Ferrari Dino Meeting Silvaplana: Wenn das Engadin nach Oldtimern klingt
Silvaplana verbindet man normalerweise mit See, Wind, Bergen und der Nähe zu St. Moritz. An diesem Wochenende kam noch etwas dazu: der Klang klassischer Motoren.
Vom 18. bis 21. Juni 2026 fand hier das vierte Internationale Ferrari Dino Meeting statt. Mehr als 70 klassische Fahrzeuge kamen dafür ins Oberengadin, begleitet von Teilnehmenden aus über acht Ländern. Einige reisten aus der Schweiz an, andere aus anderen europäischen Ländern und sogar aus den USA und Kanada.
Ich war am Donnerstag bei der Eröffnung dabei und am Freitag bei der Ausfahrt sowie beim Concours d’Elegance auf der Plazza dal Güglia. Für mich war es das erste Mal bei einem solchen Oldtimer-Treffen.
Man kam schnell ins Gespräch. Mit Menschen, die zum ersten Mal dabei waren. Mit anderen, die bereits zum dritten Mal nach Silvaplana gereist sind. Und mit Teilnehmenden, die ihre Autos nicht einfach besitzen, sondern wirklich verstehen.
Über 70 Dinos auf einem Platz – und jeder wirkt anders
Am Freitag standen die Fahrzeuge für den Concours d’Elegance auf der Plazza dal Güglia. Sauber aufgereiht, viele mit offener Motorhaube, jedes einzelne sorgfältig vorbereitet. Die Klassiker wurden öffentlich präsentiert und von einer Jury bewertet – gleichzeitig konnte man als Besucherin oder Besucher ganz nah heran.
Das war einer der stärksten Momente des Wochenendes. Man ging von einem Dino zum nächsten, sah Farben, Innenräume, kleine Details, Motoren, Embleme, Felgen und diese typischen Linien, die man auch dann erkennt, wenn man kein Auto-Experte ist.
Einige Fahrzeuge wirkten fast makellos. Andere hatten mehr Patina und dadurch ihren ganz eigenen Charakter. Bei allen spürte man, wie viel Pflege und Zeit darin steckt.
Was mir besonders auffiel: Die Besitzerinnen und Besitzer wussten genau, was sie da fahren. Sie kennen die Geräusche, die Eigenheiten, die kleinen Macken. Man merkt schnell, ob jemand ein Auto nur schön findet – oder ob jemand wirklich weiss, was unter ihm arbeitet.
Der Sound, den kein Foto zeigen kann
Fotos können viel. Den Sound eines Ferrari Dino aber können sie nicht einfangen.
Wenn mehrere Dinos starten, verändert sich die Stimmung sofort. Gespräche brechen kurz ab, Köpfe drehen sich, Handys werden gezückt. Der Klang ist laut, direkt und roh – nicht unangenehm, sondern genau so, dass man für einen Moment automatisch stehen bleibt.
Für mich war das einer der emotionalsten Eindrücke. Nicht, weil es einfach laut war. Sondern weil man spürte, dass diese Autos nicht nur zum Anschauen gebaut wurden.
Im Fiat Dino Spider mitten in der Ausfahrt
Am Freitag war ich bei der Ausfahrt in einem Fiat Dino Spider dabei. Und das war eigentlich die perfekte Perspektive: offen, nah dran, mitten in der Gruppe.
Vor uns und hinter uns fuhren die Ferrari Dinos durch das Engadin. Dazu kamen Passstrassen, Berge, Seen und Menschen am Strassenrand, die winkten oder fotografierten. Im offenen Spider nahm man alles direkter wahr: den Fahrtwind, die Geräusche, die Kurven, die Landschaft.
Drei Routen, die wie gemacht waren für klassische Sportwagen
Was das Ferrari Dino Meeting in Silvaplana besonders machte: Die Fahrzeuge wurden nicht nur präsentiert, sondern wirklich gefahren. Und das auf Routen, die perfekt zum Charakter der Dinos passten.
Am Freitag führte die erste grosse Ausfahrt von Silvaplana über die alte Kantonsstrasse des Engadins nach Zernez. Von dort ging es weiter durch den einspurigen Tunnel Munt La Schera nach Livigno, über die Fuorcla di Livigno und den Berninapass zurück nach Silvaplana.
Am Samstag folgte die wohl eindrücklichste Etappe. Startpunkt war Schloss Crap da Sass in Surlej. Die Route führte über den Julierpass nach Thusis, weiter durch die Viamalaschlucht und über den Splügenpass bis nach Chiavenna. Nach einem Halt am Comersee ging es mit einer Extrafähre nach Varenna und anschliessend über den Malojapass zurück ins Engadin.
Der Sonntag war etwas ruhiger, aber nicht weniger schön. Die letzte Ausfahrt führte von St. Moritz Dorf via Celerina und Samedan nach Punt Muragl. Von dort ging es mit der Standseilbahn auf Muottas Muragl – mit Blick über die Oberengadiner Seenlandschaft.
Warum der Dino mehr ist als ein schöner Oldtimer
Um zu verstehen, warum die Dino-Reihe bis heute so viele Menschen fasziniert, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Der Name geht auf Alfredo Ferrari zurück, den Sohn von Enzo Ferrari. Er wurde „Dino“ genannt und beschäftigte sich früh mit der Idee kleinerer, leichterer Motoren. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1956 blieb der Name in Maranello erhalten – zuerst bei Rennmotoren und später bei Strassenfahrzeugen.
Wichtig ist: Dino war ursprünglich nicht einfach ein einzelnes Modell, sondern eine eigene Linie innerhalb der Ferrari-Welt. Sie stand für Fahrzeuge mit V6- und später auch V8-Motoren, also für eine andere Richtung als die klassischen Ferrari mit V12-Motor. Die Idee dahinter war, sportliche, kompaktere Fahrzeuge zu bauen, die trotzdem klar aus Maranello kamen.
Zu den bekanntesten Ferrari-Dinos gehören der Dino 206 GT und der spätere Dino 246 GT beziehungsweise 246 GTS. Der 206 GT war das erste in Serie gebaute Dino-Strassenmodell von Ferrari und wurde Ende der 1960er-Jahre vorgestellt. Danach folgte der 246 GT mit grösserem 2,4-Liter-V6-Motor; als 246 GTS gab es ihn auch mit herausnehmbarem Dachteil. Später kamen mit dem Dino 308 GT4 und dem Dino 208 GT4 auch V8-Modelle dazu, bevor diese Fahrzeuge ab Mitte der 1970er-Jahre stärker unter dem Ferrari-Namen geführt wurden.
Zur Dino-Geschichte gehören aber nicht nur Ferrari-Modelle. Auch der Fiat Dino spielte eine wichtige Rolle – als Spider und Coupé. Diese Fahrzeuge entstanden, weil Ferrari für den Einsatz des V6-Motors im Motorsport eine bestimmte Stückzahl an Motoren bauen musste. Fiat half dabei, diese Produktionszahl zu erreichen, und brachte eigene Modelle mit dem von Ferrari entwickelten Dino-V6 auf die Strasse. Genau deshalb passte es auch so gut, dass ich bei der Ausfahrt in Silvaplana in einem Fiat Dino Spider mitfahren durfte: Er gehört zwar nicht zur Ferrari-Dino-Reihe im engeren Sinn, ist aber eng mit ihrer Geschichte verbunden.
Und dann gibt es noch Lancia. Der bekannteste Bezug ist der Lancia Stratos, eine der grossen Rallye-Ikonen der 1970er-Jahre. Auch er nutzte den Ferrari-Dino-V6 – allerdings in einem völlig anderen Umfeld: nicht als eleganter Strassensportwagen, sondern als kompromissloses Rallye-Auto. Der Stratos zeigte, wie vielseitig dieser Motor war: Er passte in einen Ferrari Dino 246, in einen Fiat Dino Spider und später auch in ein Fahrzeug, das auf Schotter, Schnee und engen Rallyeprüfungen Geschichte schrieb.
Vor Ort in Silvaplana merkte man schnell, warum diese Autos bis heute einen besonderen Stellenwert haben. Es geht nicht nur um Seltenheit oder Marktwert. Viele Besitzerinnen und Besitzer kennen jedes Detail ihres Fahrzeugs, wissen um die Technik, die Geschichte und die Eigenheiten. Genau dieses Wissen und diese Nähe zum Auto machten das Treffen so spannend.
Die Cannonball-Story: Ein Dino quer durch die USA
Eine Geschichte zeigt besonders gut, dass der Dino nie nur zum Anschauen gedacht war.
Beim Cannonball Run im Jahr 1975 fuhren Jack May und Rick Cline mit einem Ferrari Dino 246 GTS von New York nach Los Angeles. Die Strecke legten sie in 35 Stunden und 53 Minuten zurück – und gewannen damit den legendären Lauf.
Natürlich ist das keine Geschichte, die man romantisieren oder nachmachen sollte. Aber sie sagt etwas über den Charakter dieses Autos. Der Dino war kein reines Sammlerstück. Er war ein Sportwagen für Menschen, die fahren wollten. Direkt, schnell, anspruchsvoll.
Lohnt sich das Ferrari Dino Meeting auch ohne eigenes Auto?
Ja, auf jeden Fall – vor allem, wenn man sich für Design, besondere Events oder das Engadin interessiert.
Natürlich ist das Treffen in erster Linie ein Highlight für Ferrari- und Oldtimer-Fans. Aber man muss kein Experte oder Expertin sein, um den Anlass zu geniessen. Man kann einfach durch die Reihen laufen, Details entdecken, Fragen stellen und auf den Moment warten, wenn die Motoren starten.
Genau das machte das Wochenende so angenehm: Es fühlte sich nicht verschlossen an. Man konnte beobachten, zuhören, ins Gespräch kommen und den Anlass auch ohne grosses Vorwissen erleben.
Wer also ein Wochenende im Engadin plant und zur richtigen Zeit in Silvaplana ist, sollte sich das Ferrari Dino Meeting unbedingt merken.
Travelistas-Tipp: Nach den Dinos an den Silvaplanersee
Wer während des Ferrari Dino Meetings in Silvaplana ist, sollte den Besuch unbedingt mit einem Spaziergang zum Silvaplanersee verbinden.
Rund um die Mittagszeit kommt dort oft Wind auf. Dann sind auf dem See viele Kite- und Windsurferinnen und -surfer unterwegs – mit Schirmen, Boards und einer Kulisse, die man so schnell nicht vergisst.
Das ist ein schöner Kontrast zum Oldtimer-Erlebnis: zuerst Ferrari Dinos, Motorensound und glänzende Klassiker, danach See, Wind und Bewegung vor den Bergen.
Unser Tipp: Früh zum öffentlichen Programmpunkt auf der Plazza dal Güglia gehen, in Ruhe die Autos anschauen, mit den Besitzerinnen und Besitzern sprechen und danach zum See spazieren. Kamera mitnehmen – nicht nur wegen der Fahrzeuge.
Ferrari Dino Raduno 2027: Das nächste Treffen ist bereits geplant
Wer jetzt Lust bekommen hat, sollte sich den Juni 2027 vormerken. Die nächste Ausgabe des Internationalen Ferrari Dino Raduno findet vom 17. bis 20. Juni 2027 wieder in Silvaplana statt – unter dem Motto „Silvaplana Rallye meets Riva Boat Italia“.
Für Besitzerinnen und Besitzer eines passenden Fahrzeugs ist das natürlich besonders spannend. Aber auch Besucherinnen und Besucher können den Anlass im Auge behalten, vor allem wegen der öffentlichen Programmpunkte.
Informationen und Anmeldung gibt es über Silvaplana und den Club Dino.
Travelistas-Hack
Auch ohne eigenes Oldtimer-Fahrzeug lohnt sich der Besuch der öffentlichen Programmpunkte. Früh kommen, Zeit mitbringen, nicht nur fotografieren, sondern auch Fragen stellen – und danach unbedingt zum Silvaplanersee spazieren. Wenn der Wind aufkommt, zeigt Silvaplana nochmals eine ganz andere Seite.
Fazit: Mehr als ein schönes Autotreffen
Das Ferrari Dino Meeting Silvaplana war für mich überraschend nahbar. Ich hatte mit schönen Fahrzeugen gerechnet, aber nicht mit so vielen Gesprächen, so viel Begeisterung und so einer guten Atmosphäre.
Hängen geblieben sind drei Dinge: der Moment, wenn über 70 Dinos auf einem Platz stehen. Der Sound, wenn die Motoren starten. Und die Menschen, die genau wissen, was sie fahren – und warum es ihnen so viel bedeutet.
Silvaplana und Ferrari Dino, das hat funktioniert. Nicht laut inszeniert, sondern echt, hochwertig und mit viel Persönlichkeit.

