Ferien in Österreich: Barrierefreiheit boomt

Zwei Menschen im Rollstuhl auf einem Wanderweg in einer Wiese, links ein Stapel Holz, im Hintergrund grüne Berge
Barrierefreiheit wird zum Trend. Jedes Jahr wächst das Urlaubsangebot in Österreich. Das hat mehrere Gründe: 14 Prozent der Bevölkerung sind bereits über 70 Jahre alt, dazu kommen rund 50.000 Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer und zigtausende Familien mit Kinderwägen. Insgesamt geht es also auch für Regionen und Vermietende um rund ein Viertel des Marktes. Noch dazu geht es um ein interessantes Publikum - denn barrierefreie Gäste essen meist in der Unterkunft und kommen häufiger wieder. Sind also ein potenzielles Stammpublikum.

Während es immer mehr Wanderwege gibt, sind die Unterkünfte oft noch ein Problem. Nicht nur, dass die barrierefreien Zimmer oft die unattraktivsten sind (straßenseitig oder ohne gute Aussicht), oft ist auch unklar, ob es eine zertifizierte Barrierefreiheit gibt oder ob das einfach von der Unterkunft behauptet wird. So kann ein Zimmer barrierefrei sein, aber auf dem Weg dorthin können mehrere unüberwindbare Stufen zum Problem werden. Oder, wie wir auch erlebt haben, die Rollstuhlrampe hatte eine zu enge Kurve für einen elektrischen Rollstuhl.

Ich rate auch, dass man sich im Vorfeld Fotos vom barrierefreien Zimmer oder dem Wegen dorthin von den Vermietenden zuschicken lässt. Die meisten machen das auf Anfrage gerne, habe ich festgestellt.

Zwei Quartiere kann ich jedenfalls uneingeschränkt empfehlen – den Adelwöhrerhof in der Steiermark, den ich im letzten Blog vorgestellt habe, oder das Vier-Stern-Hotel Orchidee am Kärntner Klopeinersee. Letzteres hat nicht nur einen Speziallift für Schwimmfreude im Wasser, der gesamte See kann auf einem asphaltierten, breiten Fußweg umrundet werden. Auch zahlreiche Bars und Restaurants sind mit Rollstuhl kein Problem. Beide Quartiere haben auch Lifter und spezielle Betten im Angebot.

Besonders Kärnten und Tirol, aber auch die Steiermark haben in den vergangenen Jahren ihre Angebote ausgebaut. Hier ein paar Highlights:

Eine Frau im Rollstuhl mit einem Vorspannrad faährt über eine Wiese, dahinter fließt ein Wasserfall einen grünen Berg herunter
Das Tiroler Kaunertal bietet viele schöne Wege, die auch für Menschen im Rollstuhl nutzbar sind. © TVB-Tiroler-Oberland

Bergerlebnis mit den Maltesern

Die steirischen Malteser verfügen seit kurzem über zwei Joëlettes (Wanderrollstühle) mit Elektro-Antrieb. „Diese geländegängigen Spezialrollstühle erlauben es uns, Wandertouren über Stock und Stein zu unternehmen – immer vorausgesetzt, die Wege sind frei von Barrieren wie unpassierbare Weidezaundurchgänge oder umgestürzte Bäume“, erklärt die Malteserin Elisabeth Eder. „Sind diese Voraussetzungen gegeben, sind je nach Mut des Passagiers oder der Passagierin bzw. der Kondition der beteiligten Personen auch längere Wanderungen – theoretisch auch mit Übernachtung in einer für uns zugänglichen Hütte – abseits unbefestigter Wege möglich.“

Diese Joëlettes können nach einer kurzen Einschulung ausgeliehen werden, eine umfangreiche Tourenplanung (Begehung des angedachten Weges, Überlegungen zu Verpflegung, Toilette, persönliche Bedürfnisse des Menschen mit Behinderung….) ist dabei essenzielle Basis für eine gelungene Wanderung. Gerade das Thema Weidetor stellt viel öfter eine Hürde dar, als man das als Zufußgehender selbst wahrnimmt – überall dort, wo man weder mit Kinderwagen noch Fahrrad passieren kann, ist sowohl für die Joëlette als auch für einen normalen Rollstuhl Endstation.

„Aktuell sind wir dabei, weitere wanderrollstuhl-taugliche Touren in unserer Nähe zu erkunden. Auf der Tauplitzalm, am Grazer Hausberg, dem Schöckl, und auf kleinen Wanderungen am Stadtrand waren wir schon öfter unterwegs“, sagt Eder. „Daneben gibt es aktuell viele Bemühungen von Organisationen wie dem Alpenverein oder den Naturfreunden, barrierefreie Wanderwege und ebensolche Hütten zu sammeln. Diese Wege sind dann eher für Menschen im eigenen Rollstuhl, die so fit sind, in diesem die Herausforderungen wie Unebenheiten und Steigungen selbstständig zu bewältigen oder aber so mutig, sich von einem Swiss-Trac ziehen zu lassen. Oder es gibt eben Freundinnen und Freunde, Familienmitglieder und ehrenamtliche Organisationen wie uns, die die Rollstühle entlang dieser Wege schieben.“

Tirol baut weiter aus

Tirol ist einer der Vorreiter in Sachen Barrierefreiheit, das Angebot wird aber noch immer ständig erweitert. Heuer hat etwa der Reintalersee einiges in Infrastruktur investiert. Nach einer Generalsanierung vergangenen Herbst wurde die Wellerbrücke im Ötztal im Frühjahr 2026 wieder eröffnet und bietet einen durchgehend mobilitätsfreundlichen Wanderweg vom Zentrumsparkplatz Oetz bis zur Brücke und weiter bis zum Stegendpunkt. Der Schwierigkeitsgrad liegt bei Rot, der Steg wurde in der Mitte auf etwa 1,50 Meter Breite erweitert, was sowohl Ausblick auf die Ache als auch den notwendigen Wenderadius für Rollatoren und Rollstühle ermöglicht, heißt es.

Schon länger gibt es Rolli-Wandertouren in der Region Seefeld, empfehlenswert ist der Weg rund um den Wildsee Seefeld oder die Rundwanderung Runst – Achweg in Leutasch. Gleiches gilt für den Alpenrosenweg in der Naturparkregion Reutte.

Mann im Rollstuhl ist auf einer Terrasse am Karlesjoch, dahinter sind braune Berge und links eine Seilbahn, mit zwei Gondeln
Wunderschön: Der Blick über die Berge am Karlesjoch. © TVB-Tiroler-Oberland
Eine Gruppe auf einem Wanderweg, einer sitzt in einem Rollstuhl. Dahinter ist eine Hütte, Wald, grüne Wiese und berge
Ein Wanderweg für alle bei der Falkaunsalm im Kaunertal. © Tirol Werbung / Peter Neusser

Besonders schöne Rolli-Wandertouren bietet das Kaunertal, unter anderem beim Naturparkhaus mit dem Piller Moor. Am Weisseespitz kann man sogar Swiss Tracs mieten, genauso wie bei der Informationsstelle Glocknerwinkel am Parkplatz Lucknerhaus. Auch beim Achensee oder im Nationalpark Hohe Tauern gibt es verschiedene Angebote.

Auch seitens der Politik spielt das Thema eine Rolle: Das Land Tirol hat im August 2024 die Richtlinie zur Klassifizierung von Wanderwegen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen herausgebracht. Es sind aktuell noch nicht viele Wege in Tirol damit klassifiziert, weil das System relativ neu ist, aber es sollen heuer mindestens zwanzig Wege offiziell vom Land klassifiziert werden.

Zwei Menschen im Rollstuhl sind auf einem Holzweg über einem grünen Moor, links und rechts Bäume
Durch das Piller Moor gibt es eine wunderschöne Rolli-Wandertour. © TVB-Tiroler-Oberland
Eine Frau im Rollstuhl, ein Kind und ein Mann befinden sich um eine Sitzbank am Hafelekar in Innsbruck, dahinter sieht man ins Tal und über Berge
Mit den Nordkettenbahnen kommt man barrierefrei bis aufs Hafelekar oberhalb von Innsbruck. © Tirol Werbung / Peter Neusser
Zwei Menschen im Rollstuhl auf einer Aussichtsplattform, die Tiroler Flagge weht auf einem Mast, dahinter grüne Berge
Die Aussichtsplattform Adlerblick im Kaunertal ist barrierefrei erreichbar. © TVB-Tiroler-Oberland

Schladming-Dachstein mit Spezial-Angebot

Bereits seit zwei Jahrzehnten öffnet der Verein „Freizeit-PSO“ Menschen mit Behinderung die Türen zur alpinen Bergwelt in der Region Schladming-Dachstein – im Winter auf der Skipiste, im Sommer auf Wanderwegen. In der warmen Jahreszeit eröffnen speziell konzipierte Wanderwochen und barrierefreie Outdoor-Aktivitäten wie Wassersport oder Flying Fox Zugänge zur Bergwelt.

Andreas Keinprecht von Schladming-Tourismus meint: „Inklusion ist für uns kein Schlagwort, sondern ein konkreter Anspruch an unsere Destination. Freizeit-PSO zeigt seit 20 Jahren eindrucksvoll, wie barrierefreier Bergsport gelingen kann und bereichert damit unsere Region auf eine Weise, die weit über den Tourismus hinausgeht.“

Hängebrücke in der Region Schladming-Dachstein, auf der 8 Menschen sind, zwei davon sitzen im Rollstuhl
Der Verein Freizeit-PSO ermöglicht barrierefreien Zugang zur Bergwelt der Region Schladming-Dachstein. © Freizeit-PSO

Kärnten setzt sehr auf Barrierefreiheit

Das Bundesland Kärnten setzt seit Jahren voll auf barrierefrei, auf der Tourismus-Seite gibt es zahlreiche (zertifizierte) Angebote bis hin zu eigenen Ausflügen oder eigener Betreuung vor Ort. Immerhin 29 speziell ausgestattete Unterkünfte sind vorhanden, vom noblen Velden bis zum einfachen Almgasthof. Dazu sind 17 Ausflugsziele hergerichtet für barrierefreie Bedürfnisse, etwa Strände am Faaker oder Ossiacher See. Auch eine eigene, 16-seitige Broschüre mit allen Adressen wurde heuer aufgelegt.

Das dortige Motto lautet:

„Kärnten ist für alle da, denn Gäste aller Altersgruppen, mit und ohne Behinderung, können sich in der einzigartigen Naturkulisse zwischen Bergen und Seen wohlfühlen. Barrierefreiheit ist für 10% aller Menschen unentbehrlich, für 40% notwendig und für 100% angenehm.“

berge, Wiesen und Steine in Kärnten, darüber hängen Wolken
In Kärnten gibt es ein großes barrierefreies Angebot. © Travelistas

Zusätzlich organisiert der Verein „InNatur“ mit Sitz im Stubaital nahe Innsbruck Wanderungen, Mehrtages‑Trekkingtouren, Klettertouren sowie Ski‑ und Schneeaktivitäten.

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Und wie sieht es in der Schweiz mit barrierefreien Wegen aus? Einen Erfahrungsbericht über Scuol im Unterengadin findest du hier:

Wer auf der Suche nach barrierefreien Unterkünften ist, denkt vielleicht nicht als Erstes an Camping…

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Zelten? Ich? Absolut unmöglich. Ich hoffte und glaubte, mich verhört zu haben. Ich sitze im Rollstuhl, bewege mich indoor mit Mühe vorwärts, outdoor benötige ich einen Motor oder menschliche Hilfe. Auf einem Zeltplatz, so stelle ich mir vor, passiert die Hälfte outdoor. Und indoor ist es eng, holprig und unbequem, je nach Wetter auch noch nass, schlammig und schmutzig. Und jetzt diese Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, zwei Zeltplätze auf ihre Zugänglichkeit zu testen. Und noch bevor ich ablehnen konnte – dieses charmante Angebot, mich zu begleiten.

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