Ayurveda im im Parkschlösschen Traben – die beste Investition ins „Ich“

Ayurveda im im Parkschlösschen Traben – die beste Investition ins „Ich“

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Ich bin kein Wellness-Fan und erlag noch nie der Hoffnung, dank exotischer Behandlungen zu einem besseren Ich zu finden. Im Grunde misstraue ich selbst einem Räucherstäbchen. Entsprechend skeptisch strecke ich dem sympathischen Inder im Parkschlösschen mein Handgelenk hin, damit er den Puls fühlen kann, dann die Zunge, die er begutachtet. Dabei murmelt er: «Ayurveda hilft, die Einheit von Körper, Geist und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen, und nach der Panchakarma-Kur fühlt man sich vitaler, man schläft wieder gut und ist voller Energie.» Ich versuche, beeindruckt dreinzublicken, beantworte ein paar Fragen zu meiner Befindlichkeit und nehme sein Urteil entgegen: «Sie sind ein Vata-Typ.» Und jetzt?

Vorbereitung ist viel

Und jetzt, sagt er und lächelt, zeige er mir den Weg zum Restaurant. Es ist 9.15 Uhr morgens, als ich vom Personal an den Tisch begleitet werde und ein Getränk serviert bekomme. Frischer Ingwersaft mit Palmzucker. Schmeckt gut. Ich warte auf das Frühstück. Es kommt keines und jetzt wird mir klar: ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht.

Ein Blick zurück: die letzten Monate hatten es in sich. Turbulenzen im Familienkreis und parallel dazu ein ausfüllender Job. Ein Kollege empfahl mir das Parkschlösschen in Traben-Trarbach an der Mosel. Danach würde ich mich wie neu geboren fühlen. Klang gut – das wollte ich. Gesagt, gebucht und abgehakt. Fragen nach Gewicht, aktuellen Beschwerden und Kinderkrankheiten habe ich im Vorfeld zwar noch gewissenhaft beantwortet, aber die mehrseitigen Infos, in denen es auch um die Vorbereitung ging, landeten ungelesen im Nirwana meines Outlook-Papierkorbes.

Ayurveda auf höchstem Niveau

Das hatte ich nun davon. Ich bombardiere das Servicepersonal mit Fragen und bekomme zuerst mal einen Zettel. Darauf steht mein Tagesprogramm, das zu meiner grossen Erleichterung gleich im Anschluss an meinen ersten „Detox-Trunk“ eine Einführung beinhaltet. Danach ist mir klar, wo ich gelandet bin: in der Welt des wirklich echten Ayurveda. Das Konzept basiert in jeder Hinsicht auf der alten ayurvedischen Weisheit. Kein Vergleich mit dem, was ich mir bislang unter Ayurveda vorgestellt hatte. Ein bisschen Öl auf die Stirn und die Sache hat sich.

„Der“ Tag im Parkschlösschen

Die Frage, worauf ich mich hier eingelassen habe, beschäftigt mich den ganzen ersten Tag. Beim Mittagessen lerne ich eine ausgelaugte Anwältin sowie einen Managertypen, der noch etwas überdreht wirkt, kennen. Ich höre Sachen wie „runter kommen“ und „neue Energie tanken“. Ich selbst murmle was von „keine Erwartungen und keine Ahnung“. Während ich gerade das köstliche Essen loben will, bekommt die Karrierefrau eine Reissuppe serviert. Sie habe heute ihren „Tag“. Wann ich denn meine Darmentleerung hätte. Ich weiss nicht so recht, was ich sagen soll. Erstens ist es eine etwas intime Frage. Zweitens passt sie nicht zum exzellenten Essen. Und drittens habe ich nichts davon gewusst, wobei ich mit etwas Distanz zugeben muss, dass ich das verdrängt haben könnte.

Auf jeden Fall macht die Frage Sinn, denn das Lösen und Ausleiten von Toxinen ist eine Grundlage natürlichen Heilens in allen Kulturen und in Indien als eine der fünf Hauptbehandlungen des Panchakarma sehr differenziert entwickelt. Wenn wir schon beim Thema sind: ja, auch Einläufe sind Teil dieser „klassischen Entgiftung“.

Wasser in allen Variationen

Ich füge mich meinem Schicksal und habe stets mein Ziel vor Augen: körperliche Hochform, geistige Klarheit und – ganz wichtig – verjüngte Haut. Schneller als ich will bin ich mitten drin und bekomme Spass an der Sache. Ich trinke mein Ghee (ayurvedisches Butterfett, das Schlacke und Giftstoffe löst), schlürfe von früh bis spät heisses Wasser in allen möglichen Variationen und stelle mit grossem Erstaunen fest, dass die ayurvedische Küche mich begeistert.

Ich geniesse die Synchronmassagen, welche mein Vokabular täglich mit exotischen Begriffen wie Abhyanga, Garshan oder Udvartana erweitern. Besonders beeindruckt hat mich Pizzichilli, bei der sieben Liter warmes Öl über den Körper fliessen. Ich überlebe auch „den“ Tag ohne Probleme und fühle mich stündlich besser.

Yoga und so weiter

Was mir Zuhause keiner glauben wird: ich stehe täglich um 16 Uhr im Yoga-Raum, strecke meine Arme und Beine in alle Richtungen, atme nach Anweisung und mache auch sonst alles, was der Lehrer vorgibt. Mein iPhone liegt seit dem ersten Tag unberührt im Zimmer. Das gefällt auch dem smarten Inder. Sie sind auf gutem Weg, sagt er, wenn sie aber nach der Kur so weitermachen wie vorher, dann müsse ich aufpassen. Zu viel Vata eben. Das ist neben Pitta und Kapha eine der drei Grundkräfte des Lebens, die nach der ayurvedischen Lehre das Gleichgewicht der Körperfunktionen bestimmen.

Gestresste Manager

Überarbeitete Menschen sind im Parkschlösschen die am stärksten vertretene Menschengattung, wie sich am abendlichen Früchte- oder Gemüse-Drink an der Bar herausstellt. Das zeigt auch die grosse Anzahl männlicher Gäste, die schätzungsweise mehrheitlich zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. Die Frauen sind meistens wesentlich älter oder jünger. Bei den jüngeren liegt die Vermutung nahe, dass der Schönheits-Gedanke die Hauptmotivation des doch kostspieligen Aufenthaltes ist.

Strahlende und junge Haut, ich gebe es zu, hat meine Entscheidung für die Kur beschleunigt. Sie war aber nicht der Hauptgrund. Ich habe diese Auszeit aus dem Alltag als Investition in mich selber „verbucht“. Mein Fazit fällt trotz oder vielleicht auch wegen der mangelnden Vorbereitung positiv aus. Das Parkschlösschen ist eine Oase der Ruhe, wo Gesundheit auf höchstem Niveau angenehm unspektakulär zelebriert und gelebt wird.

Ich bin kein Wellness-Mensch, noch immer nicht. Aber ich verstehe heute, was man in einer solchen Kur finden kann. Und dass sie nichts bringt, wenn man nicht gewillt ist, danach ein paar neue Regeln mit sich selber zu vereinbaren. Meine Euphorie, doch noch kochen zu lernen, hielt zwar nicht lange an, aber ich verzichte heute weitgehend auf Salat, esse viel lieber fleischlos und serviere mir selber jeden Morgen ein warmes Müsli. Und viel heisses Wasser mit Ingwer – das wirkt Wunder. Nur von Yoga-Kursen halte ich mich fern. Das ist einfach nichts für mich.

Information und Buchung: www.parkschloesschen.de

Anreise:

  • Mit dem Zug: ab Zürich via Koblenz nach Traben-Trarbach. Dauer rund 6,5 Stunden. Ab Traben-Trarbach Taxi-Transfer.
  • Mit dem Flugzeug: Traben-Trarbach ist von folgenden Flughäfen gut zu erreichen: Frankfurt, Frankfurt Hahn, Düsseldorf, Köln, Saarbrücken und Luxemburg. Auf Anfrage Transfer bis zum Hotel.
  • Mit dem Auto: knapp 500 Kilometer ab Zürich – Fahrtdauer rund viereinhalb Stunden.
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