Der Iran ist anders als man denkt

Der Iran ist anders als man denkt

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Der Iran ist momentan auf der Bühne der Weltpolitik eines der Hauptthemen. Ich habe die Atomverhandlungen direkt vor Ort im Iran verfolgt. Neben dem No Ruz (Persisches Neujahr) waren die Verhandlungen in Lausanne während meinem Aufenthalt im Iran natürlich Thema Nummer Eins. Iraner sind sehr neugierig, redselig und unheimlich (gast)freundlich – wir haben in kurzer Zeit sehr viele Einheimische kennengelernt und viele Stimmungen einfangen können.

Die häufigste Frage neben „Woher kommst du?“ war „Was hältst du vom Iran?“. Die Leute sind stolz auf ihr Land, wissen aber auch über das (politische) Fremdbild Bescheid… und das gefällt ihnen gar nicht. Umso grösser ist die Freude, wenn man den Menschen versichert, dass man sich wohl und sicher fühlt in ihrem Land.

Für mich kann ich sagen: So willkommen und sicher habe ich mich auf Reisen selten gefühlt. Ich musste weder auf meine Tasche aufpassen, noch Trinkgeld-Jäger abwimmeln – es kam zu überhaupt keinem unguten Zwischenfall. Im Gegenteil: Egal wo wir hinkamen wir wurden überschwänglich begrüsst und oft auch eingeladen – auf einen Tee, ein Abendessen, auf Ausflüge und nach Hause.

Wir werden fotografiertFotografieren ist erwünscht – manchmal „trifft“ es auch die Touristen selbst

Das Land selbst ist wunderschön und facettenreich. Egal ob architektonische Schätze, kulturelle Begegnungen, Jahrtausende alte Zivilisationen, kulinarische Entdeckungen, Dorfleben oder sportliche Abenteuer – im Iran findet man alles. Vielseitige Naturlandschaften treffen auf Jahrtausende alte Kulturstätten.

Auf den schneebedeckten Bergen vor Teheran kann man von November bis Ende März Skifahren. Insgesamt 20 Skigebiete gibt es im Iran – und die sind durchaus frequentiert. Eine stolze Mutter erzählte mir, dass ihre Tochter jedes Wochenende in die Alborz-Berge Skifahren geht – die Gondel hält unweit ihrer Wohnung im Norden Teherans.

Anders weiter unten in der Stadt: Taxis, Autos und Motorräder buhlen um die Vorherrschaft auf der Strasse. Bewundernswert ist die Reaktionsfähigkeit der Fahrer (männlich wie weiblich): Autos kommen aus allen Richtungen auf die Strasse geschossen und reissen völlig unvermutet von links und rechts aus, um zu überholen. Die akustische Warnung scheint wichtiger zu sein als die möglicherweise nicht mehr ganz funktionierenden Bremsen – Blinker scheinen überhaupt nicht zu existieren.

Als Fussgänger muss man immer wieder kleinere Mutprüfungen bestehen – besonders wenn man zum Teheraner Bazar will – denn dort wimmelt es von Motorrädern. Ungefähr 160 Hektar gross soll der Bazar sein, mit verwinkelten Gässchen auf 10 Kilometern Länge. Hier schlägt das Herz der iranischen Wirtschaft: Teppiche, Haushaltswaren, Kleidung, Gewürze, Schmuck, Spielzeug – es gibt einfach alles was man so brauchen könnte.

1000 Jahre alter Bazar in Teheran

Der Bazar ist 1000 Jahre alt und baulich wenig charmant. Aber trotzdem einen Besuch wert, da man hier guten Überblick über die vielen Leben in Teheran bekommt. Wahrscheinlich sind hier alle Gesellschaftsschichten unterwegs, ausser die Reichen. Die gehen lieber in den westlichen Läden im Norden der Stadt shoppen. Die Stadt in der Stadt bietet aber nicht nur Läden, sondern auch Guesthouses, Teehäuser, ein paar Moscheen und sogar eine Kirche. Entweder taucht man einfach ein und lässt sich treiben oder man fragt einen Einheimischen, ob er einen herumführt (was die immer gerne machen).

So oder so – gegen 17 Uhr sollte man den Weg nach draussen suchen, da der Bazar später zum „harten Pflaster“ wird, wie mir ein junger Teheraner erzählt hat – selbst Einheimische meiden den Bazar nach Geschäftsschluss. Nur der Goldbazar hat bis abends offen, denn dort gehen die Gassen nicht ganz so tief hinein und man ist immer unter Menschen.

IsfahanIsfahan liegt in einer Flussoase in Zentraliran

Ruhiger geht es im Bazar von Isfahan zu. Dieser führt rund um den zweitgrössten Platz der Welt: Naqsh-e Jahan. Der alte Bazar ist eine wahre Fundgrube für Kunsthandwerk aus dem ganzen Land. Hier haben wir auch unseren ersten „richtigen“ Kaffee getrunken. Sonst gab es nämlich nur Nescafé – eine Kaffee-Kultur hat sich nicht durchgesetzt. Im Iran ist es auch nicht üblich, im Restaurant Kaffee oder Tee zu trinken. Dafür gibt es Teehäuser. Dort gibt es auch jede Menge Süssigkeiten – jeder Ort hat seine eigene Spezialität.

Basar Shiraz innenDer Bazar von Shiraz

In Shiraz – Stadt der Nachtigall und der Poeten – ist uns eine Fröhlichkeit und Leichtigkeit begegnet, wie sonst nirgends im Land. Ein iranisches Sprichwort sagt, in Shiraz gäbe es in jedem Haus mindestens zwei Bücher: Den heiligen Koran und ein Buch von Hafez. Aber nicht nur Hafez, sondern auch Sa’di war hier zu Hause und die Kreativität der Poeten ist auch heute noch zu spüren. Viele junge Leute und Studenten tummeln sich in dieser Stadt, überall wird man angesprochen und in ein Gespräch verwickelt.

Wir wurden eines Abends zu einem „Privatkonzert“ eines iranischen Musikers in ein Museum eingeladen. Nach Betriebsschluss hat er für uns bei Tee und Keksen Sitar gespielt und dazu gesungen. Als wir nach Hause gehen wollten, war der Park schon zugesperrt und unsere Begleiter sind heroisch über den Zaum geklettert…

PersepolisDie Ruinen von Persepolis

Eine knappe Stunde Autofahrt führt von Shiraz nach Persepolis – nicht umsonst UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn man die riesigen Säulen und Torbögen betrachtet bleibt kein Zweifel, wie gross und einflussreich das Persische Reich einmal war. Ehrfurcht überkommt einen vor der Jahrtausenden alten Kultur.

Altstadt von YazdWie im Märchen: Yazd

Die Wüstenstadt Yazd hat es mir besonders angetan. Die Architektur der Stadt fügt sich so wunderschön und selbstverständlich in die Wüstenlandschaft ein – wie im Märchen Tausend und eine Nacht. Man kann zwischen den Lehmhäusern stundenlang herumschlendern, charmante Innenhöfe entdecken, und sich im Bazar verlieren.

Nur das Röhren der Motorräder reisst einen aus der Idylle. Die rasen nämlich durch die engen Gassen, und es bleibt einem nichts Anderes übrig, als zur Seite zu springen, und sich gegen eine Lehmwand zu drücken…ein paar Zentimeter bleiben vielleicht noch übrig. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Einbuchtungen und Eingangstore in Yazd – so hat unser Guide noch Gelegenheit, uns die unterschiedlichen Formen zu erklären 😉

Egal für welche Route und Städte man sich entscheidet, ob alleine oder in der Gruppe – viel länger als eine Minute bleibt man sowieso nicht alleine. Iraner sind neugierig und sehr kommunikativ – Sprachbarrieren scheinen hier überbewertet. Wer Lust auf nette Menschen, gutes Essen und vielfältige Erlebnisse hat, ist jedenfalls im Iran goldrichtig.

Hoteltipps:

Teheran
Parsian Azadi Hotel
Europäischer Standard 4 Stern. Elegantes Hotel im Norden der Stadt am Fusse der Berge.
www.azadihotel.com

Shiraz
Chamran Grand Hotel
Europäischer Standard 4 Stern.
www.chamranhotel.com

Yazd
Parsian Safaiyeh Hotel
Mein persönlicher Favorit. Europäischer Standard 4 Stern. Im persischen Stil eingerichtet, aussen im Baustil von Yazd gebaut.
www.safaiyehhotel.com

Isfahan
Abbasi Hotel
Europäischer Standard 3-4 Stern. Unter Sultan Hosein im 17. Jahrhundert erbaut, war der Baukomplex ursprünglich als Madreseh, Bazar und Karawanserei konzipiert. Die Gartenanlage, Restaurant, Coffeshop und Lobby sind wunderschön, elegant und sehr gepflegt. Die Zimmer sind sauber, aber abgewohnt.
www.abbasihotel.ir

Alternativ zum Hotel wird „couchsurfing“ immer populärer. Weil es Iranern jedoch verboten ist, Fremde bei sich aufzunehmen (aus Angst vor Spionen), gibt es keine offiziellen Seiten. Im Internet und in den sozialen Medien wird man aber schnell fündig.

Direktflüge nach Teheran:
Austrian Airlines ab Wien
Germania ab Berlin und Düsseldorf
Iran Air ab Köln/Bonn, Frankfurt, Hamburg und Wien
Mahan Air ab Düsseldorf

 

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