Siebenbürgen: Viele Schlösser und Kirchen – aber keine Vampire

Siebenbürgen: Viele Schlösser und Kirchen – aber keine Vampire

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Transsilvanien und seine Geschichten blutrünstiger Vampire – vor meiner Reise nach Rumänien hätte ich mir den Titel dieses Beitrags etwa so vorgestellt. Doch schnell stellt sich heraus, dass die Region und die Schauermärchen der Blutsauger nicht das Geringste verbindet.

Auf Deutsch heisst Transsilvanien Siebenbürgen. Und ein deutscher Name macht hier durchaus Sinn, denn im 12. Jahrhundert wurde das Land mit deutschen Siedlern besiedelt, die das Land schützen und die (Land-)Wirtschaft beleben sollten. Die Siedler wurden verallgemeinernd Sachsen genannt, obwohl sie aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands stammten.

So erstaunt es auch nicht, dass jede Stadt neben dem rumänischen auch einen deutschen Namen trägt und es noch immer Leute gibt, die Deutsch sprechen bzw. in der Schule lernen. Dazu gehört auch unser Guide: Er heisst Paul, spricht Deutsch und ist einer dieser Sachsen. Zum heutigen Sachsen hat er aber überhaupt keine Verbindung.

Prunkvolle Schlösser und angriffssichere Kirchenburgen in Siebenbürgen

Als guter Ausgangspunkt für erste Erkundungen eignet sich die kleine Stadt Predeal. Als erstes Highlight steht die Besichtigung von Schloss Peles an. Das erst 1883 erstellte Schloss ist ein Prachtsbau – verspielt mit vielen Türmen, Erkern und Verzierungen.

Im Innern befindet sich ein Museum mit einer ansehnlichen Sammlung an Waffen, Skulpturen, Holzschnitzereien und Möbeln aus verschiedenen Zeitepochen. Ein Höhepunkt ist das kleine Theater, dessen Wände Gemälde von Gustav Klimt zieren.

Eines der schönsten Schlösser in Siebenbürgen: das Schloss Peles.

Im Gegensatz zum prunkvollen Schloss Peles stehen die relativ einfachen und eher zweckmässigen Kirchenburgen der Region. Ein besonders anschauliches Exemplar aus dem 13. Jahrhundert befindet sich in Hărman (Honigberg).

Die Kirchenburg in Honigberg.

Dabei handelt es sich um eine Kirche, die von deutschen Siedlern nach romanischen Bauempfinden erbaut und mit verschiedenen gotischen Elementen ergänzt wurde. Zu Verteidigungszwecken von mehreren Mauerringen und Wehrtürmen umgeben ist.

Neben ihrer religiösen Funktion diente sie den Bewohnern der umliegenden Höfe als Rückzugsort bei Angriffen. Das Vieh wurde in die äusseren Mauerringe getrieben und die Menschen wohnten und arbeiteten im Inneren der Mauern. Dass diese Wehreinrichtung funktioniert, wurde in der Geschichte mehrmals erfolgreich demonstriert: Während die Bauern im Innern ausharrten, mussten die Angreifer nach erfolgloser Belagerung ausgehungert und entkräftet abziehen.

Im Innern der Verteidigungsmauern befinden sich verschiedene Lager- und Arbeitsräume, eine alte Kapelle mit Wandmalereien sowie ein altes Klassenzimmer, in welchen über Lautsprecher eine Geschichte in alter deutscher Sprache erklingt. Ähnlichkeiten zum heutigen Deutsch sind zwar vorhanden, aber wirklich verstehen tut man’s nicht.

Im Innern der Kirchenburg hatten die Bauern alles, um lange Belagerungen schadlos zu überstehen.

Hübsche Städte zum Flanieren, Shoppen und Besichtigen

Als Rumänien-Neuling haben mich vor allem auch die Städte sehr beeindruckt – neben Sibiu (Hermannstadt) war das allen voran Brasov (Kronstadt). Der Grosse «Brasov»-Schriftzug über der Stadt heisst die Gäste schon von Weitem willkommen. Irgendwie erinnert es an das Hollywood Sign in den Hollywood Hills. Doch das war’s dann auch mit den Ähnlichkeiten.

Der «Brasov»-Schriftzug prangt hoch über der Stadt.

Blick auf die imposante Schwarze Kirche.

Im Herzen der gepflegten Altstadt befindet sich die spätgotische «Schwarze Kirche», das Wahrzeichen der Stadt mit ihrer imposanten Buchholz-Orgel. In ihrem Inneren hängen zudem unzählige Gebetsteppiche von den Emporen.

Diese Geschenke sächsischer Handelsleute gelten als Zeichen des Reichtums. Die Stadt lädt auch zum Geniessen ein, sei es in einem Kaffee bei etwas Süssem oder in einem Restaurant beim Geniessen der lokalen Küche – oder einfach beim Flanieren zwischen den gepflegten spätmittelalterlichen Bürgerhäusern.

Sei es in den Einkaufsstrassen im Zentrum oder in den kleinen Seitengassen: Man findet immer wieder einen schönen Platz, der zu einer Pause einlädt.

Und was ist jetzt mit Dracula?

Ach ja, da war ja noch was. Das Einzige, was Vampire mit Rumänien verbindet, ist, dass das Schloss Bran offenbar dem Dracula-Schloss in Bram Stokers gleichnamigen Roman sehr ähnlich sein soll.

Schloss Bran

Schloss Bran ist schön gelegen, etwas erhöht und umgeben von Wald. Übrigens: Den besten Foto-Spot findet man, indem man rechts des Schlosses den Wald hoch geht und aus leicht erhöhter Position fotografiert.

Es unterscheidet sich kaum von anderen Schlössern, das heisst, wer hier dunkle Verliesse, Särge etc. erwartet, wird nicht fündig. Der Mythos Dracula widerspiegelt sich hauptsächlich im Angebot der Souvenir-Stände.

Das Innere von Schloss Bran ist sehr verwinkelt und weitgehend schnörkellos.

Offenbar soll der walachische Fürst Vlad als Inspiration für die Dracula-Figur gedient haben. Vlad war für seine brutalen Machenschaften berüchtigt und trug deshalb den Beinamen Tepes («der Pfähler»). Betreten hat Vlad das Schloss aber nie.

Wer Rumänien bereist, wird das Schloss Bran auch auf dem Programm haben und das ist auch okay – man sollte sich jedoch bewusst sein, was einen erwartet. So beugt man der Enttäuschung vor. Ganz im Gegenteil zum Rest Siebenbürgens: Hier wird man immer wieder positiv überrascht und erlebt das Land ganz anders als man es erwartet hat.

Dracula taucht zwar hier und da mal auf, jedoch deutlich seltener als erwartet.

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