Pfaueninsel – eine Reise in die Zeit der preußischen Könige

Pfaueninsel – eine Reise in die Zeit der preußischen Könige

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Berlin ist grün. Berlin hat viele Seen. Und Berlin hat auch mehr als eine Insel. Die schönste davon ist wohl die Pfaueninsel.

Ein idyllisches Kleinod inmitten der Havel, das bereits mehreren preußischen Königen als Refugium diente und bis heute nichts an Zauber eingebüßt hat. Ihr ist sogar ein Roman gewidmet und sie diente als Kulisse für Edgar-Wallace-Filme.

Blick von der Insel auf die Havel

Inseln hatten in der Blütezeit der Landschaftsparks einen gewissen sentimentalen und symbolischen Wert – man ließ sich über ein trennendes Wasser zu einem Ort der Abgeschiedenheit übersetzen.

Diesen Ansatz kann ich nachvollziehen und vielleicht begeistert mich die Insel deshalb bereits seit meiner Kindheit. Schon immer war sie eine Oase, ein Zufluchtsort, wenn man der Stadt entfliehen wollte.

Übersichtskarte

Überfahrt zur Insel

Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Denn schon bei der Anfahrt lässt man den Alltag hinter sich – auf die Pfaueninsel gelangt man nur mit einer Fähre.

Das Auto bleibt auf der anderen Seite stehen. Hat man übergesetzt, sieht man so gleich das Kastellanhaus am Fähranleger, wo man heute Tickets für die Gebäudeführungen erhält.

Eine der Anlegestellen Pfaueninsel

Teil des KastallenhausesTeil des Kastellanhauses

Aber am besten lässt man sich einfach von der Intuition treiben und lustwandelt auf der rund 67 ha großen Insel, die zwischen Wannsee und Kladow im Südwesten Berlins liegt – wie einst König Friedrich Wilhelm II. Er erwarb die Insel, mit ihren rund 400 Jahre alten Eichen, 1793. Die von ihm auf der Insel ausgesetzten Pfauen gaben dem Eiland ihren heutigen Namen.

Ein wenig wie Alice im Wunderland, kann man auf einem Spaziergang immer wieder versteckte oder aber auch offensichtlich sichtbare phantasievolle Bauwerke entdecken. Das wohl schönste und bekannteste ist das weiße Schloss.

Das weiße Schloss

Dieses ließ der König ab 1794 nach Vorbildern englischer Stiche als kleines ländliches Lustschloss in Ruinenform und als krönenden Blickfang einer Sichtachse des Neuen Gartens bauen. Von hier schweift der Blick über die Havel nach Glienicke, zum Neuen Garten und nach Sacrow.

Der Blick von der Fähre auf die HavelDer Blick von der Fähre auf die Havel

Es sollte dem König gleichzeitig dazu dienen, sich ab und an von einer Bootsfahrt auszuruhen, und eine Nacht mit seiner Geliebten Wilhelmine Encke zu verbringen.

Geprägt ist das Schloss von seinen beiden Rundtürmen, die durch eine schmiedeeiserne Brücke verbunden sind und so die Illusion einer mittelalterlichen Burg erzeugen.

Das weiße SchlossDas weisse Schloss

Man kann sich richtig vorstellen, wie sie beide dort oben über die Brücke flanierten. Aber das Haus ist eine optische Täuschung: Eigentlich ein Fachwerkbau mit Eichenbohlen verkleidet, ruft es durch seinen gesandelten Ölfarbenanstrich und die aufgemalten Fugen den Eindruck einer steinernen Quaderung hervor.

Auch eine Führung durch das Gebäude lohnt, denn dort wartet eine erlesene Innenausstattung auf den Besucher. Sie ist weitgehend original erhalten und vermittelt ein authentisches Bild höfischer Wohnkultur um 1800. Viel davon zeichnet auch die Handschrift und den künstlerischen Geschmack von Wilhelmine Encke.

Immer wieder begegnet man den Pfauen auf der Pfaueninsel

Die Räume im Erd- und Obergeschoss sind mit eleganten Mahagonimöbeln versehen; die farbenfrohen Papiertapeten stammen aus der Berliner Manufaktur von John Christian. Stuckarbeiten, Wand- und Deckenmalereien sowie Fußböden aus Edelhölzern bestimmen den Charakter der Zimmer und sind zugleich ein Beispiel für die hohe handwerkliche Kunstfertigkeit dieser Epoche im Berliner Raum.

Miniatur-Arkadien: Der Park der Pfaueninsel

Friedrich Wilhelm III und seine Frau Luise schufen sich Anfang des 19. Jahrhunderts hier einen bürgerlich anmutenden Sommersitz. Nach dem Vorbild des Pariser Jardin de Plantes gestaltete Peter Joseph Lenné ab 1818 die naturbelassene Insel zu einem prachtvollen englischen Landschaftsgarten aus.

In der kunstvoll gestalteten Gartenlandschaft kann noch viele weitere Bauten finden, wie das Palmenhaus, das 1880 leider abbrannte (vier Säulen markieren den ursprünglichen Grundriss) und das von Karl Friedrich Schinkel unter Verwendung einer Danziger gotischen Patrizierhausfassade umgebaute Kavalierhaus.

Eine der Säulen des ehemaligen Palmenhauses

Letzteres diente in den 1960er-Jahren als Kulisse für mehrere Edgar-Wallace-Filme, etwa „Die Tür mit den sieben Schlössern“, „Neues vom Hexer“ oder „Der Hund von Blackwood Castle“. In der Inselmitte wurde eine Menagerie, die 1832 etwa 847 Tiere zählte, angelegt. Sie bildete den Grundstock des Berliner Zoologischen Gartens, der 1840 als erster deutscher Zoo seine Türen öffnete.

Das KavaliershausDas Kavaliershaus

Zudem gibt es ein Kastellanhaus und das 1829/1830 nach Entwürfen Schinkels erbaute Schweizerhaus sowie den 1833 von Albert Dietrich Schadow errichteten Fregattenschuppen.

Im nordöstlichen Bereich der Insel wurde schon 1799 ein aus mehreren Gebäuden bestehendes landwirtschaftliches Anwesen mit einer Meierei als Hauptbau gebaut. Das Bauwerk sieht wie ein derbes Bauernhaus inmitten der künstlichen Ruine eines Klosters aus.

Der im Obergeschoss gelegene mit gotischen Dekorationsmalereien und Stuckornamenten reich geschmückte Festsaal ist weitgehend original erhalten. Er ist mit sparsam möbliert, aber hat tolle rosshaarbezogene Mahagonisitzmöbel und einem Schlangenfußtisch sowie eine Platte aus „orientalischem“ Achat.

Die Fontäne mit Brunnen

Unter Verwendung des ursprünglichen Sandstein-Portikus des Charlottenburger Mausoleums von Königin Luise wurde 1829 in Sichtweite der Meierei ein Gedächtnistempel für Königin Luise errichtet. Ich liebe diesen Tempel, der aussieht, als würde er just einer griechischen Sage entsprungen sein.

Wasserbüffel auf der Havelinsel

Neben den namensgebenden Pfauen, die noch heute hier herumspazieren und ab und an ihr prächtiges Federrad zeigen, kann man auch Pferde, Schafe, Spechte und Kormorane beobachten oder Froschkonzerten lauschen.

Auch die aus der Menagiere übriggebliebene Volière bietet viel witziges Federvieh, wie Seidenhühner oder weiße Pfauen. Zudem dient die Hechtlaichwiese bis Oktober einigen Wasserbüffeln als Domizil, die den Gärtnern beim Mähen der Feuchtwiesen helfen.

Archäologischen Funden zufolge wurde die Pfaueninsel schon vor etwa 2500 Jahren für Landwirtschaft genutzt. Jahrhunderte später befanden sich hier eine Kaninchenzucht (die Insel hieß früher Kaninchenwerder) und eine Glasmacherhütte.

Auch im schönen Rosengarten und unter den Weinreben lässt es sich wunderbar flanieren. Die Havelinsel zählt mit ihren weitläufigen Rasenflächen, einem Bestand an nichteuropäischen Bäumen und Sträuchern und einer ungewöhnlich reichen Vogelwelt zu den schönsten Naturschutzgebieten Berlins. Zusammen mit Schloss Glienicke und der Potsdamer Schlösserlandschaft gehört die Insel mit dem kleinen Schloss zum UNESCO-Welterbe.

Gänge mit Weinreben am Kastellanhaus

Der RosengartenRosengarten

Wild von der Insel schmausen

Die Spuren der Wildschweine, die auf der Insel leben, sind immer wieder auf den Grünflächen sichtbar. Der Auslauf scheint ihnen gut zu tun, denn als Wurst im Brötchen schmecken sie ganz vorzüglich J Wer lieber etwas gewöhnlicher isst, bekommt natürlich auch Rostbratwurst, Cous-Cous oder Kartoffelsalat. Und auch gute selbstgemachte Kuchen kann man als Nachtisch haben.

Schmausen auf der Wiese

„Wie ein Märchen steigt ein Bild aus meinen Kindertagen vor mir auf: Ein Schloss, Pfauen sitzen auf hoher Stange oder schlagen ein Rad, Springbrunnen, überschattete Wiesen, Schlängelpfade, die überall hinführten und nirgends …“ schöner als Theodor Fontane könnte auch ich nicht beschreiben, warum sich ein Besuch der Insel in jedem Fall lohnt.

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