Tropenreise: Was man aus medizinischer Sicht beachten sollte

Tropenreise: Was man aus medizinischer Sicht beachten sollte

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Ein Interview mit der Reisemedizinerin Danielle Gyurech.

Wie bereite ich mich auf eine Tropenreise vor, damit ich im Anschluss nicht in Ihrer Praxis lande?

Dr. med. Danielle Gyurech*: Das hängt natürlich primär von der Destination ab, die Sie bereisen wollen. In einigen Ländern reicht es, wenn man gewisse Grundregeln einhält, bei vielen tropischen Destinationen sind präventive Massnahmen aber empfehlenswert oder gar Pflicht. Am wichtigsten ist, dass man sich überhaupt informiert und sich so früh wie möglich mit dem Thema befasst, weil man manche Impfstoffe und Medikamente vor der Reise einnehmen muss.

Wie sehen diese Grundregeln bei Tropenreisen aus?

Wer nicht einen Teil seiner Reise in der Nähe der Toilettenschüssel verbringen will, tut beim Essen und Trinken gut daran, sich an den Grundsatz «Cook it, boil it, peel it or forget it» zu halten. Und auch wenn es banal klingt, sollte man nicht vergessen, immer genügend saubere Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Äusserst wichtig ist zudem, dass man sich mit Moskitonetzen, entsprechenden Kleidern und mückenabstossenden Mitteln bestmöglich vor Mückenstichen schützt.

Malaria, Dengue und Chikungunya werden von Mücken übertragen und eine vorgängige Impfung ist nicht möglich. Malaria kommt in fast allen tropischen Ländern vor und fordert gemäss Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich 660‘000 Todesopfer. Zusätzlich zum möglichst vollständigen Mückenschutz kommen bei Malaria rezeptpflichtige Medikamente zum Einsatz, die je nach Risiko präventiv oder im Notfall eingenommen werden können.

Wie gut informiert sind wir in Sachen Reisemedizin?

Generell reisen wir in der Schweiz in vielen Fällen zu wenig gut vorbereitet – nicht nur in Bezug auf die medizinische Vorsorge.

Ich stelle auch immer wieder fest, dass sich Schweizer generell zu sicher fühlen und befürchten, dass ihnen die Reiselust abhanden kommt, wenn sie zu viel Wissen über allfällige Krankheiten erlangen. Nicht zuletzt ist es ein grundsätzliches Problem der Prävention. Wenn man etwas nicht kennt, macht man sich auch keine Sorgen. Die Chance, dass ich einen Fahrradhelm trage ist beispielsweise auch grösser, wenn ich bereits einmal gestürzt bin.

Welche Zielgruppen sind besonders gefährdet?

Wir behandeln auffallend oft junge Erwachsene. Ich vermute, dass in dieser Lebenssituation die Sicherheit nicht zuoberst auf der Bedürfnisliste steht. Diese Bevölkerungsgruppe hat in der Regel Zeit, ist sehr spontan und hat dafür vielleicht etwas weniger Geld zur Verfügung. Dieses möchte man nicht als erstes für medizinische Vorsorge ausgeben. Es ist einfacher zu sagen «Mir passiert schon nichts» – in rund 80-90 Prozent der Fälle übersteht man die Reise ja tatsächlich auch ohne grössere Komplikationen. Gemessen an der Reisetätigkeit der Schweizer sind aber auch 10-20 Prozent ein hoher Wert. Und Tropenkrankheiten während oder nach der Reise können ja nicht nur gefährlich, sondern auch schnell sehr teuer sein.

Wie könnte man das Problem der mangelnden Vorbereitung Ihrer Meinung nach anpacken?

Etwas mehr Eigeninitiative würde sicher nicht schaden. Jeder kann sich auf übersichtlichen Seiten wie Safetravel vorinformieren und bei Bedarf Spezialisten zu Rate ziehen. Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass auch Reiseanbieter ihre Kunden vermehrt vorgängig für die Thematik sensibilisieren.

Mir ist bewusst, dass Impfen, Durchfall und Nebenwirkungen keine attraktiven Themen sind, um die Reiselust zu wecken, es geht hier aber nicht nur um uns selbst. Als Reisende müssen wir auch Verantwortung gegenüber unseren Gastgebern übernehmen – wenn wir Krankheiten in Länder mit schlechter medizinischer Versorgung exportieren, kann das verheerend sein.

Sie behandeln in Ihrer Praxis immer häufiger importierte Tropenkrankheiten. Was könnten die Gründe dafür sein?

Ich denke, dass wir hier die Auswirkungen des Klimawandels sehen. So galten beispielsweise bei Südthailand die Monate Dezember und Januar als optimale Reisemonate mit wenig Regen und Mücken. Tatsache ist aber, dass es in den letzten Jahren auch im Dezember regelmässig geregnet hat und die Reisenden unvorbereitet mit mehr Mücken konfrontiert wurden. Weil viele Destinationen in Südostasien sehr beliebt sind, spürten wir das und verzeichneten vermehrt Dengue-und Chikungunya-Fälle.

Die Reisemedizinerin Dr. Danielle Gyurech (Bild: zVg)

Zur Person*

Dr. med. Danielle Gyurech ist Reisemedizinerin und führt gemeinsam mit ihrem Partner die auf Reise- und Tropenmedizin spezialisierte Praxis Travel Clinic in Zürich. Das vielbereiste Paar hat zwei Kinder und ist im Management des Schweizer Hilfsprojektes Kids of Africa.

Was bei einer Tropenreise mit in die Apotheke sollte

  • Malariamittel (je nach Region)
  • Fieber-Thermometer
  • Mittel gegen Magendarm-Beschwerden und Reisekrankheit/Übelkeit
  • Antibiotikum
  • Mittel gegen Schmerzen/Fieber
  • Antihistaminikum
  • Mittel gegen Erkältungs-Beschwerden
  • Ohrentropfen
  • Mittel gegen akute Bindehaut-/Augenentzündungen
  • Salbe gegen Wundinfekte
  • Sonnenschutzmittel und ev. Lippenschutz
  • Insektenschutzmittel
  • Moskitonetz
  • Insektizid für Kleider
  • Wasserdesinfektion und allenfalls ein Wasserfilter

Auch Reise-Versicher finden, dass die Vorbereitung auf Reisen oft zu wünschen übrig lässt. Das Interview mit dem Versicherungsexperten findest du hier.

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