazu geben wir dir konkrete Tipps zum Velofahren in Paris, zur Sicherheit und zu den besten Verleih-Anbietern.

„Lass uns lieber durch kleinere Strassen fahren, auf den grossen ist sicher zu viel Verkehr“, sagte mein Mann, nachdem wir mit unseren frisch geliehenen Velos die Route festlegen wollten. Denkste!!! Es hiess, Fahrradfahren in Paris sei toll, aber dass es so unglaublich einfach und sicher ist, damit hatten wir nicht gerechnet.

Und zum Glück bleibt das wohl so: Nach über zwei Jahrzehnten sozialistischer Stadtpolitik haben die Pariser auch bei den Kommunalwahlen im März 2026 einer links-grünen Koalition das Vertrauen geschenkt. Die fahrradfreundliche Linie, die Bürgermeisterin Anne Hidalgo über viele Jahre konsequent durchgesetzt hat, wird fortgeführt. Die Gegenkandidatin der Konservativen, Rachida Dati, die keinen Hehl daraus gemacht hatte, diese Politik zurückdrehen zu wollen, scheiterte. Paris bleibt Velo-City, politisch abgesichert und auf Kurs.

Aber fangen wir von vorne an. Per TGV Lyria fuhren wir ab Zürich in vier Stunden direkt ins Herz der Stadt, für sage und schreibe 25 Franken pro Person und Strecke. Wer die Sparangebote der SBB und SNCF im Blick behält – wie unsere umweltbewusste Tochter – reist günstiger nach Paris als andere von Zürich nach Bern. Die relaxte Anreise per Zug war der perfekte Auftakt für zwei Tage in einer Stadt, die sich in den letzten Jahren von Grund auf neu erfunden hat.

Wo wir wohnten: Hotel Off Paris Seine

Unser Zuhause für zwei Nächte war das Off Paris Seine, ein schwimmendes Boutique-Hotel auf statt an der Seine. Ich hatte nach aussergewöhnlichen Unterkünften gesucht und war begeistert von den stylishen Zimmern. Die Lage im 13. Arrondissement, praktisch zwischen Gare de Lyon und Gare d’Austerlitz, ist nicht das Epizentrum von Paris, aber vom TGV kommend ist man zu Fuss in zehn Minuten dort und Notre Dame z.B. ist in rund 20 Minuten erreicht. Ein echter Hingucker: der smaragdfarben glänzende Pool neben der Bar auf dem Schiff.

Wir freuten uns über das super stylische Design mit der knallgelben Badewanne und den ebensolchen Waschbecken und wunderten uns gleichzeitig über das offene Badezimmerkonzept ohne Sicht- und Spritzschutz beim Duschen. Wen dies stört, der fährt mit einem Standardzimmer mit regulärer Dusche sicher besser.

Travelistas-Tipp: Unbedingt ein Seine-View-Zimmer buchen! Wer hellhörig ist und bei offenem Fenster schlafen möchte, nimmt besser Ohrenstöpsel mit – die Strassenbahn rattert ganz schön laut über die nahe Brücke über die Seine. Bei geschlossenen Fenstern ist das allerdings kein Problem.

Tag 1: Die beste Fahrradroute durch Paris (15 km)

Unsere Route führt dich in 48 Stunden zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Notre Dame, Eiffelturm, Louvre, Marais und mehr. Insgesamt legst du rund 22 Kilometer zurück – ideal für ein entspanntes Wochenende.

9.00 Uhr — Jardin des Plantes

Direkt gegenüber unserem Hotel liegt einer der ältesten botanischen Gärten der Welt. Wir starteten den Morgen mit einem kurzen Spaziergang durch die Alleen des Jardin des Plantes. Durch das Quartier Latin, das historische Studentenviertel – schon toll, einmal wenigstens vor der Sorbonne zu stehen – schlendern wir zurück zum Ufer der Seine und am Wasser entlang weiter Richtung Île de la Cité zur Notre Dame. Schon von weitem sehen wir sie, frisch renoviert nach dem verheerenden Brand 2019. Ich möchte sie unbedingt von innen sehen, aber: Geduld. Erst die Räder abholen! Natürlich nicht irgendeins, ich hab’s gern mit Stil, daher ein holländisches, bitte.

Travelistas_Paris_Jardin des Plantes

10.00 Uhr — Velos abholen bei Hollandbikes

Direkt bei der Notre Dame holten wir unsere Fahrräder wie vom Hotel vorgeschlagen bei Hollandbikes bzw. auf deren Velo-Parkplatz in einem Parkhaus. Das ging total unkompliziert, alles lief per E-Mail und mit Codes. Klappte auch fast, nur, dass mein Schloss sich nicht öffnen liess. Das Personal antwortete jedoch sofort auf unseren Hilfeanruf und im Nu bekam ich ein neues Fahrrad zugewiesen.

Raus aus der Garage in den Verkehr, mein Mann sagte sein “Lass uns lieber über kleine Strassen fahren” und los ging’s. Schon nach 50m wussten wir, was Paris für Velofahrende so besonders macht: Ex-Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat in den vergangenen Jahren mehr als 1000 km Radwege in der Stadt gebaut. Nicht nur gibt es überall Velospuren, teilweise zweispurig, in Einbahnstrassen dürfen Fahrräder sehr häufig auch entgegen der Fahrtrichtung fahren. Die Stadt hat Verkehr neu gedacht und Fahrräder in der Hierarchie vor Autos gestellt.

10.15 Uhr — Jardin du Luxembourg und Rive Gauche (ca. 2 km)

Grosse Boulevards oder kleine Strassen war uns ab sofort egal. Wir radelten durch die Quartiere am Rive Gauche mit den klingenden Namen wie Quartier Latin (5. Arrondissement), Saint-Germain-des-Prés (6. Arrondissement) und das Quartier des Invalides (7. Arrondissement). Alle mit ruhigen Quartiersträsschen, quirlige Geschäftsstrassen, kleinen Cafés, Buchläden usw.. Das unverwechselbare Pariser Strassenleben einfach. Beim Jardin du Luxembourg stiegen wir vom Sattel. Fahrräder verboten – gar nicht schlecht, um den Morgen im Park unter den Kastanienalleen richtig einzusaugen. Der Senat-Palast, der Springbrunnen, der gerade für den Frühling geputzt wird, Pariser Mütter und Studierende auf Parkbänken, asiatische Touristen mit ihren Kameras.

11.00 Uhr — Hôtel National des Invalides (ca. 1,5 km)

Kurzer Stopp beim Hôtel National des Invalides. Kein Hotel im eigentlichen Sinne, sondern ein Monument inkl. Armeemuseum. Die goldene Kuppel glänzt selbst im Gegenlicht, wir können gar nicht anders, als abzusteigen, stehenzubleiben und zu staunen. Hier liegt also Napoleon I begraben. Dennoch: Wir fahren weiter, und bekommen hinterher von Tomis Kollegen geschimpft, das wir nicht reingegangen sind. La prochaine fois…!

11.20 Uhr — Eiffelturm (ca. 1,5 km)

Dann taucht der Eiffelturm auf – immer wieder einfach WOW! Wir fotografieren, bleiben aber unten, ganz bewusst. Den Blick von oben haben wir für den Nachmittag reserviert, und zwar vom Tour Montparnasse aus. Der einzige Wolkenkratzer und die einzige Aussichtsplattform in Paris, von der aus man auch den Eiffelturm selbst sehen kann. Ein super Tipp eigentlich, nur schade, dass er ein paar Tage nach unserem Besuch und bis voraussichtlich 2030 (OMG) geschlossen ist.

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Travelistas_Paris_Eifelturm_mit Ballon
Eifelturm

11.35 Uhr — Place du Trocadéro (ca. 0,5 km)

Hinüber über die Seine zum Trocadéro, dem Platz mit spektakulärer Aussicht auf den Eiffelturm. Hier erwartet euch Paris mit einem seiner grossen Gratis-Spektakel. Touristinnen und Touristen aus aller Herren Länder, die „Unter welchem Hütchen ist der Würfel“-Wette-Spieler aus Osteuropa, die beim Auftauchen der Polizei plötzlich das Weite suchen, Strassenhändler mit blinkenden Miniatur-Eiffeltürmen, und ein grimmig dreinschauender Typ, der rote Herzchen-Ballons für Erinnerungsfotos «vermietet». Zwei Damen mit rotem Barett posierten tatsächlich damit – so richtig strahlen wollen auch sie nicht, lieber ein bisschen Drama versprühen. Paris eben.


Travelistas Tipp: Besonders toll ist es hier auch abends, wenn der Eiffelturm seine Glitzershow zum Besten gibt und funkelt wie verrückt. Wenn Ihr Zeit habt, kommt abends nochmals her!

12.00 Uhr — Arc de Triomphe und Champs-Élysées (ca. 2,5 km)

Weiter zum Arc de Triomphe – und ja, hier hat es leider noch keine Velospur drumrum geschafft. Deshalb: die Champs-Élysées hinunter, wieder auf einem eigenen Velostreifen, versteht sich. Etwa auf halber Höhe der berühmtesten Promenade der Welt baut Louis Vuitton derzeit ein Gebäude, das aussieht wie ein riesiger Designer-Koffer. Auch das: Paris eben.

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Arc de Triomphe de l’Étoile

13.00 Uhr — Mittagessen nahe Arc de Triomphe

Eine der vielen netten Brasseries rund um die Champs-Élysées. Ein Glas Weisswein, ein Salat und das Pariser Strassentreiben vor dem Fenster. Wir brauchen nicht mehr. Brasseries gibt es in der Stadt in rauen Mengen, und wir finden: Man kann bei keiner wirklich falsch liegen.

14.30 Uhr — Louvre und Jardin des Tuileries (ca. 3 km)

Weiter zum Louvre, auch hier geniessen wir von aussen, beim Leute-Beobachten auf dem weitläufigen Hof. Wer braucht ein Museumsticket, wenn man bei Sonnenschein zwischen Schulklassen, Influencerinnen und japanischen Reisegruppen sitzen und das Treiben geniessen kann? Danach eine Runde durch den Jardin des Tuileries, bevor wir die rund 3 km zurück zum Hotel radelten, gemütlich an der Seine entlang – natürlich wieder auf einem eigenen Velostreifen.

16.00 Uhr — Kurzer Blick in das Institut du monde arabe

Auch ein Haus, das mich immer magisch anzog und in das ich es nie geschafft hatte: Das Institut du monde arabe, ebenfalls direkt an der Seine. Ich mache einen kurzen Stopp und schaue wenigstens, ob mich die Ausstellung so packt, das ich sie am nächsten Tag sehen müsste (nein) und werfe einen Blick ind den Museumsshop, während mein Mann schon weiter ins Hotel fährt.

16.00 Uhr — Blick von oben auf ganz Paris vom Tour Montparnasse

Wir fahren wieder über die Seine zum Tour Montparnasse, dem einzigen Wolkenkratzer und der einzigen Aussichtsplattform in Paris, von der aus man auch den Eiffelturm selbst sehen kann. 210m ist er hoch und besonders zum Sonnenuntergang ist der Blick dramatisch schön. Also wirklich ein super Tipp. Schade nur, dass er ein paar Tage nach unserem Besuch und bis voraussichtlich 2030 (!) geschlossen ist.

17.00 Uhr — Drink mit Blick auf die Seine

Zurück im Hotel, sollten wir uns eigentlich umziehen, aber beim Anblick des goldenen Nachmittagslicht, das sich auf der Seine spiegelt, bleiben wir in der Bar des Hotels auf dem Wasser hängen. Das Personal ist total freundlich, die Drinks schmecken, alles fliesst. Was will man mehr? Vielleicht noch ein Abendessen in einer spektakulären Location?

19:30 Uhr — Abendessen im Le Train Bleu

Das absolute Abend-Highlight: das Le Train Bleu im Gare de Lyon. Das historische Bahnhofrestaurant aus dem Jahr 1901 ist ein Monument für sich. Vergoldete Decken, riesige Wandgemälde, weisse Tischtücher, perfekter Service. Wenn nicht gleich ein Abendessen, solltet ihr euch hier mindestens einmal einen Drink gönnen – wobei: der Platz im Restaurant statt im hinteren Caféteil und das ganze Drum und Dran am Abend ist schon seinen Preis wert. Unglaublich viel Personal kümmert sich minutiös um die Gäste, da wird flambiert, tranchiert, Servietten gereicht – allein das Spektakel lohnt sich schon. Réserver à l’avance, s’il vous plaît.

Tag 2: Paris mit dem Fahrrad entdecken (7,5 km)

10:00 Uhr — Pain au chocolat et café im Regen

Der zweite Morgen empfing uns mit grauem Himmel und feinem Regen. In Paris kein Grund zur Traurigkeit, sondern Einladung zu einem der schönsten Stadtrituale: Pain au chocolat und Café au lait in einer Bäckerei um die Ecke. Nass, warm, perfekt.

10:30 Uhr — Notre Dame innen (ca. 1 km)

Zurück zur Notre Dame, und jetzt wirklich hinein. Auf den ersten Blick sind wir fast etwas enttäuscht: Trotz der schier unglaublichen Grösse wirkt der Innenraum fast unscheinbar, statt überladen fast asketisch. Wer sich aber Zeit nimmt und durch die Seitenschiffe geht, entdeckt eine unglaubliche Vielfalt. Kapelle um Kapelle, Licht durch Fenster mit wunderbaren Glasmalereien, Gemälde und Skulpturen in den Nischen, die Krone Christi, eine der bedeutendsten Reliquien des Christentums,… Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Immer wieder erklingt durch Lautsprecher ein intensives “Pschschschscht – Silence s.v.p.” und mahnt die Besucher zum Innehalten und Leise werden.


Travelistas-Tipp: Die Notre Dame empfängt täglich rund 30’000 Besucherinnen und Besucher. Der Eintritt ist und bleibt kostenlos. Wer online ein «Ticket» kauft, ist auf einen der zahlreichen Scam-Anbieter hereingefallen. Unbedingt nur über die offizielle Website reservieren, damit kommt ihr schneller rein und zahlt keinen Cent.

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Kathedrale Notre-Dame de Paris

12:00 Uhr — Fondation Cartier pour l'art contemporain (ca. 3 km)

Vom 5. ins 14. Arrondissement, zur Fondation Cartier pour l’art contemporain. Ein absoluter Geheimtipp für alle, die Gegenwartskunst lieben. Das Gebäude von Jean Nouvel, fast vollständig aus Glas, Licht und Luft gebaut, ist selbst ein Kunstwerk. Und die Ausstellung beeindruckend.

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Fondation Cartier pour l'art contemporain

14:00 Uhr — Marais und Place des Vosges (ca. 3,5 km)

Gegen 16 Uhr gaben wir die Velos zurück, wieder unkompliziert, per Code und ganz ohne Personal. Danach zu Fuss ins Quartier Marais (4. Arrondissement): durch enge Gassen, vorbei an kleinen Boutiquen, Galerien, Cafés, dieser einzigartigen Mischung aus jüdischer Geschichte, queerer Kulturszene und Pariser Schickeria. Als Schlusspunkt wollten wir noch die Place des Vosges finden und wurden belohnt. Umgeben von Arkadenhäusern aus dem 17. Jahrhundert ist der Platz einer der ältesten in Paris und eine typische Minioase mitten im Trubel der Grossstadt. Hätten wir doch nur mehr Zeit gehabt – eigentlich wollten wir gar nicht mehr weg.

18:30 Uhr — TGV zurück nach Zürich

Aber es blieb uns nichts anderes übrig. Kurz zurück zum Hotel und die Koffer abholen und die 15 min über die Brücke (ein letzter Blick auf die Seine – hach!) zum Gare de Lyon.

Fazit: Paris als perfekte Fahrradstadt

Insgesamt sind heute 7 Kilometer der Seine-Quais ausschliesslich für Fussgängerinnen und Fahrradfahrende reserviert. Das Vélib‘-System umfasst 1500 Stationen in Paris, mit einem Docking-Point alle 300 Meter. Wer lieber ein klassisches Stadtrad möchte, findet bei Anbietern wie Hollandbikes eine komfortable Alternative, unkompliziert buchbar per E-Mail und Code, ganz ohne Personal. Bis 2026 soll Paris zu 100 % eine Fahrradstadt werden, mit 180 neuen, sicheren Kilometern Radweg.

Die Stadt auf dem Sattel zu erleben bedeutet: keine U-Bahn-Treppen, kein Warten, kein verpasstes Viertel. Man fährt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, entdeckt das Dazwischen — und das Dazwischen ist oft das Schönste.

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