Von Alex Oberholzer
Es begann profan. Ich brauchte einen neuen Rollstuhl. Die grösste Auswahl findet man an der Swiss Abilities in Luzern, jener Messe für Rehatechnik und Hilfsmittel, wo zwischen Hightech, Gummi, Aluminium und Hoffnung alles ausgestellt ist, was Mobilität und Selbständigkeit verspricht. Rollstühle, Rollatoren, Fitnessgeräte – und dazwischen, fast beiläufig, ein Stand für Lourdes-Reisende. Ich beachtete ihn nicht und war schon fast vorbei, als mich jemand zurückrief. Ob mich das nicht auch interessieren würde. Ich verneinte freundlich, aber entschieden. Ganz sicher nicht.
Der Mann hinter dem Stand liess nicht locker. Ich könne ja wenigstens an einem Wettbewerb teilnehmen. Der Hauptgewinn sei die Teilnahme an der nächsten Wallfahrt. Und weil ich ein neugieriger Mensch und offen für vieles bin, dachte ich mir: Gut. Sollen die da oben – wenn es sie denn gibt – doch entscheiden, ob sie mich auf eine Wallfahrt schicken wollen.
Sie wollten.
Wo die Magie beginnt
Ein halbes Jahr später sass ich, noch immer skeptisch, im Zug nach Lourdes. An der Grenze das erste Problem. Die französischen Bahnen streikten. Man verlud uns in bereitstehende Reisebusse. Sehr umständlich, grosse zeitliche Verzögerungen, aber alles klappte. Man hatte mir im Vorfeld versichert, dass für mich als Rollstuhlfahrer alles organisiert sei: freiwillige Helfende, Unterstützung vor Ort, keine Hindernisse, die nicht überwunden würden. Und mehr noch: Ich durfte im Accueil Notre-Dame wohnen, einer Art Spital, mitten im Heiligen Bezirk, ganz nahe bei der Grotte, wo 1858 das Wunder seinen Anfang genommen haben soll.
Lourdes selbst ist ein einziger Souvenirladen. Ein Ort, der fast vollständig aus Verkaufsflächen besteht: Kreuze, Kerzen, Rosenkränze, Weihwasserkännchen, Andenken in jeder erdenklichen Form. Ob Kitsch, Ramsch oder Heilsversprechen – das liegt im Auge der Käuferinnen und Käufer. Im Heiligen Bezirk jedoch, dort, wo ich wohnen darf, ist davon nichts zu sehen. Nachts schliessen die Tore, Touristinnen und Touristen bleiben draussen. Zurück bleiben wir: Menschen mit Behinderung, ihre Begleitpersonen, die Helfenden. Und plötzlich gehört dieser riesige, sakrale Raum uns allein. Kathedralen haben ohnehin etwas Magisches. Ohne Menschenmassen entfalten sie diese Magie erst recht.
Eine Woche im Hier und Jetzt
Praktische Infos
Reisen von der Schweiz nach Lourdes werden überwiegend als organisierte Pilgerfahrten per Bus oder Flugzeug angeboten. Die Anreise dauert individuell 11 bis 14 Stunden mit der Bahn oder ca. 75 Minuten mit dem Flugzeug.
Ich empfehle die Teilnahme an der alljährlichen Lourdeswallfahrt des Vereins Interdiözesane Lourdeswallfahrt DRS. Sie findet jeweils im Frühling statt, in der Regel zwei bis drei Wochen nach Ostern. Die nächste ist vom 23. bis 29. April 2027.
Informationen und Anmeldungen über lourdes.ch.
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Alex Oberholzer hat nicht nur eine Wallfahrt mit dem Rollstuhl probiert, sondern auch eine Flussschifffahrt. Seine Erfahrungen liest du hier:
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