Schweizer zieht es nach Russland

Seit der Annektion der Halbinsel Krim steht Russland im politischen Abseits. Kaum zu stören scheint das Schweizer Touristen – diese haben das Land dieses Jahr für sich entdeckt. Ich habe beim Schweizer Russland-Reiseexperten Reto Schläpfer nachgefragt, wieso Russland zur Trenddestination geworden ist.

Russlands gegenwärtige Politik im Ukraine-Konflikt wird im Westen teils scharf kritisiert. Trotzdem verzeichnet Kira Reisen bei den Schweizern, die nach Russland reisen, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 25 Prozent. Wie erklären Sie sich diese Tatsache?
Reto Schläpfer: Ehrlich gesagt kann ich nur Vermutungen anstellen, wie dieser Zuwachs auf über 2000 Reisende zustande gekommen ist. An einem Angebotsausbau kann es jedenfalls nicht liegen – wir haben dieses Jahr nur Feinanpassungen gemacht und auch nicht im Olympia-Geschäft mitgemischt. Ich gehe aber davon aus, dass die positive Berichterstattung im Zusammenhang mit der Olympiade die Nachfrage stimuliert hat. Die Destination ist dadurch für viele Schweizer erstmals als Reiseziel ins Blickfeld gerückt. Endlich wurde mit den alten Vorurteilen – dass es nichts zu Essen gibt, alle Russen unfreundlich sind und keine anständige Unterkunft verfügbar ist – aufgeräumt. Zudem haben die Schweizer Medien lange relativ zurückhaltend und objektiv über den Ukraine-Konflikt geschrieben.

Welche Auswirkungen hat der Konflikt mit der Ukraine auf die Buchungen?
Der Abschuss des Malaysian Airlines-Flugzeuges war das erste Ereignis, dass sich negativ auf die Nachfrage ausgewirkt hat. Da die Hauptreisezeit jedoch im Sommer ist, waren die meisten Reservationen schon bestätigt. Annullationen aufgrund der politischen Situation hatten wir nur deren drei.

Welche Destinationen innerhalb von Russland werden von Schweizer Reisenden bevorzugt?
St. Petersburg ist mit Abstand die wichtigste Destination innerhalb Russlands. Rund 40 Prozent der Passagiere buchen reine Städtereisen nach St. Petersburg. Weitere 30 Prozent kombinieren St. Petersburg mit Moskau oder besuchen nur Moskau. Die restlichen 30 Prozent sind vorwiegend Flussreisepassagiere auf der Wolga und Passagiere der Transsibirischen Eisenbahn.

Reto SchläpferSelbst erstaunt über die grosse Nachfrage: Kira-Geschäftsführer Reto Schläpfer

 

Welche Angebote ziehen bei Russland-Reisenden besonders gut?
Pauschalreisen sind in Russland noch immer ein sehr wichtiges Produkte-Segment. Aufgrund der Sprachbarriere werden überdurchschnittlich viele Reisen mit Betreuung von A bis Z gebucht. Bei Russland ist zudem interessant, dass Kunden eher höhere Hotelkategorien bevorzugen. Es ist noch immer eine Unsicherheit da und das Bedürfnis nach Sicherheit und Komfort ist in Russland besonders gross. Hinzu kommt, dass mit dem recht komplizierten Visum und dem fehlenden Vertrauen in die Destination noch immer die meisten Buchungen über die Reisebüros laufen und im Vergleich mit anderen Destinationen weniger im Internet gebucht wird.

Wie sieht das Profil des durchschnittlichen Russland-Touristen aus der Schweiz aus?
Reisen nach Russland sind vorwiegend Kulturreisen. Somit sind Russland-Touristen eher älter, gut gebildet und kulturinteressiert. Das relativ hohe Preisniveau in Russland spielt hier natürlich auch eine Rolle.

Peterhof rsSteht bei Russlandreisenden besonders hoch im Kurs: Sankt Petersburg (im Bild das Schloss Peterhof)

Kira Reisen feiert dieses Jahr das 25-jährige Bestehen. Aus einem Reisebüro für Ungarn ist in dieser Zeit der grösste Schweizer Spezialist für den Osten Europas, Russland, Zentralasien und die Mongolei gewachsen. Kira agiert eigenständig, gehört aber zur Knecht-Reisegruppe. Weitere Informationen unter: www.kiratravel.ch

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