Eine beispielhaft abwechslungsreiche Schneeschuhwanderung führt durch eine Wintermärchenlandschaft im Bündner Oberland. Gestartet wird kurz hinter Meierhof/Obersaxen – bei den Walsern. All die abgelegenen schattigen und schlecht zu bearbeitenden Gebiete wurden im 13. Jahrhundert von diesem Einwanderervolk besiedelt. Man findet teilweise noch romanische Flurnamen – sie sind Überbleibsel aus der Zeit vor den Walsern.
Wir ziehen unsere Spur über Freiflächen, einer Krete entlang und erreichen bei der ehemaligen Siedlung Huot die Überreste eines Kalkbrennofens. Beeindruckend: 50 Ster Holz mussten die Menschen damals abholzen und viele Tonnen Kalksteine herantransportieren, um diesen Brennofen zu „füttern“. Dafür wurden nach einer Brenndauer von 130 Stunden rund 25 Tonnen Weisskalk gewonnen. Dieser war einst ein sehr wichtiges Baumaterial und diente als Mauermörtel und Verputz.
Sind alle bereit?
Ab hier folgen wir dem Walserweg – zuerst steigen wir kurz steil bergan, dann geht es durch einen Märchenwald und über eine kleine Brücke. Wir passieren den Platz, wo bis 1994 eine 453 Jahre alte Rottanne stand. Immer wieder gibt es interessante Schau- und Informationstafeln, die vom einheimischen Kunstmaler Rudolf Mirer (geb. 1937) gestaltet wurden.
Und dann höre ich hinter mir Ah und Oh – der Blick wird frei auf Meierhof, Andiast, Bifertenhütte, Kistenstöckli etc. – beeindruckend, herrlich! Wenn meine Schneeschuhwandergäste gut zu Fuss sind, lohnt sich ab hier eine wunderschöne „Zusatzschlaufe“. Schweigend stapfen wir auf dem Korridor der Wildruhezone durch die Winterlandschaft. Spuren von Eichhörnchen, Rehen und Hasen lassen uns wissen, wir sind hier nicht allein unterwegs. Mit etwas Glück sehen wir die Tiere auch.
Wir treten aus dem Wald hinaus und schon ist unser Mittagsrastplatz in Sicht! Die letzte halbe Stunde laufen wir – schon mit leicht knurrendem Magen – durch glitzernden Pulverschnee. Ludwig – Pistenbullyfahrer, Jäger und für die Wanderwege verantwortlich – erwartet uns schon zum Mittagessen. Bei schönem Wetter dürfen wir vor seiner gemütlichen Jagdhütte die Sonne geniessen, und wenn es so richtig garstig „hudlet“, nehmen wir in seinem gut geschützten Tipizelt Platz.

Ludwig, ein waschechter Walser, ist immer gut gelaunt. Und das ist so schön ansteckend! Er spricht den typisch örtlichen Walserdialekt, der nicht immer ganz einfach zu verstehen ist. Er ist gespickt mit vielen Vokalen und Sch. Ein Beispiel? „Schii geit zum Hüüs“ (sie geht zum Haus) oder „trichä“ für trinken. Unser Dreigangmenü ist einfach, aber schmackhaft. Wir löffeln zuerst die von Ludwigs Frau Antonia gekochte Bündner Gerstensuppe – köstlich – danach gibt es eine feine regionale Rindswurst mit Brot und Senf, und um die verlorenen Kalorien wettzumachen zum Abschluss ein rechtes Stück Bündner Nusstorte.
Hier kommt die Bündner Gerstensuppe…
Der Abschied fällt uns schwer, aber das Postauto wartet. Ein kurzes Stück auf dem Walserweg – dann geht es querfeldein abwärts Richtung Meierhof. Jeder zieht seine eigene Spur in diesem herrlichen Weiss – wir juchzen und lachen wie Kinder! Und wenn mal jemand vor lauter Übermut in das weiche Weiss fällt – aufstehen, sich schütteln und weiter geht’s!
In Tobel an der Brücke ist die Schneeschuhwanderung zu Ende, das letzte Stück gehen wir zu Fuss.
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