‘Into the wild’ im Bowron Lake Provincial Park (Kanada)

‘Into the wild’ im Bowron Lake Provincial Park (Kanada)

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Mit einem Schlag bin ich hellwach. Da war doch was. Ich schlage die Augen auf. Es ist stockdunkel. In der Ferne höre ich die Schreie eines Käuzchens. Neben mir liegt Sandra und schläft tief und fest. Da ist es wieder! Das Rascheln kommt aus dem Gebüsch gleich neben unserem Zelt. Es hört sich an, als bewege sich etwas langsam um uns herum. Ganz steif liege ich in meinem Schlafsack, traue mich kaum zu atmen. Zu meiner Rechten liegt der Bärenspray. Doch was bringt der – hier drin im Zelt? Im nächsten Moment ertönt ein dumpfes „Dong“ und unser Zelt bewegt sich leicht. Vermutlich wurde eine der straff gespannten Zeltschnüre gestreift.

Das nächste Rascheln und Knacken kommt dann von etwas weiter weg – vermutlich aus dem Unterholz wenige Meter hinter unserem Nachtlager. Ich bewege mich keinen Zentimeter. Lange bleibe ich mucksmäuschenstill liegen und horche auf weitere Geräusche. Doch ausser dem Rauschen der Blätter in den hohen Bäume und dem Plätschern der Wellen gegen die Uferböschung ist da nichts mehr.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Während des Frühstücks unterhalten wir uns über den nächtlichen Besuch. Was es wohl gewesen sein mag? In dieser Gegend gibt es so ziemlich alles an Wildtieren. Da wären zum Beispiel die Schwarzbären, Pumas, Vielfrasse und noch einige andere, welchen man nicht unbedingt begegnen möchte. Klar, wir halten uns strikt an die Ratschläge der Ranger, was das Verhalten hier in der Wildnis anbelangt. Und doch wird uns jetzt nochmals so richtig bewusst, dass wir hier draussen ganz auf uns alleine gestellt sind. Nach dem Frühstück brechen wir unser Nachtlager ab und verstauen alles in unserem Kanu. Bald darauf gleiten wir lautlos über die spiegelglatte Wasseroberfläche.

Seit drei Tagen sind wir nun ‚into the wild‘. Insgesamt neun Tage paddeln wir mit dem Kanu durch die kanadische Wildnis des Bowron Lake Provincial Parks. Der Bowron Lake Provincial Park erstreckt sich über 149’207 Hektaren. Das Herz des Parks ist ein 116 Kilometer langes zusammenhängendes System von Seen und Flüssen. Die einzelnen Gewässer sind durch Flüsse oder Portagen miteinander verbunden. Ein Traum für jeden Paddler! So eine Tour muss aber auch gut vorbereitet sein. Unterwegs gibt es keinerlei Möglichkeiten, mal schnell etwas einzukaufen. Sämtliches Essen muss geplant, eingekauft und rationiert werden. Dasselbe gilt für das ganze Material. Vor dem Start der Tour geht es an die obligatorische Infoveranstaltung der Parkaufsicht. Hier gibt es Tipps zu den Gewässern, dem Verhalten im Park und gegenüber den Wildtieren. Als Krönung wird ein Film gezeigt, in dem ein grosser Schwarzbär eindrucksvoll demonstriert, was passieren kann, wenn man das Zelt auf seinen Pfad stellt… Nicht gerade ermutigend! Zum Abschluss wird man registriert, erhält seine Genehmigung und los geht’s.

Park mapPark map

Unterwegs treffen wir nur wenige Leute an. Ein einziges Mal teilen wir unser Nachtlager mit anderen Kanuten. Ansonsten sind wir immer alleine – ein herrliches Gefühl. Wir geniessen es, den reinen Naturgewalten ausgesetzt und mit der Natur im Einklang zu sein – der reinste Seelenbalsam!

Infos zur Tour:

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