Lignano: Viel mehr als nur Strand

Lignano: Viel mehr als nur Strand

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Natürlich: Es gibt kaum etwas Schöneres, als im Sommerurlaub an der Oberen Adria im Liegestuhl zu dösen, Sandburgen zu bauen, im Meer zu schwimmen oder im flachen Wasser am Strand entlang zu spazieren und in einer der vielen Strandbars wunderbaren italienischen Espresso zu trinken. 

Wer davon aber nach einigen Tagen doch genug hat und sich nach Abwechslung sehnt, dem bietet Lignano erstaunlich viele Alternativen zum klassischen Strandtag. Hier fünf persönliche Tipps:

Am Strand von Lignano werden fleissig Sandburgen gebaut

Auch Hemingway war hier

Wer zwischen Grado und Caorle Ferien macht, kommt am Namen Hemingway nicht vorbei. Der amerikanische Literaturnobelpreisträger hat in den 1950-er Jahren hier mehrere Urlaube verbracht, auf Einladung des Barons Franchetti. Lignano hat er dabei als das „Florida Italiens“ bezeichnet, in den Fünfzigern wahrscheinlich eher wegen des langen, breiten und goldfarbenen Sandstrandes denn wegen der Skyline.

Lignano hätte den berühmten Schriftsteller gerne enger an sich gebunden und ihm deshalb ein Grundstück geschenkt. Zum Bau eines Ferienhauses durch Hemingway ist es zwar nicht gekommen, aber noch heute erinnert der Hemingway-Park an den berühmten Gast. Er ist eine grüne Ruheoase im Stadtteil Lignano Pineta, in dem man sich zum Beispiel an verschiedenen Fitness-Stationen versuchen kann.

Eine kleine Bühne inmitten des Parks dient immer wieder als Veranstaltungsort, für Kinder gibt es kleine Spielplätze. Ein erholsamer Rückzugsort, wenn es am Strand so richtig heiss wird.

Einmal im Jahr verleiht Lignano auch einen Literaturpreis, den – wie könnte es anders sein – Hemingway-Preis. Diesen Juni wurde der in Italien sehr renommierte Preis bereits zum 35. Mal verliehen.

Di Bilancia da Bepi an der Stella-Mündung © life-in-travel

Hemingway war aber vor allem ein Freund der Jagd und hat wohl mehr Zeit in der umliegenden Lagune bei der Entenjagd verbracht als am Strand. Dass so nah am so betriebsamen Strand so viel Natur wartet, überrascht.

Die Lagune von Marano beginnt gleich am obersten Strandende von Lignano Sabbiadoro, hinter dem Leuchtturm sozusagen. Von hier aus kann man nicht nur per Ausflugs-Boot, sondern auch mit Kanu, Segelboot oder Stand up Paddle individuell in die Lagune oder zu den der Halbinsel vorgelagerten Inseln Sant’Andrea oder Isola delle Conchiglie.

An der Stella-Mündung sollte man auf keinen Fall die „Bilancia di Bepi“ versäumen. Ein über den Fluss gespanntes Fischernetz, das ins Wasser abgesenkt und anschliessend voller Fische wieder hochgezogen wird. Eine besonders schonende Art des Fischfanges, und der fangfrische Fisch wird gleich im zugehörigen Restaurant, das durch seine Holzkajüte und den offenen Essbereich fast ein wenig karibisches Flair verströmt, zubereitet. Die Bilancia di Bepi ist in dritter Generation in Familienbesitz und schon Hemingway soll hier Fisch gegessen haben.

Sonnenschirm-Reihen am Strand von Lignano am frühen Morgen

An den Strand bevor alle anderen da sind

Lignano ist extrem Fahrrad-tauglich. Nicht nur die Distanzen zwischen den drei Ortsteilen Lignano Sabbiadoro, Lignano Pineta und Lignano Riviera lassen sich am Gemütlichsten mit dem Rad überbrücken, auch das Hinterland oder das angrenzende Bibione kann man so gut erreichen und erkunden. Wer das nicht auf eigene Faust tun will, kann sich einer der zwischen Juni und September regelmässig stattfindenden kostenlosen Touren anschliessen.

Mit den Fatbikes zum Leuchtturm von Lignano

Mehrmals pro Woche kann man dank dieser Touren auch sein Geschick am Fatbike direkt im Sand versuchen. Dafür muss man allerdings früh aufstehen – die Touren starten bereits um 07.30 Uhr, damit der Strand noch leer und gut befahrbar ist.

Eine Stunde lang geht es mit den Rädern mit den extra breiten Reifen von der Terrazza a Mare, dem Wahrzeichen Lignanos, zum Leuchtturm und von dort aus ein Stück Richtung Lagune mit wunderbaren Blicken auf die Naturlandschaft. Solange der Sand fest ist, bereitet das Fahren darauf keinerlei Probleme, trickreich wird es aber, sobald der Sand locker und tief ist, dann bleibt man leicht stecken.

Gott sei Dank hat der Guide viele Tipps und Tricks parat und man wird rasch mit einem besonderen Fahrvergnügen belohnt. Besonders schön ist auch das Meer und die elegante Strand-Skyline im Morgenlicht – wirklich ein wenig Florida-Flair. Die Ruhe, die kühleren Temperaturen und die schöne Stimmung nutzen auch viele, um an der Strandpromenade zu laufen, zu walken oder mit dem Hund spazieren zu gehen.

Lignanos Strand-Skyline in der Morgensonne

Architektur und Erholung im Pinienwald

Bis in die 1930er-Jahre war Lignano nur vom Wasser aus zu erreichen, erst anschliessend ist es verkehrstechnisch vom Landweg aus erschlossen worden. Um den sandigen Untergrund zu stützen, wurden 1’200’000 Pinien gepflanzt, die jetzt die grüne Lunge des Badeortes sind und im Sommer wertvollen Schatten spenden. Sie geben dem Ortsteil Lignano Pineta ihren Namen, der in den 1950-er Jahren vom Udineser Architekten Marcello d’Olivo entworfen und umgesetzt wurde, einem großen Anhänger der Architektur von Francis Lloyd Wright und Le Corbusier.

Seine Leidenschaft für Mathematik, Quantenphysik und Relativitätstheorie hat er hier in einem urbanistischen Plan, der auf einer regelmäßigen Spirale basiert, umgesetzt. Demgemäss heissen die Straßen hier „Arco“ (Bogen) und „Raggio“ (Strahlen), mit der Piazza Rosa dei Venti, dem „Platz der Windrose“, als Zentrum. Eine der wenigen Geraden ist die Schneise vom Meer zum Zentrum, „il treno“ – der Zug – genannt, mit einem Fussweg in der Mitte und einer Reihe von Bars und Shops zum Flanieren und Geniessen.

D’Olivo Villa Mainardis und D’Olivo Villa Spezzotti © Fotografia Giulio Avon

Auch einige der Villen in Lignano Pineta stammen aus d’Olivos Feder, sehenswert sind etwa die Casa Spezzotti und die Casa Mainardis. Einige wenige Hochhäuser stechen aus dem Pinienwald hervor, ansonsten ist die Architektur geprägt von Villen und Apartmenthäusern und verleiht dem Stadtteil ein sehr ruhiges und familiäres Flair.

Aufs Wasser schauen

Nichts ist so entspannend, wie ein freier Blick aufs Wasser. In Lignano braucht man dafür nur auf einen der Stege zu gehen, die weit ins Meer hinein reichen. Mancherorts bekommt man zum Blick dazu auch einen guten Kaffee.

Die Bar Pagoda ist, wie alle Strandbars in Lignano, seit dem Sommer 2019 plastikfrei

La Pagoda“ heisst eine der Strandbars Lignanos, allerdings liegt sie am Ende eines Holzstegs direkt auf dem Wasser mit freier Sicht aufs offene Meer. Eine perfekte Jamie Oliver-Kulisse für einen „food fight club“, vielleicht fände sich aber auch ein telegener italienischer Starkoch für den pittoresken Kiosk im Pagodenstil….? Im Moment hat die Pagode eher Snack-Charakter, aber der Kaffee ist gut und der Blick wunderbar.

Eleganter lässt es sich in der Terrazza a Mare lunchen, in deren Inneren ein modernes und elegantes Restaurant komplette Menüs anbietet. Dafür muss man für den unverstellten Blick ein wenig weiter hinaus auf den sich ans Restaurant anschliessenden langen Steg. Und auch der Leuchtturm ist ein schöner Aussichtspunkt am Strand – hier sieht man die vorgelagerten Inseln ganz nahe und kann auch schon einen Blick auf die Lagune werfen.

Die Terrazza a Mare – Lignanos Wahrzeichen

Einen nahen Kiosk mit gutem Kaffee gibt es natürlich auch hier. Nicht aufs Meer, aber auf den Tagliamento sieht man vom Restaurant „Al Cason“ am Hafen von Lignano Riviera. Hier soll es die schönsten Sonnenuntergänge der Gegend geben. Der Blick auf das halb im Fluss versunkene Boot direkt vor dem Restaurant ist in jedem Fall sehr malerisch.

Der Zoo Punta Verde beherbergt auch ein Löwen-Pärchen © F. Giraldi

Lemuren füttern in Lignano

Erstaunlicherweise gibt es im kleinen Lignano einen grossen, schönen Tiergarten, den „Parco Zoo Punta Verde“. Auf insgesamt 100’000 Quadratmetern leben 200 verschiedene Tierarten. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die Tiere eine ihrer ursprünglichen Lebenswelt entsprechende Flora vorfinden.

Dank der nahen thermalen Quellen mit einer Temperatur von konstanten 30 Grad gedeihen hier auch tropische Pflanzen gut. Durch diese Maßnahmen werden Mikroklimata geschaffen, in denen sich auch die exotischsten Tiere im Zoo Lignano wohlfühlen können. 

Im Sommer kann man an vier Tagen pro Woche jeweils vormittags an einer Lemuren-Fütterung teilnehmen. In kleinen Gruppen dürfen die Teilnehmer mit Tierpfleger ins Gehege und die süßen Lemuren streicheln und füttern. Der Erlös dieser Führungen kommt übrigens Projekten zum Schutz der Lemuren in ihrer ursprünglichen Heimat Madagaskar zugute.

Tretboote
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