Kanaren ohne Flugzeug: Tipps für deine Reise

Mensch mit Koffer geht über grosse asphaltierte Fläche zu einer Fähre der Fred. Olsen Linie
Ohne Flugzeug auf die Kanarischen Inseln zu reisen, klingt erst einmal etwas verrückt. Doch tatsächlich ist es eine Reise voller spannender Erlebnisse, interessanter Orte und dem einen oder anderen kleinen Abenteuer.

Von Markus Nauser

In vier bis fünf Tagen von Bern via Huelva nach Teneriffa

Im Januar 1987, die Temperaturen in Zürich lagen bei minus 18 Grad, packten wir unsere Sachen und flogen nach Teneriffa. Von dort ging’s weiter nach La Gomera und El Hierro. Anstoss war der Artikel einer befreundeten Journalistin im ‚GEO‘, der von diesen Inseln abseits des Massentourismus erzählte.

Die Erinnerungen blieben haften: Vulkanische Landschaften, üppige subtropische Vegetation, milde Temperaturen, einfaches Landleben, punktuell Aussteigerkolonien. Und immer im Blick das Meer, die Weite, die Brandung…

Fast 40 Jahre später – inzwischen beziehen wir beide die Altersrente – entsteht die Idee, es nochmals zu erleben: Die kanarischen Inseln, über 3000 Kilometer Luftlinie entfernt, diesmal mit Zug und Fähre. Würde das aufgehen? Unsere Abenteuerlust ist geweckt.

Nach Rückfrage bei Simpletrain.ch entscheiden wir uns, für die Bahnreise einen Interrail Global Pass zu besorgen. Über Fährverbindungen erkundigen wir uns auf den einschlägigen Portalen im Internet (siehe auch Verantwortungsvoll-Reisen-Box am Schluss).

Durch Frankreich und Spanien

Gegen Ende März buchen wir in der Interrail-App den ersten Reisetag. Nach Umsteigen in Genf und Lyon geht’s zügig im spanischen Hochgeschwindigkeitszug nach Girona in Nordspanien. Am frühen Abend treffen wir dort ein, es reicht noch gut für einen Bummel durch die sehenswerte Altstadt und ein erstes Rendez-vous mit der spanischen Küche.

Spanischer Hochgeschwundigkeitszug AVE
Ein spanischer Hochgeschwindigkeitszug AVE.

Am Morgen danach besteigen wir wiederum einen Hochgeschwindigkeitszug, diesmal mit Ziel Valencia. Nach weniger als vier Stunden kommen wir an. Der Nachmittag und der Abend stehen uns für die Erkundung der Stadt, wo u.a. der hier geborene Architekt Santiago Calatrava eindrückliche Spuren hinterlassen hat, zur Verfügung. Auch der 1917 eröffnete, unter Denkmalschutz stehende Bahnhof Estació del Nord ist eine Augenweide.

Bahnhof in Valencia vor blauem Himmel
Ein wahres Schmuckstück: Der Estació del Nord in Valencia.

Tags darauf dann die dritte Etappe: In weitem Bogen durch das abwechslungsreiche Hinterland steuern wir auf Córdoba zu. Bereits um die Mittagszeit treffen wir dort ein, was uns über sieben Stunden Aufenthaltszeit ermöglicht, bevor das kurze Reststück bis zur Hafenstadt Huelva zu bewältigen ist.

Córdoba – trotz seiner Bekanntheit wegen der Mezquita-Kathedrale, für die wir uns frühzeitig Tickets besorgt haben – erweist sich als sehr angenehme, fussgängerfreundliche Stadt. Die Semana Santa, die Woche vor Ostern, ist in vollem Gang: Bunte Tücher hängen von Balkonen und Fassaden, Weihrauch weht uns aus den Kirchen entgegen, prachtvoll geschmückte Wagen mit Bibelszenen stehen für die Palmsonntagsprozession bereit.

grüne Wälder und Wiesen im Hinterland von Cordoba
Auf dem Weg nach Córdoba: Mit dem Zug durch das spanische Hinterland.

Über das Meer

Es ist bereits Nacht, als wir schliesslich – drei Tage nach dem Aufbruch in der Schweiz – in Huelva eintreffen, einer kleinen Stadt am Meer, unweit der Grenze zu Portugal. Christoph Kolumbus stach hier am 3. August 1492 in See auf seiner Entdeckungsreise nach Amerika. Nicht nur Denkmäler, auch die Kandelaber am Quai erinnern an dieses Ereignis – man ist hier stolz, an der Weltgeschichte teilgehabt zu haben.

Da die Fähre nach Teneriffa erst am Nachmittag ablegt, steht uns der Vormittag für einen Stadtrundgang zur Verfügung. Auch hier viel Betriebsamkeit im Vorfeld der Osterfeiertage, Bänke säumen die Prozessionsroute, vor der Hauptkirche eine Schlange mit Wartenden. Nachdem klar ist, dass kein privater oder zeremonieller Anlass stattfindet, reihen wir uns ein.

Nach kurzer Wartezeit und mehreren Glockenschlägen werden wir eingelassen. Drinnen empfängt uns eine gespenstige Szene: Fünf junge Männer mit Karabiner bei Fuss stehen mit starr nach oben gerichtetem Blick um ein lebensgrosses, vor dem Altar liegendes Kruzifix. Hier wird Wache gehalten. Im Viertelstundentakt erfolgt die Wachablösung, einer strengen Choreografie folgend. Als die Glocken wieder ertönen, machen wir Platz für die nächste Gruppe. Eindrücklich, aber irgendwie auch unheimlich, wie die Religiosität hier immer noch gelebt wird.

Figur von Jesus am kreuz mit bewachenden Männern rundherum während der Semana Santa in Huelva
Eine interessante Erfahrung in der Hauptkirche von Huelva.

Am Nachmittag bringt uns ein Taxi zum ausserhalb der Stadt gelegenen Fährterminal. Der Chauffeur setzt uns vor einem grossen Kubus mit Glasfronten ab, drinnen gähnende Leere. Wir wundern uns bereits, ob wir am richtigen Ort sind, als ein Uniformierter kommt, unser Gepäck durch den Scanner lässt und uns bittet zu warten, bis jemand von der Fähre uns abholt.

Schliesslich gesellt sich noch eine weitere Person zu uns – wir sind ganze drei Fusspassagierinnen und -passagiere! Von einer Stewardess begleitet überqueren wir das Hafenareal und betreten das imposante Schiff. Die Hypathia de Alejandria wirbt in grossen Lettern für ihren Antrieb mit Erdgas, und auf den Wegwerfbehältern am Selbstbedienungsbuffet steht Compostable bzw. Biodegradable. Wir sind erfreut: Umweltverträglichkeit scheint hier ein Thema zu sein.

Nachdem alle Autos und Lastwagen im Bauch der Fähre verschwunden sind, legen wir ab. Unsere Blicke folgen dem immer schmaler werdenden Küstenstreifen, heften sich an die wenigen Cargoschiffe, die in unserer Nachbarschaft unterwegs sind. Schliesslich – es ist Abend geworden – sind wir ganz allein, rundherum nichts, eine anonyme Schicksalsgemeinschaft, die Zeit getaktet durch die periodische Ansage der nächsten Mahlzeit im Speisesaal (und ja: digital detox inbegriffen – Handyempfang hat jetzt nur noch, wer sich ein Datenpaket dazukauft).

Der Folgetag verläuft ereignislos, die See ist ruhig, wir lassen den Blick über die Reling schweifen, blättern im Lesestoff, die Zeit steht still. Erst beim Eindunkeln kommt etwas Unruhe auf: Land in Sicht! Es ist bereits spät am Abend, als die Lichter von Santa Cruz de Tenerife vor uns aufblitzen. Bei milden Temperaturen gehen wir von Bord. Das Intermezzo, das dann folgt, ist unter ‚Fähren‘ im Kasten am Schluss angedeutet.

Zu Fuss unterwegs auf Teneriffa

Wer wandern will auf den kanarischen Inseln, hat die Qual der Wahl: Wanderführer gibt’s (fast) wie Sand am Meer, das Wanderwegnetz ist ausgedehnt und im Allgemeinen gut ausgeschildert. Bei genauerem Hinschauen wird aber klar, dass auch berggewohnte Schweizerinnen und Schweizer gefordert sind. Beträchtliche Höhenunterschiede, tief eingeschnittene Schluchten (barrancos) und steil abfallende Küsten erfordern zuweilen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Beschauliche Panoramawege sind die Ausnahme, dafür geizen die Inseln nicht mit tollen Aussichtspunkten (miradores).

Bei Teneriffa denkt man zunächst an den über 3700 Meter hohen Teide. Die schönsten Wandergebiete liegen aber unseres Erachtens nicht dort, sondern im Nordosten und Nordwesten, wo die Bergspitzen 1000 Meter nur selten überragen. Aber auch hier gilt: Heftige Auf- oder Abstiege gehören dazu.

Malpais de Güímar: dürre grüne Pflanzen
Teneriffa hat eine sehr vielfältige Pflanzenwelt.

Trotzdem sind wir als „Genusswandernde“, die ungern länger als vier Stunden laufen, begeistert von der betörenden Vielfalt an Pflanzen. Diese verdankt die Insel den sehr unterschiedlichen Klimabedingungen. Während die Nordküste den Passatwinden und damit regelmässigen Regenfällen ausgesetzt ist (Regenjacke einpacken!), ist es weiter südlich zum Teil wüstenhaft trocken. Von feuchtem Nebelwald über dichte Buschvegetation mit unterschiedlichsten Wolfsmilchgewächsen bis hin zu steppenartigen Landschaften, wo vor allem noch Kakteen gedeihen: alles ist vorhanden. Und für Liebhabende gibt es viele Pflanzen, die nur hier vorkommen. Das ganzjährig milde Klima führt zudem dazu, dass immer irgendwo etwas blüht. Tulpenbäume in den Siedlungen gehören ebenso dazu wie verschiedenste Varianten von Natternköpfen oder die grossblütigen, gelborange leuchtenden kanarischen Glockenblumen, die an schattigeren Standorten im Wald den Wegrand säumen.

rote Kanarische Glockenblume
Die Kanarische Glockenblume.

Auf einer Wanderung im Anaga-Naturschutzgebiet in Teneriffas Nordosten fühlen wir uns wie in einem künstlich angelegten Garten, immer wieder umhüllt vom intensiven Duft der Artemisiasträucher. Kein Wunder befand der Naturforscher Alexander von Humboldt 1799, nach einem Zwischenhalt auf dem Weg in die Neue Welt, „nirgends ein so mannigfaltiges, so anziehendes, durch die Vertheilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde vor mir gehabt zu haben.“

Was das Wandern zusätzlich attraktiv macht, sind die öffentlichen Busse als Zubringer zu den Ausgangspunkten. Zwar verweisen die Wanderführer in diesem Zusammenhang auch auf Taxis als Option. Wir haben keine solchen gebraucht, sondern uns in der Wahl der Routen nach dem Busfahrplan gerichtet.

Gelbe Bushaltestelle mit Ziegeldach und dem Kosenamen für Busse auf den Kanaren (Guagua)
Guagua - der lokale Kosename für die Busse.

Apropos Bus: Gewisse Bergstrassen, die den Nordosten bzw. den Nordwesten erschliessen, stellen die Serpentinen der Tremola am Gotthardpass locker in den Schatten. Spektakulär sind insbesondere die Strassen von Santa Cruz nach Taganana sowie von Santiago del Teide nach Buenavista. Wenn dann noch ein Buschauffeur dazukommt, der die Strecke auswendig kennt (und das tun sie offenbar alle!), ist das Nervenkribbeln garantiert. Wir sind aber immer sicher ans Ziel gelangt und haben jene, die diese Strecken im Mietauto erkundeten, nie benieden.

Gute Ausgangspunkte

Als Standort können wir im Anaga-Gebirge besonders Chamorga empfehlen. Dort führt Marton, der früher in der Schweiz im IT-Business tätig war, seine „Casa Rural“, ein einfaches Gästehaus, wo man – umgeben von üppiger Vegetation und Vogelgezwitscher – den Alltag zuhause augenblicklich vergisst.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es hier keine, dafür hilft Marton gerne mit Zutaten aus dem Garten, wenn es darum geht, eine stilechte Tortilla zu backen.

Casa Rural Charmorga vor vielen grünen Pflanzen
Idylle im Grünen in der Casa Rural Chamorga.
Frühstück in einer Casa Rural mit Käse, Aufstrichen und Wurst
Das üppiges Frühstück in der Casa Rural.

Auch Taganana ist für (ausdauernde) Wandervögel, oder einfach um ein paar Tage abzuschalten, ein attraktiver Ort.

Im Westen Teneriffas hat sich für uns das beschauliche Buenavista del Norte als Ausgangspunkt bewährt. Hier lässt sich zwischendurch gut ein Tag mit dem Beobachten der Wellen, die an die Küste branden, verbringen. Und wer genug davon hat, schaut dem Treiben auf dem zentralen Platz bei einem Barraquito zu. Wer Nachtleben sucht, ist allerdings auch hier fehl am Platz.

Blick entlang der Nordküste von teneriffa: Grüne Hügel und türkis-blaues Meer
Blick entlang der Nordküste im Anaga-Gebirge.
Frau beim Wandern im Teno-Gebirge mit braunen Felsen
Wandern im Teno-Gebirge.
Lokale Drink-Kreation Barraquito
Die lokale Drink-Kreation Barraquito.

In der Hauptstadt Santa Cruz geht es lebhafter zu und her. Einmal abgesehen von den Narben, die der Bauboom im Stadtbild hinterlassen hat, hat der Ort durchaus Charme. Als Pflanzenliebhabende besonders beeindruckt hat uns hier das Palmetum, ein auf einer ehemaligen Müllhalde angelegter botanischer Garten. Zudem ermöglicht der riesige Busbahnhof Erkundungen in alle Richtungen.

Und der Teide? Zu ihm haben wir an den zwei Tagen, an denen wir mit einem Mietauto unterwegs waren, ein sehr gespaltenes Verhältnis entwickelt. Zugegeben: Ein erhabener Anblick, wenn sich die Wolken verziehen. Aber da er ins Standardprogramm aller Teneriffareisenden zu gehören scheint, ist der Overtourismus hier mit ganzer Wucht zu spüren, auch die unsäglichen Insta-Poserinnen und -Poser setzen sich allerorts in Szene. Das dämpft definitiv das Vergnügen am Betrachten und Erwandern der eindrücklichen Vulkanlandschaft.

Strasse entlang der Nordküste von teneriffa, links Meer, rechts davon grüne Hügel.
Die Nordküste bei Taganana.
Küste bei Buenavista del Norte: grüne Wiese mit Bäumen, Meer und wolkiger Himmel
Die Küste bei Buenavista del Norte.
Im Parque Nacional del Teide: grosser Berg vor trockener Landschaft
Im Parque Nacional del Teide.

High- und Lowlights auf der Rückreise

Wir haben die Möglichkeit gewählt, die Rückreise mit einer „Mini-Kreuzfahrt“ zu beginnen. Naviera Armas fährt auf dem Weg zum spanischen Festland zuerst in östlicher Richtung von Insel zu Insel. Für einen Landgang unterwegs reichen die Aufenthaltszeiten in den Häfen nicht aus, aber auch das Entlanggleiten an Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote sowie das An- und Ablegen bieten viel Abwechslung. Allerdings braucht das seine Zeit: Während bei Fred. Olsen die Direktfahrt nach Huelva 34 Stunden dauert, ist Naviera Armas bis nach Cádiz 58 Stunden unterwegs.

Deck einer Fähre mit wehender Fahne, Liegestühlen unt Sonne
Mit einer Mini-Kreuzfahrt beginnt unsere Heimreise.
Cádiz - Blick vom Turm der Kathedrale über die Stadt
Blick vom Turm der Kathedrale in Cádiz.

Cádiz als Zwischenziel ist eine Reise wert. Der auf einer Halbinsel gelegene, alte Stadtkern ist überschaubar und fussgängerfreundlich zu erkunden. Wir kommen am frühen Vormittag an und lassen uns gleich anschliessend bei einer informativen Führung (Empfehlung: Cádiz-Tour auf Englisch: Rundgang mit ortskundigem Guide) in zwei Stunden viel Interessantes über die Stadt erzählen. Den Rest des Tages sind wir dann auf eigene Faust in den Gassen unterwegs. Die Kreuzfahrtschiffe, die vor Ort ankern, steckt die Stadt – abgesehen von den Hotspots in Hafennähe und vor der Kathedrale – erstaunlich leicht weg.

Weitere Etappenorte auf der Rückfahrt in die Schweiz sind Sevilla, Madrid und Narbonne. Sevilla, wo wir anderthalb Tage verbringen, erleben wir als überlaufen und hektisch, die Stadt hat es noch nicht geschafft, Auto- und Fussgängerverkehr sinnvoll zu entflechten. Für den Besuch der Kathedrale stehen wir über eine halbe Stunde an (Online-Tickets waren auf eine Woche hinaus ausverkauft). Immerhin, das Warten wird belohnt, das gewaltige Bauwerk mit seinen unzähligen Nischen und Nebenräumen birgt ein überraschendes Sammelsurium an Sehenswürdigem.

In der Kathedrale von Sevilla
In der Kathedrale von Sevilla.

Die Fahrt mit dem Regionalzug durch die Estremadura (via Mérida und Cáceres) ist gemütlich, allerdings verlängert sich die Reisezeit Sevilla – Madrid bei dieser Routenwahl von drei auf acht Stunden. Ohne Aufenthalt in Mérida, das offenbar eine spannende Geschichte hat, lohnt sich das kaum.

Madrid erweist sich als teures Pflaster (wir übernachten drei Mal in einem Ibis Budget abseits des Zentrums) und die Menschenmassen auf Strassen und in Parks strengen nach der beschaulichen Zeit auf Teneriffa an. Auch hier nutzen wir den Aufenthalt für eine interessante Führung, die uns in die Geschichte, aber auch in die lokalen Sitten und Gebräuche (Tapas-Kultur!) einführt.

Einführung in die Tapaskultur in Madrid
Einführung in die Tapaskultur in Madrid.

Am Tag vor der Weiterreise der Schreckmoment: Laut Interrail-App sind alle Schnellzüge Richtung Barcelona und weiter nach Frankreich ausgebucht. Wir ziehen am Bahnhof ein Ticket und üben uns in Geduld, bis unsere Nummer angezeigt wird. Am Schalter findet sich schliesslich eine Lösung: Sitzplätze in einem Schnellzug frühmorgens nach Barcelona, von dort weiter via die alte Bahnstrecke über Portbou und Cerbère. Malerische Landschaften am Meer entschädigen für die vier Stunden längere Fahrtzeit. Und die Flamingos in den Lagunen zwischen Perpignan und Narbonne faszinieren immer wieder aufs Neue.

In Narbonne, unserem letzten Etappenziel, kommen wir in einem sympathischen kleinen Hotel beim Bahnhof, dem Hôtel l’Alsace, unter. Der Inhaber versorgt uns mit zwei, drei Tipps für ein Abendprogramm, die wir dankbar entgegennehmen. Die Altstadt überrascht mit Einblicken in die Römerzeit, ins Mittelalter und in die Belle Époque, sie hätte zweifellos auch einen längeren Aufenthalt verdient.

Jugendstil-Kaufhaus in Narbonne
Ein Jugendstil-Kaufhaus in unserem letzten Stopp, Narbonne.
TRAVELISTAS-TIPPS FÜR VERANTWORTUNGSVOLLES REISEN Die Kanaren verantwortungsvoll erleben Hier findest du alles, was du wissen solltest, bevor du die Kanaren ohne Flugzeug bereist.
Die Kanaren mit Zug und Schiff zu bereisen, ist ein kleines (aber sehr empfehlenswertes) Abenteuer. Diese Tipps helfen dir bei deiner Reiseplanung:

Zeitbudget

Für An- und Rückreise mit Zug und Fähre sind je fünf bis sechs Tage zu empfehlen, wenn etwas Zeit für die Besichtigung der Übernachtungsorte bleiben soll. Erreichbar sind die Kanaren aber auch in vier Tagen (zwei Tage im Zug und anderthalb Tage auf der Fähre). Auf Teneriffa selbst sind 15-20 Tage eine passende Länge.

Auch die An- und Abreise ist ein Erlebnis und du siehst dabei schon viele verschiedene Orte und nicht nur das Ziel deiner Reise.

Interrail

Wir hatten einen Global Pass für zehn Tage innerhalb von zwei Monaten. Im Rückblick hätten sieben Tage innerhalb von einem Monat wohl auch gereicht. In Frankreich und Spanien braucht es vor allem auf den Hochgeschwindigkeitszügen zwingend Sitzplatzreservierungen. Das ist direkt in der Interrail-App möglich, nimmt aber einen guten Teil der Flexibilität, da gewisse Züge früh ausgebucht sind. Zudem ist die Fahrplanabfrage und damit die Reservierung je nach Bahngesellschaft unterschiedlich lang im Voraus möglich. Wer den richtigen Zeitpunkt verpasst, muss auf die langsameren Nebenlinien ausweichen.

Mit Interrail bist du flexibler. Falls du deine An- und Rückreiseetappen frühzeitig kennst, macht es Sinn, von SimpleTrain eine Offerte zu verlangen. So weisst du, ob sich Interrail auch finanziell auszahlt und du musst dich nicht um Sitzplatzreservationen kümmern.
Den richten Interrail-Pass finden Offertenanfrage an SimpleTrain

Fähren

Um auf die Kanaren zu gelangen, gibt es verschiedene Fähranbieter. Mehr Infos gibt es zum Beispiel bei directferries, ferryscanner oder direkt bei den Fährgesellschaften – vergleichen lohnt sich.

Wir empfanden die Fähre, die Schiffsmannschaft und die Verpflegung bei Fred. Olsen als hochwertiger. Tricky war die Ankunft gegen Mitternacht in Santa Cruz de Tenerife: Fred. Olsen legte weit ausserhalb der Stadt an ("Dique del Este"), den Zugang vom Hafengelände zur nahen Bushaltestelle versperrten dort hohe Metallgitter, aber möglicherweise ist das nur bei einer Ankunft spätabends ein Problem.

Tipp: Landestelle vorgängig abklären und ggf. ein Taxi zur Abholung an der "Rotonda Las Olas" organisieren.

Die Überfahrt mit der Fähre ist wunderschön, aber erfordert auch gute Planung.
Fähranbieter bei Direct Ferries vergleichen Fähranbieter bei Ferryscanner vergleichen

ÖV vs. Mietauto auf Teneriffa

Teneriffa hat ein ausgezeichnetes, modernes Busnetz. Nur in sehr peripheren Gebieten (Ost-Anaga) ist der Fahrplan dünn und gute Planung wichtig. Wir haben für 16 Tage intensive Busnutzung (Ticket "Ten+") zu zweit rund 70 Euro ausgegeben. Die Fahrplanabfrage hat bei uns nur funktioniert, wenn wir in einem lokalen WLAN eingeloggt waren. Die Fahrplanauskünfte in GoogleMaps haben sich aber als zuverlässige Alternative erwiesen.

Mietautos sind zwar günstig zu haben, die Parkplatzsituation ist aber generell schwierig, und wer mit dem Auto durch die teils engen Strassen kurvt, hat rasch einen Bus im Nacken und sucht entnervt nach Ausweichmöglichkeiten.

Das Busnetz ist gut ausgebaut und das Reisen so oft entspannter.
Fahrpläne abfragen Mietautos buchen

ÖV und Gepäck

Aufzüge oder Rampen sind an einzelnen Bahnhöfen in Spanien, aber auch in der Madrider Metro, Glückssache. Mit leichtem Gepäck ist man besser bedient – bei einer mehrwöchigen Reise leichter gesagt, als getan! Gepäckaufbewahrung in Bahnhofsnähe ist dank Apps wie 'Nannybag' und 'Bounce' kein Problem.

Besser mit leichtem Gepäck reisen - du musst alles selbst tragen!
Gepäckaufbewahrung bei Nannybag finden Gepäckaufbewahrung bei Bounce finden

Unterkünfte

Wir haben vor allem mit GoogleMaps und Booking gesucht. Der persönliche Kontakt zu Gastgeber:innen bzw. bedienter Rezeption ist die Ausnahme, oft erhielten wir einen Zugangscode per SMS oder WhatsApp. Der Vorteil: Man kann auch zur "Unzeit" eintreffen und kommt noch unter. Der offensichtliche Nachteil: Die Tipps und Tricks von Einheimischen bleiben auf der Strecke. Reisen wird so immer anonymer!

Unterkünfte kannst du leicht über verschiedene Plattformen finden.
Unterkünfte auf Booking.com finden Unterkünfte auf GoogleMaps finden

Kosten der Reise

Interrail: Global Pass Senior (ab 60 Jahren) für 10 Tage: Fr. 496 (Aktionen mit 20-50% Frühbucherrabatt beachten!) Sitzplatzreservierungen: meist € 12 pro Person und Strecke, punktuell auch deutlich mehr.

Fähren: Überfahrt mit Fred. Olsen (Teneriffa – Huelva, Innenkabine, alle Mahlzeiten) rund Fr. 300 p.P.; Rückfahrt mit Naviera Armas (Teneriffa – Cádiz, Innenkabine, alle Mahlzeiten): rund Fr. 310 pro Person. Deutlich billiger ist's im Liegesitz ("Deckpassage", ohne Mahlzeiten).

Unterkünfte (Festland und Kanaren): Wir haben uns gut bewertete Zimmer mit eigenem Bad oder Studios mit Küche geleistet. Solche waren für € 80-110 pro Nacht zu haben (Ausnahme: Madrid). Bedeutend günstiger sind Unterkünfte mit Gemeinschaftsbad und -küche.

Gesamtkosten zu zweit für vier Wochen, ohne Verpflegung und Automiete: ca. Fr. 3'800.

CO2-Bilanz Hin- und Rückreise (pro Person)

- Zug (4900 km): 46 kg CO2e

- Fähre (3000 km): 96 kg CO2e

Insgesamt haben unsere An- und Abreise also pro Person 142 kg CO2e verursacht.

Zum Vergleich: Ein Flug (6300 km) hätte 1223 kg CO2e verursacht. Das ist mehr als acht Mal so viel wie unsere Reise mit Zug und Schiff.

Unser Fazit

Für Wanderferien mit Zug, Schiff und Bus auf die Kanaren? Absolut machbar, wenn man sich dafür vier Wochen Zeit nimmt und bereit ist, zwischendurch auch mal zu improvisieren. Und alles im Detail vorauszuplanen hätte – zumindest aus unserer Sicht – einen Teil des Spasses verdorben. So überwiegen die faszinierenden Eindrücke, die wir auf der Anreise, vor Ort auf Teneriffa und auf dem Rückweg gewonnen haben.

Angebote, Preise und enthaltene Leistungen können sich ändern. Bitte prüfe die aktuellen Bedingungen vor deiner Reise auf den verlinkten offiziellen Webseiten.

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Warst du schon einmal mit einem Zug auf einer Fähre? Mehr dazu und Tipps für lange Zugreisen liest du hier:

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