1. Visum & Grenzübertritt: Nicht ganz so schnell, aber lohnenswert!
Das erste kleine Abenteuer? Das Visum. Seit 1. April 2025 ist für Schweizerinnen und Schweizer, Deutsche und Österreicherinnen und Österreicher ein Visum für die Einreise nach Namibia erforderlich. Das Visa on Arrival kann vorab online beantragt werden (unter eservices.mhaiss.gov.na) und kostet rund 1.600 Namibianische Dollar (ca. 80–90 Franken) pro Erwachsenem. Für unsere vierköpfige Familie summiert sich das — auch die Kinder brauchen ein eigenes Visum.
Wir hatten alles vorab beantragt, bezahlt und ausgedruckt. Trotzdem hat uns die Grenzkontrolle am Flughafen Windhoek knapp zwei Stunden in der Schlange gekostet. Wer das Visum direkt vor Ort beantragt, zahlt möglicherweise eine Zusatzgebühr oder wartet zumindest noch länger.
Travelistas Tipp: Visum online beantragen
- Besorgt das Visum online – so könnt ihr Wartezeiten an der Grenze reduzieren
- Den aktuellen Antrag findet ihr auf der offiziellen Namibia Visa Webseite
- Und unbedingt: Geduld mitbringen
2. Selfdrive: Freiheit auf vier Rädern (aber mit einem kleinen Abenteuerfaktor)
Selfdrive ist in Namibia nicht nur möglich, es ist die schönste Art zu reisen. Sein Fahrzeug selbst zu steuern bedeutet in Namibia nicht nur Flexibilität, sondern auch eine gute Portion Abenteuer – vor allem, wenn es um den Linksverkehr und Schotterpisten geht. Die Strassen sind oft sehr abgelegen, und viele Strecken verlaufen durch Buschland oder an den Rändern der Wüste. Es braucht etwas Vorbereitung und Wissen. Aber das ist eine Reiseform, die jede und jeder mit Führerschein bewältigen kann.
Was sitzt, wenn man es einmal verinnerlicht hat: Man tankt immer. Immer. Bei jeder Gelegenheit. Die Tankstellen in den Nationalparks klingen verlockend — im Etosha etwa stehen sie auf der Karte und auch auf der Website, aber betrieben werden sie, wenn überhaupt, seit Jahren nicht mehr. Darüber gibt es keine Beschilderung, kein Schild, keine Information. Man fährt hin und stellt fest: Sch…
Also: volltanken.
Ebenso wichtig: Fahrzeit realistisch einplanen. Hundert Kilometer Schotterstrasse können drei Stunden dauern — manchmal mehr. Bei Nacht reist man nicht. Das ist keine Empfehlung, das ist Konsens.
Hundert Kilometer Schotterstrasse. Drei Stunden. Vielleicht mehr. Namibia lehrt einen etwas, das man in Europa verlernt hat: Geduld als Reisemodus.
Travelistas Tipp: Geländewagen buchen
- Achtet darauf, dass das Fahrzeug gut gewartet ist und genügend Bodenfreiheit hat. Ein 4WD ist nur in der Regenzeit erforderlich, wenn man nicht besonders ausgesetzte Offroad-Trails fahren will.
- Unser Fahrzeug war von Asco Car Hire – die bieten, meiner Erfahrung nach, verlässliche und gut ausgestattete Fahrzeuge für Selbstfahrer.
- Wichtig: Tankt immer voll, wenn ihr die Chance dazu habt! In den grösseren Städten gibt es kein Problem. Aber in den Nationalparks gibt es kaum funktionierende Tankstellen mehr (beispielsweise im Etosha), also besser vorsorgen.
3. Lange Fahrten: Mehr als nur ein “Fahren von A nach B”
Fahrten auf Schotterstrassen können richtig lang und anstrengend sein – wir haben oft drei Stunden für 100 Kilometer gebraucht – das heisst eine 200 Kilometer Tagesfahrt kann auch einmal sechs Stunden dauern!
Besonders mit Kindern muss man Geduld mitbringen. Aber es lohnt sich: Die unbekannte Landschaft, überraschende Begegnungen und bei einer Pause mitten im Busch kann man so viel entdecken.
Travelistas Tipp: Lange Fahrten gut planen
- Fahrt niemals nach Einbruch der Dunkelheit – die Strassen sind unübersichtlich, und Tiere sind unterwegs.
- Macht regelmässig Pausen und um die Kinder bei Laune zu halten braucht es Tricks: Podcasts, Musik, Spiele… kreativ sein hilft.
- Nutzt Apps wie Tracks4Africa für Offline-Karten, um euch zu orientieren und unterwegs weiterzubilden.
4. Kleine Abenteuer: Die Begegnung mit den Menschen Namibias
Weite beeindruckt. Aber es sind die Menschen, die aus einer Reise eine Erinnerung machen.
Travelistas Tipp: Community-Touren und lokale Erlebnisse
- Lasst euch von Community-Touren (z.B. in den Damara-Dörfern) inspirieren und unterstützt lokale Projekte. Diese Erlebnisse geben euch einen echten Einblick in die Lebensweise der Menschen und stärken zugleich nachhaltig ihre Gemeinschaften.
- Seid mutig und besucht kleinere Restaurants, die nicht im Reiseführer stehen. Das authentische Namibia schmeckt oft am besten bei den „Hidden Gems“ abseits der grossen Touristenströme.
- Euch werden da und dort auch Menschen begegnen, die euch um Unterstützung, Nahrungsmittel oder Geld bitten. Wenn ihr wirklich helfen wollt: Gebt etwas an lokal verankerten Institutionen.
5. Selfdrive oder Guided Tour in Namibia? Am liebsten beides.
Selfdrive in Namibia ist grossartig: endlose Pisten, kaum Verkehr, das leise Stolzgefühl nach dem ersten selbst gewechselten Reifen. Man bestimmt Tempo und Route – und fühlt sich nach drei Tagen wie eine Mischung aus Entdecker und Rallye-Pilot.
Aber wer schon einmal mit einem richtig guten Guide unterwegs war, weiss, wie viel man beim Selbstfahren übersieht: Zusammenhänge, Tierspuren, kleine Dramen am Wegesrand. Dazu kommt ein unschlagbarer Vorteil – geführte Touren sind oft genau dann draussen, wenn normale Besucherinnen und Besucher noch (oder nicht mehr) in den Park dürfen: zum Sonnenauf- und -untergang, wenn das Licht weich wird und die Tiere aus dem Schatten kommen. Und dann ist da noch der Sundowner an einem Ort, den man alleine nie gefunden hätte, Gin Tonic in der Hand, Weite vor sich. Wer sagt dazu schon nein?
Unser Fazit
Selfdrive für die Freiheit – und in den Nationalparks und Privat Game Reserves auch immer wieder geführte Etappen für all das, was man sonst verpassen würde.
6. Langsame Reisen – Der wahre Genuss liegt im Detail
Unsere Devise: Langsam reisen! Wir haben mindestens zwei Nächte pro Ort eingeplant – eine Entscheidung, die sich definitiv ausgezahlt hat. Es gibt so viel zu entdecken, ob auf den endlosen Strassen, bei einem spontanen Stopp oder bei einer kleinen Wanderung. Durch die langsame Reise hatten wir Zeit, uns von der langen Fahrt zu erholen und die Umgebung auf uns wirken zu lassen.
Travelistas Tipp: Zeit für Entspannung einplanen
7. Ehrlich gesagt
Namibias touristische Infrastruktur ist in weiten Teilen gut. Die staatlichen Nationalpark-Camps dagegen haben Potenzial nach oben: staubig, zweckmässig, manchmal lückenhaft im Service. Aber man ist mittendrin — und das ist seinen Preis wert.
Was sich verändert hat gegenüber vor 20 Jahren, als ich das letzte Mal in Namibia war: Nicht so viel wie erwartet, aber einiges. Was gleich geblieben ist: das Licht, die Stille, die Weite.
Unsere Namibia-Reise war alles andere als eine gewöhnliche Familienreise. Sie war eine Reise zu uns selbst – in einer Landschaft, die uns mit ihrer Weite und Schönheit gepackt hat. Namibia hat uns gezeigt, dass das wahre Abenteuer nicht nur in der spektakulären Natur liegt, sondern in den Begegnungen, der Freiheit und den ganz persönlichen Momenten, die wir als Familie zusammen erleben durften.
Namibia ist nicht für jede Familie geeignet. Es braucht Offenheit, Geduld und die Bereitschaft, manchmal nichts zu planen. Aber wer das mitbringt, bekommt etwas zurück, das kein Pauschalurlaub ersetzen kann.
Organisiert und massgeschneidert auf uns zugeschnitten wurde die Reise von der africa design travel ag – echten Afrika-Spezialistinnen und Spezialisten mit Büros in St. Gallen, Zürich und Bern. Professionell, gut vernetzt, immer erreichbar. africadesigntravel.ch
Zum Weiterlesen
Daniels Highlights von seiner Reise nach Namibia und, was er sich sparen hätte können, liest du hier:

