Ich war vor mehr als zwanzig Jahren schon einmal in Namibia. Damals noch ohne Kinder, ohne Dachzelt, aber mit derselben Faszination für ein Land, das sich nicht erklärt, sondern einfach zeigt. Jetzt sind wir zu viert zurückgekehrt: meine Frau, unsere Kinder, ein Toyota Hilux mit Campingausrüstung, und die leise Ahnung, dass manche Orte mit der Zeit noch besser werden.
Klar, diese Reise erfordert einiges an Vorbereitung und Offenheit, aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man Eindrücke, die lange bleiben. Also macht euch bereit für die Highlights aus unserer ganz persönlichen Namibia-Familienreise.
Die Strecke: Von Windhoek in eine andere Welt
Unsere Tour: Windhoek → Kalahari → Sossusvlei → Swakopmund → Spitzkoppe → Damaraland → Etosha → Onguma → Okonjima → Windhoek
Wer Namibia zum ersten Mal auf der Karte sieht, unterschätzt es. Das Land ist fast so gross wie Deutschland, Frankreich und die Schweiz zusammen — und asphaltiert sind davon so ungefähr zehn Prozent. Der Rest: Schotterstrassen, Buschpisten, rote Erde und ein Horizont, der weiter ist als alles, was man kennt.
Tsauchab River Camp / Naukluft Mountain Zebra Park
Vor über 20 Jahren waren wir das erste Mal hier – ein unvergesslicher Ort mitten im Nirgendwo. Jetzt ist es immer noch genauso schön: Fünf Kilometer rauher Track durch den Busch, dann ein Campingplatz – riesig und fast unverschämt luxuriös. Wildtiere ganz nah, zweimal täglich Warmwasser (vom Guard mit Holz beheizt), gebaut als könnte Einsamkeit Luxus sein.
Von hier aus lohnt sich ein Abstecher in den Naukluft Mountain Zebra Park, wo einem zwischen schroffen Felsen und trockenen Flussbetten plötzlich Hartmann-Bergzebras entgegenschauen – ein stiller, fast unwirklicher Moment mitten in der namibischen Bergwelt.
Sossusvlei & Sesriem
Skeleton Coast
Etosha Nationalpark
Die grosse Salzpfanne, die Wasserstellen, die langen Phasen ohne Tier — und dann plötzlich: Löwen, Hyänen, Giraffen, Nashörner, Elefanten und sogar Wildhunde aus nächster Nähe. Selfdrive im eigenen Tempo, ohne Guide, ohne Programm. Unvergesslich, gerade für Kinder. Die Nationalpark-Unterkünfte sind alle staatlich und gefühlt etwas “staubig” — aber dafür ist man mittendrin und kann die Gate-Öffnungszeiten voll ausnutzen, was in der Früh und am Abend beim Tierbeobachten entscheidend ist.
Spitzkoppe
Die Spitzkoppe ragt wie eine Fata Morgana aus der flachen Wüstenlandschaft empor – ein Granitkoloss, der bei Sonnenauf- und -untergang in unwirklichen Orangetönen leuchtet und einen sprachlos zurücklässt.
Die wenigen Stellplätze im Spitzkoppe Camp (Achtung: nicht mit ähnlich klingenden Camps ausserhalb verwechseln) liegen weit verstreut zwischen Granitformationen. Betrieben von einem lokalen Trust. Kein Strom, kein fliessendes Wasser. Und trotzdem — oder vielleicht deshalb — absolut einer der schönsten Plätze der Reise.
Reisetipp: Unterkünfte
Was wir uns hätten sparen können
Windhoek
Die Hauptstadt Namibias war für uns eher ein Durchgangsort. Windhoek hat keine „Wow“-Momente, besonders mit Kindern. Der wahre Zauber Namibias entfaltet sich in den Weiten der Natur.
Kalahari
Die Kalahari ist wunderbar — aber nur, wenn man wirklich in ihr ist. Unser Farmhouse lag an Rand des Nationalparks und wir haben den Zauber kaum gespürt. Nächstes Mal: direkt in ein Reservat oder mit geführter Tour.
Gesundheit
Rückblickend haben wir uns vor der Reise mehr Sorgen um Malaria und Co. gemacht, als nötig gewesen wäre – mit gutem Mückenschutz, langer Kleidung am Abend und einer reisemedizinischen Beratung im Gepäck konnten wir Namibia, in der Trockenzeit (ca. Mai bis Oktober) entspannt geniessen.
Organisiert und massgeschneidert auf uns zugeschnitten wurde die Reise von der africa design travel ag – echten Afrika-Spezialisten mit Büros in St. Gallen, Zürich und Bern. Professionell, gut vernetzt, immer erreichbar.
Weitere Infos
Soussusvlei Dead Vlei
Namib-Naukluft Nationalpark, Südnamibia
Was es ist: Eine Salz- und Lehmebene am Ende des Tsauchab-Flusses, umgeben von einigen der höchsten Sanddünen der Welt — im Namib-Naukluft Nationalpark, der mit rund 49’000 km² einer der grösste Nationalpark Afrikas ist.
Facts:
- Dünen erreichen über 300 Meter Höhe. Dune 45, benannt nach ihrer Distanz vom Gate, misst rund 170 Meter und ist die bekannteste Kletterroute im Park
- Der Name Sossusvlei kommt aus dem Nama: «Sossus» bedeutet «kein Zurück», «Vlei» bedeutet «Sumpf»
- Die toten Kameldornakazien im Dead Vlei starben vor rund 900 Jahren ab, als der Tsauchab-Fluss seinen Kurs änderte und die Ebene vollständig abschnitt — seither stehen sie als Silhouetten im weissen Salzton, mumifiziert von der Hitze
- Das Gebiet gilt als eine der ältesten Wüstenlandschaften der Erde — die Namib selbst wird oft als die älteste Wüste der Welt bezeichnet
Gut zu wissen:
- Das Inner Gate öffnet eine Stunde vor Sonnenaufgang — wer im Park übernachtet, hat den entscheidenden Vorsprung gegenüber Tagesbesucherinnen und Tagesbesuchern
- Wer kein 4WD-Fahrzeug hat, kann einen Shuttle für rund ca. 180 NAD pro Person nehmen — die letzten 5 Kilometer bis zum Parkplatz führen durch losen Sand
- Das Klettern auf die toten Bäume im Dead Vlei ist (natürlich) verboten — sie sind spröder als sie aussehen und werden nie nachwachsen
Eintritt: 280 NAD pro Person + 60 NAD pro Fahrzeug, gültig 24 Stunden. Kinder bis 8 Jahre gratis. Permit-Kauf am Sesriem Gate.
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober. Nachmittags weniger Touristinnen und Touristen als am Morgen, wo der Sonnenaufgang lockt, dafür ist hier intensiveres Licht.
Offizielle Links: nwr.com.na und meft.gov.na
Spitzkoppe Camp
Erongo Region, Zentralnamibia
Was es ist: Ein Community-Campingplatz inmitten dramatischer Granitformationen — die Grosse Spitzkoppe erhebt sich auf 1’728 Meter über Meereshöhe und überragt ihre Umgebung um rund 700 Meter. Betrieben für und von der lokalen Gemeinschaft im Rahmen des namibischen Community-Based-Tourism-Programms.
Facts:
- Der Granit ist rund 130 Millionen Jahre alt — entstanden, als das Urkontinent Gondwana auseinanderbrach und Magma in das umgebende Gestein eindrang
- 31 Campingplätze, weit verstreut im Reservat — jeder Platz hat eine eigene Trockentoilette, Duschen und Gemeinschaftstoiletten befinden sich beim Eingang
- Die Spitzkoppe-Gemeinschaft (rund 500 Menschen) lebt in der Region und erwirtschaftet Einnahmen durch Viehzucht, Abbau von Halbedelsteinen wie Topas und Rosenquarz, sowie durch Handwerk und Tourismus
- Das Gelände ist als Protected Heritage Site unter dem namibischen Heritage Act und Umweltrecht geschützt — strikte Richtlinien sichern die Erhaltung der Felszeichnungen und des Ökosystems
Gut zu wissen:
- Spitzkoppe gehört zu den dunkelsten Regionen der Welt — die Milchstrasse ist mit blossem Auge so deutlich zu sehen, dass sie die Nacht erhellt
- Die Felsmalereien der San werden auf bis zu 4’000 Jahre geschätzt — Besuch nur mit Guide, buchbar direkt am Eingang
- Die Erstbesteigung über die Nordwestwand gelang 1946. Beim Klettern gilt bis heute: Das ist nichts für Anfängerinnen und Anfänger (und nur mit Genehmigung)
Reservierung: reservations@logufa.com und spitzkoppe.com
Etosha Nationalpark
Nordnamibia
Was es ist: Einer der bedeutendsten Wildtierschutzräume Afrikas. «Etosha» bedeutet in der Ovambo-Sprache «der grosse weisse Ort» — benannt nach der riesigen Salzpfanne im Herzen des Parks.
Facts:
- Der Park umfasst rund 22’270 km² und ist damit etwa halb so gross wie die Schweiz
- Die Etosha-Pfanne selbst misst 4’730 km² — eine der grössten Salzpfannen der Welt. Sie ist von der ISS aus sichtbar
- Der Park wurde 1907 als Wildschutzgebiet der deutschen Kolonialregierung gegründet — zu seiner Entstehungszeit war es das grösste Schutzgebiet der Welt, bevor es in den 1960er Jahren massiv verkleinert wurde
- 114 Säugetierarten und 340 Vogelarten, davon rund ein Drittel europäische Zugvögel. Der Büffel fehlt — er ist in Etosha ausgestorben und wird aus Seuchenschutzgründen (Maul- und Klauenseuche-Risiko) nicht wiederangesiedelt
- In Flutjahren wurden bis zu 1 Millionen Flamingos auf der Pfanne gezählt
Gut zu wissen:
- Die beleuchteten Wasserstellen in den Camps ermöglichen Nachtbeobachtung direkt vom Stuhl aus — Nashörner, Löwen, Schakale
- Im gesamten Park kann kein Geld abgehoben oder gewechselt werden. Und: Die Tankstellen innerhalb des Parks sind seit Jahren ausser Betrieb — ohne Hinweis, ohne Schild
- Im September 2025 brannten weite Teile des Parks — ein massives Feuer, das grosse Flächen der Vegetation zerstörte. Wer heute durch Etosha fährt, sieht beides: schwarze Spuren und erstes neues Grün. Die Natur arbeitet bereits an ihrer eigenen Antwort.
Eintritt: 280 NAD pro Person/Tag für internationale Besucherinnen und Besucher in Premium-Parks wie Etosha und Namib-Naukluft, 50 NAD pro Fahrzeug. Kinder unter 8 Jahren gratis. Kinder von 8-15 Jahren zahlen einen reduzierten Tarif.
Offizielle Buchung (Camps): nwr.com.na und meft.gov.na/national-parks/etosha
Onguma Private Game Reserve
Östlich des Etosha Nationalparks, Nordnamibia
Was es ist: Ein privates Wildreservat direkt an der östlichen Grenze des Etosha Nationalparks, mit offenem, ungezäuntem Übergang zwischen beiden Gebieten. «Onguma» bedeutet «der Ort, den man nicht verlassen möchte» — ein Versprechen, das sich für die Dauer des Besuchs absolut bewahrheitet.
Facts:
- 35.970 Hektar privates Wildland — offizielle Grösse laut Onguma selbst. Das ist rund 360 km², fast zehn mal so gross wie der Kanton Basel-Stadt
- Über 30 Säugetierarten und mehr als 300 Vogelarten. Onguma beherbergt die grösste Brutkolonie von Weissrückengeiern in ganz Namibia
- Onguma ist offizieller Black Rhino Custodian — in Zusammenarbeit mit dem namibischen Umweltministerium schützt das Reservat aktiv eines der seltensten Tiere Afrikas
- Camp Kala, 2022 eröffnet, ist eines der exklusivsten Safari-Lodges Namibias: vier Suiten, private Plunge Pools, Architektur von Nick Plewman Architects
Gut zu wissen:
- Weil die Grenze zu Etosha nicht abgezäunt ist, wandern Tiere frei zwischen den beiden Gebieten — Elefanten, Nashörner und Löwen inklusive
- Onguma bietet Nachtfahrten, Sundowner-Drives und geführte Walking Safaris — alles, was der staatliche Park nicht erlaubt. Der Standard bei Guides und Tierschutz ist dennoch hoch.
- 5 Lodges, 2 Campsites: vom Zelt bis zum Fünf-Sterne-Suite ist alles vertreten
Offizielle Website: onguma.com
Okonjima Africat Foundation
Omboroko-Berge, Zentralnamibia — ca. 48 km südlich von Otjiwarongo
Was es ist: Ein privates Naturreservat von 22’000 Hektar (220 km²) — gleichzeitig Forschungsstation, Leuchtturm für Grosskatzen-Schutz und eine der überzeugendsten Verbindungen von Tourismus und Naturschutz in Namibia.
Facts:
- AfriCat wurde 1992 offiziell als privates gemeinnütziges NGO registriert — aus einer Viehzüchter-Familie, die beschloss, die Natur zu umarmen statt gegen sie zu kämpfen
- Das Reservat begann mit 5’400 Hektar, durch die schrittweise Eingliederung von vier Nachbarfarmen wuchs es auf die heutigen 22’000 Hektar
- Über drei Jahrzehnte hat AfriCat mehr als 1’050 Tiere, die durch Mensch-Tier-Konflikte betroffen waren, gerettet und (im eigenen Gelände) freigesetzt
- AfriCat forscht heute schwerpunktmässig zu Leoparden, braunen Hyänen und Pangolinen. 2023 wurde im Leoparden-Forschungsprojekt ein Leopard der dritten Generation aufgenommen — Mutter und Grossmutter sind bereits Teil des Projekts
Gut zu wissen:
- «AfriCat» steht für «A Free Cat» — der ursprüngliche Rat an Farmer war: das Vieh nachts einpferchen, die Raubkatzen frei und wild leben zu lassen
- Die Leopardendichte in Okonjima gehört zu den höchsten in Namibia — rund 33 Individuen wurden Ende 2023 gezählt, auf 220 km²
- Der Name «Okonjima» kommt aus dem Herero und bedeutet: «Ort der Paviane»
- Malaria-freies Gebiet
Offizielle Websites: okonjima.com und africat.org
Mehr Tipps
Wer noch unschlüssig ist, in welches Land die Afrika-Reise gehen soll, findet hier Sabines und Noras Eindrücke aus Uganda:

