Während es immer mehr Wanderwege gibt, sind die Unterkünfte oft noch ein Problem. Nicht nur, dass die barrierefreien Zimmer oft die unattraktivsten sind (straßenseitig oder ohne gute Aussicht), oft ist auch unklar, ob es eine zertifizierte Barrierefreiheit gibt oder ob das einfach von der Unterkunft behauptet wird. So kann ein Zimmer barrierefrei sein, aber auf dem Weg dorthin können mehrere unüberwindbare Stufen zum Problem werden. Oder, wie wir auch erlebt haben, die Rollstuhlrampe hatte eine zu enge Kurve für einen elektrischen Rollstuhl.
Ich rate auch, dass man sich im Vorfeld Fotos vom barrierefreien Zimmer oder dem Wegen dorthin von den Vermietenden zuschicken lässt. Die meisten machen das auf Anfrage gerne, habe ich festgestellt.
Zwei Quartiere kann ich jedenfalls uneingeschränkt empfehlen – den Adelwöhrerhof in der Steiermark, den ich im letzten Blog vorgestellt habe, oder das Vier-Stern-Hotel Orchidee am Kärntner Klopeinersee. Letzteres hat nicht nur einen Speziallift für Schwimmfreude im Wasser, der gesamte See kann auf einem asphaltierten, breiten Fußweg umrundet werden. Auch zahlreiche Bars und Restaurants sind mit Rollstuhl kein Problem. Beide Quartiere haben auch Lifter und spezielle Betten im Angebot.
Besonders Kärnten und Tirol, aber auch die Steiermark haben in den vergangenen Jahren ihre Angebote ausgebaut. Hier ein paar Highlights:
Bergerlebnis mit den Maltesern
Die steirischen Malteser verfügen seit kurzem über zwei Joëlettes (Wanderrollstühle) mit Elektro-Antrieb. „Diese geländegängigen Spezialrollstühle erlauben es uns, Wandertouren über Stock und Stein zu unternehmen – immer vorausgesetzt, die Wege sind frei von Barrieren wie unpassierbare Weidezaundurchgänge oder umgestürzte Bäume“, erklärt die Malteserin Elisabeth Eder. „Sind diese Voraussetzungen gegeben, sind je nach Mut des Passagiers oder der Passagierin bzw. der Kondition der beteiligten Personen auch längere Wanderungen – theoretisch auch mit Übernachtung in einer für uns zugänglichen Hütte – abseits unbefestigter Wege möglich.“
„Aktuell sind wir dabei, weitere wanderrollstuhl-taugliche Touren in unserer Nähe zu erkunden. Auf der Tauplitzalm, am Grazer Hausberg, dem Schöckl, und auf kleinen Wanderungen am Stadtrand waren wir schon öfter unterwegs“, sagt Eder. „Daneben gibt es aktuell viele Bemühungen von Organisationen wie dem Alpenverein oder den Naturfreunden, barrierefreie Wanderwege und ebensolche Hütten zu sammeln. Diese Wege sind dann eher für Menschen im eigenen Rollstuhl, die so fit sind, in diesem die Herausforderungen wie Unebenheiten und Steigungen selbstständig zu bewältigen oder aber so mutig, sich von einem Swiss-Trac ziehen zu lassen. Oder es gibt eben Freundinnen und Freunde, Familienmitglieder und ehrenamtliche Organisationen wie uns, die die Rollstühle entlang dieser Wege schieben.“
Tirol baut weiter aus
Tirol ist einer der Vorreiter in Sachen Barrierefreiheit, das Angebot wird aber noch immer ständig erweitert. Heuer hat etwa der Reintalersee einiges in Infrastruktur investiert. Nach einer Generalsanierung vergangenen Herbst wurde die Wellerbrücke im Ötztal im Frühjahr 2026 wieder eröffnet und bietet einen durchgehend mobilitätsfreundlichen Wanderweg vom Zentrumsparkplatz Oetz bis zur Brücke und weiter bis zum Stegendpunkt. Der Schwierigkeitsgrad liegt bei Rot, der Steg wurde in der Mitte auf etwa 1,50 Meter Breite erweitert, was sowohl Ausblick auf die Ache als auch den notwendigen Wenderadius für Rollatoren und Rollstühle ermöglicht, heißt es.
Schon länger gibt es Rolli-Wandertouren in der Region Seefeld, empfehlenswert ist der Weg rund um den Wildsee Seefeld oder die Rundwanderung Runst – Achweg in Leutasch. Gleiches gilt für den Alpenrosenweg in der Naturparkregion Reutte.
Besonders schöne Rolli-Wandertouren bietet das Kaunertal, unter anderem beim Naturparkhaus mit dem Piller Moor. Am Weisseespitz kann man sogar Swiss Tracs mieten, genauso wie bei der Informationsstelle Glocknerwinkel am Parkplatz Lucknerhaus. Auch beim Achensee oder im Nationalpark Hohe Tauern gibt es verschiedene Angebote.
Auch seitens der Politik spielt das Thema eine Rolle: Das Land Tirol hat im August 2024 die Richtlinie zur Klassifizierung von Wanderwegen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen herausgebracht. Es sind aktuell noch nicht viele Wege in Tirol damit klassifiziert, weil das System relativ neu ist, aber es sollen heuer mindestens zwanzig Wege offiziell vom Land klassifiziert werden.
Schladming-Dachstein mit Spezial-Angebot
Bereits seit zwei Jahrzehnten öffnet der Verein „Freizeit-PSO“ Menschen mit Behinderung die Türen zur alpinen Bergwelt in der Region Schladming-Dachstein – im Winter auf der Skipiste, im Sommer auf Wanderwegen. In der warmen Jahreszeit eröffnen speziell konzipierte Wanderwochen und barrierefreie Outdoor-Aktivitäten wie Wassersport oder Flying Fox Zugänge zur Bergwelt.
Andreas Keinprecht von Schladming-Tourismus meint: „Inklusion ist für uns kein Schlagwort, sondern ein konkreter Anspruch an unsere Destination. Freizeit-PSO zeigt seit 20 Jahren eindrucksvoll, wie barrierefreier Bergsport gelingen kann und bereichert damit unsere Region auf eine Weise, die weit über den Tourismus hinausgeht.“
Kärnten setzt sehr auf Barrierefreiheit
Das Bundesland Kärnten setzt seit Jahren voll auf barrierefrei, auf der Tourismus-Seite gibt es zahlreiche (zertifizierte) Angebote bis hin zu eigenen Ausflügen oder eigener Betreuung vor Ort. Immerhin 29 speziell ausgestattete Unterkünfte sind vorhanden, vom noblen Velden bis zum einfachen Almgasthof. Dazu sind 17 Ausflugsziele hergerichtet für barrierefreie Bedürfnisse, etwa Strände am Faaker oder Ossiacher See. Auch eine eigene, 16-seitige Broschüre mit allen Adressen wurde heuer aufgelegt.
„Kärnten ist für alle da, denn Gäste aller Altersgruppen, mit und ohne Behinderung, können sich in der einzigartigen Naturkulisse zwischen Bergen und Seen wohlfühlen. Barrierefreiheit ist für 10% aller Menschen unentbehrlich, für 40% notwendig und für 100% angenehm.“
Zusätzlich organisiert der Verein „InNatur“ mit Sitz im Stubaital nahe Innsbruck Wanderungen, Mehrtages‑Trekkingtouren, Klettertouren sowie Ski‑ und Schneeaktivitäten.
Zum Weiterlesen
Und wie sieht es in der Schweiz mit barrierefreien Wegen aus? Einen Erfahrungsbericht über Scuol im Unterengadin findest du hier:
Wer auf der Suche nach barrierefreien Unterkünften ist, denkt vielleicht nicht als Erstes an Camping…

