Von wegen boring: Ein Tag auf den Borromäischen Inseln

Von wegen boring: Ein Tag auf den Borromäischen Inseln

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Die Inselgruppe im italienischen Teil des Lago Maggiore hat es in sich: Die Borromäischen Inseln locken mit geballter Geschichte, gepflegten Gärten und wecken grosse Lust auf einen zweiten Besuch.

Borro-was? Borromäische Inseln? Klingt irgendwie furchteinflössend. So weit weg und zu erhaben für Otto Normalbesucher. Und mit Verlaub – auch etwas langweilig. Nun, was soll ich sagen: Ich hatte ja keine Ahnung! Während meinen diesjährigen Frühlingsferien im wunderschönen italienischen Dörfchen Cannero Riviera gleich nach der Grenze wurde ich schnell eines Besseren belehrt.

Insgesamt gehören fünf Binneninseln im italienischen Teil des Lago Maggiore zu den „Isole Borromee“. Sie sind alle mit dem Schiff erreichbar und verteilt im Seeabschnitt zwischen Intra-Verbania (kennt garantiert jeder Tessin-Besucher dank seines berühmten Marktes) und Stresa, wo die schnelle Zugverbindung von Bern nach Mailand auch viele Schweizer hinführt (Sommertipp: Vom 17. Juli bis 8. September 2019 findet das beliebte Stresa Festival statt). Von hier aus hat man übrigens eine besonders gute Sicht auf die Inseln.

Inmitten italienischer Geschichte

Da zog ich also nichtsahnend los mit einer Handvoll Mitreisenden, mit dem Schiff von Cannero zur Isola Madre, der grössten Borromäischen Insel. Dabei erfuhren wir von der Reiseleiterin bereits erste spannende Hintergründe und Infos. Sie liessen mich bereits erahnen: Der Geschichtsfreak in mir, mit Vorliebe für die Irren und Wirren der grossen Adelshäuser und edlen Familiendynastien, wird diesen Ausflug lieben.

Nicht ohne meinen caffè: Auf dem Schiffweg zu den Borromäischen Inseln

Kaffeetasse parat? Also: Once upon a time, da verschlug es eine italienische Adelsfamilie namens Borromeo an den Lago Maggiore. Davor gehörte sie in der Toskana im 13. Jahrhundert zu den einflussreichsten Kaufmannsfamilien des Landes. 1370 zog die Familie nach Mailand, von wo aus sie ein imposantes Bankenimperium mit Ablegern in Florenz und Venedig aufbaute.

Verschwägert waren die Borromeo ausserdem mit der einflussreichen Mailänder Herzogsfamilie Visconti, in dessen Dienst sie standen. Diese Verbindung brachte ihnen Reichtum und Ruhm: So erwarben die Borromeo ab dem 15. Jahrhundert verschiedene Ländereien am und besagte Inseln im Lago Maggiore. Ehrenvoll wurden sie in den Grafenstand erhoben.

Seltene Zypresse, freche Fasane, spezielle Grotten

Über Jahrhunderte hinweg herrschten die Borromeo fortan über das Seegebiet – eine lange Zeit für Intrigen und Machenschaften, denke ich mir. Ich spinne mir die Stories schon in Gedanken zusammen, als wir vor der grössten Borromäischen Inseln Anlegen. Die Isola Madre („Mutterinsel“) strotzt nur so vor Pflanzen, Blumen und Bäumen, die teilweise sehr selten sind und nur dank der Familie Borromeo am Lago Maggiore gedeihen.

Diese liess nämlich extra Erde auf die Insel bringen, damit überhaupt die Gärten und Paläste angebaut werden konnten. Zu den seltenen Gewächsen gehört etwa eine imposante zweihundert Jahre alte Kaschmir-Zypresse. Bei unserem Besuch im April stand der Frühlingsflor gerade in voller Blüte und Pracht – im Sommer und Herbst werden andere Stars dieser botanischen Wundersammlung die Besucherinnen und Besucher betören.

Der Park im Stil eines englischen Gartens bietet auch viele schattige Plätze zum Innehalten und um den direkten Blick auf den See zu geniessen. Aber Achtung: Hier kann man schon mal auf freilaufende Fasane und Pfauen treffen, die plötzlich über die schmalen Gartenwege rennen…

Isola Bella ist die zweitgrösste Insel mit dem Pallazzo Borromeo als Hauptattraktion, ebenfalls umgeben von einer prächtigen Gartenanlage. Der Palast katapultiert die Besucherinnen und Besucher sofort in eine andere Zeit. Heute als Museum begehbar, können im eindrücklichen Bauwerk im lombardischen Barockstil zahlreiche geschichtsträchtige Gemälde, Lampen, Skulpturen und Möbel aus nächster Näher bestaunt werden.

Besonders imposant: Sechs künstliche Grotten im Untergeschoss, die man über eine Wendeltreppe aus dem 17. Jahrhundert erreicht. Das Ambiente hier unten ist sehr speziell, weil die vielen Muschelverzierungen und die Lage auf See-Niveau fast den Eindruck hinterlassen, als wäre man hier am Meer.

Während die Isola Bella nur ein sehr kleines gastronomisches Angebot bietet, finden sich auf der Isola Madre mehrere charmante Lokale und Restaurants, manche davon direkt am See. Hier lässt es sich vor oder nach dem eindrucksreichen Pallazzo-Besuch bei einem starken Caffè oder einem fruchtigen Weisswein ein wenig die Seele und auch die Füsse baumeln lassen.

Die dritte Hauptinsel, die Isola dei Pescatori (auch Isola Superiore genannt), haben wir nicht besucht. Sie besteht aus einem kleinen Fischerdorf und ist als einzige der Inseln dauerhaft bewohnt. Ebenfalls zur Inselgruppe gehört die für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Isolino di San Giovanni  mit einem Durchmesser von 140 Metern. Die fünfte Insel “Scoglio della Malghera“ ist ein kleines Eiland von 600 Quadratmetern, zwischen der Isola Bella und Isola dei Pescatori.

Aus dem „Borro-was?“ wurde bei mir eindeutig ein „Ci vediamo“. Denn: Ich habe noch lange nicht alle Borromäischen Adelsgeschichte in meinem Kopf zu Ende gesponnen.

Tipps und Infos für die Borromäischen Inseln

  • Die „Navigazione Isole Lago Maggiore“ bietet ab Stresa eine fünfstündige Tour auf die Isola Madre, Isocla Pescatori und Isola Bella an. Es gibt die Möglichkeit zu einer geführten Tour mit Mittagessen. 
  • Ebenfalls sind die Inseln von Locarno oder Ascona aus via Schiff erreichbar.
  • Wenn möglich die Inseln nicht am Wochenende oder an Feiertagen besuchen, weil sie dann sehr gut besucht sind. Wer unter der Woche geht, hat mehr davon.
  • Restauranttipp auf der Isola Bella: Ristorante Elvezia (die Schweiz ist schliesslich nah :)) mit einfacher, authentischer, schnörkelloser italienischer Küche. Auf der Terrasse im ersten Stock ist die Sicht auf den See besonders schön.
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