Vom Balkon blickt man auf ein Paradies: Vor mir liegt der subtropisch gestaltete Park der Villa Castagnola mit Palmen und Kunstinstallationen, dahinter öffnet sich der Blick auf den glitzernden Luganersee und die grünen Hügel ringsherum, bis zum gegenüberliegenden Monte San Salvatore. Hier in diesem 5-Sterne-Superior Hotel in Lugano fühlt man sich wie ein persönlicher Gast in einer eleganten Privatvilla.
Das Hotel ist seit seiner Gründung vor mehr als 140 Jahren in Familienbesitz. Ursprünglich war es eine private Villa, die 1880 von der russischen Adelsfamilie Von Ritter gebaut wurde. 1885 kaufte die Familie Schnyder von Wartensee aus Luzern das Anwesen. Weil es für sie allein zu gross war, begannen sie, Zimmer zu vermieten. So entstand eine Pension und schliesslich das Hotel. Seit 1982 ist die Villa Castagnola im Besitz der Familie Garzoni. Sie liessen das Haus umfassend renovieren und erweitern. Daraus wurde ein harmonisch gestaltetes Luxushotel, in dem die Gastgebenden ihre Spuren hinterlassen haben.
Kunst als roter Faden
Besitzerin Marisa Garzoni ist Kunstliebhaberin und bringt von ihren Reisen rund um die Welt gern Souvenirs mit, die sich in die Gestaltung des Hotels einfügen. Im Salone Camino hängt ein Wandteppich aus dem 17. Jahrhundert, davor stehen Vasen aus China. In den Gängen und Zimmern hängen Kunstwerke in unterschiedlichen Stilen und im weitläufigen Park stehen Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Tessin. Doch nicht nur die Kunstwerke machen die Villa Castagnola zu etwas Besonderem. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet und hat seinen eigenen Charakter. In einem schlicht gehaltenen Zimmer sticht ein knallroter Schreibtisch ins Auge, in einem anderen ist alles in dezentem Grün gehalten. Die Wände in meiner Junior Suite verlaufen von blauen Farbtönen in grüne und gehen schliesslich in ein leuchtendes Gelb über. Im Schlafzimmer leuchtet ein opalfarbener Mond, im Wohnzimmer ist es eine Sonne. Die bunten Farben, das gemütliche beige Sofa und der Blick von den beiden Balkonen erzeugen sofort eine besondere Wohlfühlatmosphäre.
Auch jedes Stockwerk der Villa Castagnola leuchtet in anderen Farben. An jeder Ecke merkt man, wie viel Wert hier auf Details gelegt wird. Das Hotel hat seinen ganz eigenen Charme und einen Stil, der sich schwer einordnen lässt. Es ist eine zeitlose Eleganz, die sich durch das gesamte Grand Hotel zieht. Der zentrale Gedanke dahinter: Die Familie Garzoni möchte das Gefühl einer Villa aufrechterhalten. In diese Idee fügen sich auch die verschiedenen Salons und die unterschiedlichen kleinen „Wohnzimmer“ ein, die man für verschiedene Zwecke mieten kann. Bei meinem Besuch ist in einem beispielsweise ein Pop-up-Store für Hochzeitskleider.
Teil des speziellen Villa-Gefühls ist auch die Gastfreundschaft. Der Kellner beim Frühstücksbuffet kennt schon meine Kaffeebestellung, abends wartet am Kopfpolster eine kleine Praline als Gute-Nacht-Gruss. Es sind kleine Aufmerksamkeiten wie diese, die den Aufenthalt besonders machen. Dass Gäste die Einzigartigkeit der Villa Castagnola schätzen, merkt man auch daran, dass viele schon seit Generationen in das Grand Hotel kommen.
Kunst für den Gaumen
In der Villa Castagnola wird Genuss gross geschrieben. Executive Chef Alessandro Boleso ist für drei verschiedene Restaurants verantwortlich. Im La Rucola gibt es das ausgiebige Frühstücksbuffet, genauso wie Tessiner Gerichte mit internationalem Einfluss für unkomplizierte Mahlzeiten. Im Le Relais mit 15 Gault&Millau Punkten wird die mediterrane Küche neu interpretiert, dabei wird auch Wert auf lokale und saisonale Zutaten gelegt. Das schmeckt man auch: Meine Spaghettoni Chitarra mit Haselnusscreme, Roter Bete und Grapefruit klingen erst ungewöhnlich, am Gaumen erzeugt die Kombination aber einen erstaunlich harmonischen Geschmack.
Doch das dritte Restaurant legt die Latte noch einmal höher. Das Arté al Lago ist kein gewöhnliches Restaurant, sondern gleichzeitig eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Hier stellen jedes Jahr lokale und internationale Künstlerinnen und Künstler aus. Von der Decke baumeln orange Kraniche, an den Wänden hängen Kunstwerke in verschiedenen Farben und Stilen. Das Restaurant liegt direkt am See, durch die grossen Fenster sieht man, wie sich im Laufe des Abendessens der Himmel und das Wasser in leichte Rosatöne verfärben. Doch die Kunst hier sind nicht nur die Ausstellungsstücke, die man übrigens auch kaufen kann, sondern auch (oder vor allem) das Essen. Das Restaurant hat 16 Gault&Millau Punkte und jeder Gang ist so ästhetisch angerichtet, dass man das Kunstwerk fast nicht zerstören möchte. Doch dann würde man ein ganz besonderes Geschmackerlebnis verpassen. In den Gerichten werden Tradition und Kreativität verbunden und die Zutaten und ihre Aromen wertgeschätzt. Besonders fantastisch ist die Vorspeise aus Spargel und Erdbeeren und die violetten Gnocchi mit Aubergine sind extra raffiniert angerichtet.
Wellness am See
Verwöhnt werden Gäste auch im Wellnessbereich. Der blau leuchtende Pool liegt sanft zwischen den verspiegelten Wänden, durch die grossen Glasfronten sieht man direkt hinaus in das satte Grün des weitläufigen Parks. Heute ist es sonnig und warm, die grossen Fenster sind deshalb geöffnet, einige Liegen stehen auch draussen auf der Wiese. Im Hydropool im angrenzenden Raum fühlt man sich fast wie im Dschungel, vor dem Fenster schwanken die Bananenblätter im leichten Wind. Der Wellnessbereich umfasst auch Saunen und ein Dampfbad und im Clarins Beauty Corner wird man von einem kleinen Team mit Massagen, Gesichts- oder Körperbehandlungen verwöhnt. Nebenan gibt es auch einen Fitnessraum und draussen bietet sich der Tennisplatz für ein kurzes Match an.
Entspannen kann man aber auch direkt am See. Geht man einmal durch den Park und über die Strasse, steht man direkt am Ufer. Hier gibt es mit dem Lido einen privaten Zugang zum Luganersee, wo man auf Liegestühlen, Hängesesseln oder Sofas mit Blick auf den sanft plätschernden See abschalten kann. Und wenn der Hunger kommt, gibt es auch hier Kleinigkeiten zu essen und Getränke für einen noch entspannteren Strandtag.
Ob beim Abendessen am See, beim Spaziergang durch den Park oder auf dem Balkon des eigenen Zimmers: Überall spürt man, dass die Villa Castagnola ein ganz besonderes Luxushotel ist. Sie fühlt sich trotz ihrer Grösse noch immer wie eine private Villa an und ihre geschickte Architektur, der weitläufige Park und die ruhige Stimmung ermöglichen Privatsphäre. Durch die zeitlose Eleganz des Grand Hotels fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt und gleichzeitig ganz im Hier und Jetzt. Der Ort allein bringt zur Ruhe, ein endloser Sommer mit einem Hauch italienischem Dolce Vita liegt in der Luft. Die liebevollen Details, der geschmackvolle Stil und ihre Geschichte fügen sich so harmonisch zusammen, dass man sich nach einem Aufenthalt kaum vorstellen kann, dass dieses Hotel anders sein könnte, als es ist.
Tipps für die Umgebung
Direkt hinter der Villa Castagnola erhebt sich der Monte Brè, den man mit einer Standseilbahn erreichen kann. Oben wartet das Dorf Brè, ein Kunstpfad und ein spektakulärer Blick über den Luganersee und bis in die Berner Alpen. Lugano selbst ist auch nur einen kurzen Spaziergang entfernt, der Bus hält ebenso direkt vor der Tür. Auch das idyllische Fischerdorf Gandria ist nicht weit entfernt. Es ist eines der ursprünglichsten Dörfer am Luganersee und eignet sich gut für einen kleinen Ausflug.