Den Aletschgletscher auf Schritt und Tritt im Blickfeld

Den Aletschgletscher auf Schritt und Tritt im Blickfeld

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Der Aletschgletscher ist Naturwunder und Sinnbild für die Klimaerwärmung gleichermassen. Und: Er ist atemberaubend schön. 23 Kilometer lang zieht er sich von rund 4000 Metern in der Jungfrauregion hinunter bis auf die rund 2500 Meter tiefer gelegene Massaschlucht. Damit ist der Aletschgletscher ist der längste Eisstrom der Alpen. Auf der Gratwanderung vom Bettmerhorn zur Riederalp lässt sich sein Anblick stundenlang geniessen.

Gestartet wird in Betten (VS) – mit der Luftseilbahn. Es ist noch früh in der Wandersaison, ausserdem ist die Wetterentwicklung am Nachmittag etwas unsicher – zwei wunderbare Ausreden, um die Höhenmeter der Technik zu überlassen. Auf der Bettmeralp ein 10-minütiger Fussmarsch durchs Dorf, schon schaukeln wir in einer weiteren Gondel dem eigentlich Startpunkt unserer Wanderung entgegen: der Bergstation Bettmerhorn.

Vom an diesem Morgen ziemlich verwaisten Panorama-Restaurant aus sind es nur wenige Schritte – allerdings in Gegenwart von noch gehörig viel Schnee, schliesslich sind wir hier auf 2647 Metern über Meer – bis zum Aussichtspunkt. Schon vor jeglicher Anstrengung eröffnet sich hier der atemberaubende Blick über den Aletschgletscher.

Etwas Rumgeklettere auf den Felsen und ein (erstes) kleines Foto-Shooting bringen den Puls hoch, bevor wir auf die rund zweieinhalb-stündige Wanderung auf dem Bergkamm aufbrechen.

Risse im Berg und Sahara auf dem Schnee

Wenn die sich immer wieder etwas veränderne Perspektive auf den grossen Aletschgletscher nicht gerade ablenkt, gibt es auch sonst so einiges zu sehen und zu erleben. Kleine Rutschpartien auf einzelnen Schneefeldern, mächtige Hummeln, die sich an den blau leuchtenden Enzianen zu schaffen machen, reflektierende kleine Seen, und eindrückliche Erdrisse etwa. Der Berg ist hier sichtbar in Bewegung. Einzelne Wegschlaufen sind daher vorsichtshalber mit Steinhaufen abgesperrt worden.

Die Schneefelder weisen einen rötlichen Schimmer aus. Saharastaub kennt halt keine Grenzschliessungen, auch nicht während eines Pandemie-Frühlings!

Unterwegs stossen wir wiederholt auf Aussichtspunkte mit Informationstafeln. Wir lernen etwa, dass der Gletscher teilweise bis zu 900 Meter dick ist und 11 Milliarden Tonnen wiegt. Langsam verändert sich die Vegetation, nach rund zwei Stunden Marsch befinden wir uns nicht mehr oberhalb der Baumgrenze sondern spazieren bald schon durch einen kleinen Wald – einen Ausläufer des unter Schutz stehenden Aletschwalds, um genau zu sein. Kurz darauf erreichen wir die pittoreske Villa Cassel, das Naturfreundezentrum auf der Riederfurka.

Zwischenstopp bei der Villa Cassel

Weil hier der Betrieb erst eine Woche später aufgenommen wird, müssen wir auf einen Ausstellungsbesuch oder eine Erfrischung auf der Terrasse verzichten. Von einem früheren Besuch her kann ich das Verweilen in der Villa Cassel – welches 1976 als erstes Naturschutzzentrum der Schweiz eröffnet wurde – oder auch eine Übernachtung wärmstens empfehlen. Das herrschaftliche Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Sommerresidenz des reichen Engländers Sir Ernest Cassel erbaut und nach seinem Tod über Jahrzehnte – bis zur Umwandlung ins Umweltbildungszentrum – als Hotel geführt. (Mehr zur Geschichte gibt es hier.)

© Villa Cassel

Nach eine kurzen Rast an den verwaisten Picknicktischen steigen wir hinab auf die Riederalp. Von hier fährt die Seilbahn zurück zur Bahnstrecke ab Mörel. Wers nicht eilig hat, kehrt in der Bäckerei Zurschmitten nahe der Seilbahnstation Riederalp Mitte zu einem hausgemachten Nussgipfel und einer flüssigen Erfrischung ein – oder bleibt im dazugehörigen Bed and Breakfast gleich noch eine Nacht. Per Gondel geht es hinunter zur Bahnstation Mörel.

Die Wanderung: Bettmerhorn – Riederfurka – Riederalp

Ab Betten per Seilbahn auf die Bettmeralp, von dort (10 Min Fussmarsch zwischen den Stationen) per Gondelbahn aufs Bettmerhorn. Die Wanderung auf dem Gebirgskamm zur Riederfurka und dann weiter zur Riederalp dauert ca 2.5 bis 3 Stunden. Ob all den pittoresken Aussichtspunkten, Informationstafeln und einladenden Picknickplätzchen unbedingt genügend Zeit für Pausen einberechnen. Anfangs Saison kann es noch Schneefelder haben, gute Ausrüstung und Trittsicherheit sind daher Pflicht.

Detailinformationen zu Anreise, Wanderung und Unterkünften sind auf der Webseite der Aletsch Arena zu finden.

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