Wo aus Flüchtlingen Hoteliers werden

Wo aus Flüchtlingen Hoteliers werden

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„Du willst auschecken? Bist Du sicher?“ Verschmitzt schaut mich Dinis an. Eigentlich war ich sicher, aber wenn ich es mir richtig überlege, weiss ich gar nicht, ob ich wirklich auschecken will. Denn es gefällt mir extrem gut hier. Ganz abgesehen davon hat mich noch nie ein Rezeptionist gefragt, ob ich wirklich abreisen möchte. Aber hier ist sowieso alles ein bisschen anders.

Magdas: früher Altersheim – heute hippes HotelMagdas: früher Altersheim – heute hippes Hotel

Ort des Geschehens: ein ehemaliges Altersheim, das seit knapp einem halben Jahr ein Hotel ist. Oder eher „ein grosser Lehrbetrieb“, wie Ariane erläutert. Von den 31 Mitarbeitern sind sieben Hotel-Profis und 24 anerkannte Flüchtlinge.

Wir stehen in der Lobby des Magdas in Wien und betrachten die Porträtbilder an der Wand. Menschen aus den verschiedensten Ländern der Welt, so etwa aus Nigeria, Irak, Marokko oder wie Dinis aus Guinea-Bissau.

Das Magdas in WienDie Poträtbilder in der Lobby

Es ist europaweit das erste Hotel, das von Flüchtlingen betrieben wird, erklärt Ariane, die als Sales & Marketing Manager des Hauses verantwortlich zeichnet.

Dass sich die Caritas dazu entschlossen hat, ein Hotel zu eröffnen, begründet Michael Landau, Präsident von Caritas Österreich, gegenüber der Zeitung „Zentralschweiz am Sonntag“ wie folgt: „Hier beweisen Flüchtlinge und jugendliche Asylbewerber nicht nur, dass sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, sondern dass sie dieses selbstbestimmte Leben auch leben können.“

Maijd aus dem Irak ist im Bereich Food & Beverage tätigMaijd aus dem Irak ist im Bereich Food & Beverage tätig

Das Konzept geht offenbar auf: „Wir haben in der kurzen Zeit seit der Eröffnung schon einige Anfragen aus anderen Ländern erhalten, das Konzept eins zu eins zu übernehmen“, erzählt Ariane. Sie meint sich zu erinnern, dass auch eine Anfrage aus der Schweiz dabei war.

Retro-Bike-Flotte für Wien-TourenRetro-Bike-Flotte für Wien-Touren

Kein Wunder. Nicht nur die Idee, ein Hotel mit sozialem Mehrwert zu eröffnen, überzeugt ohne Wenn und Aber. Das Magdas ist hip, ein Mix aus Alt und neu. Oder Upcycling und Vintage, wie Ariane sagt. Lampenschirme wurden von Nachbarn gestrickt, weil das Budget eng wurde.

Hellblaue Retro-Bikes zum Vermieten stehen bereit. Der Lift krächzt. Trendige Gadgets wiederum zieren die Wände.

Designverliebtes Upcycling

Und in mein Zimmer hab ich mich auf den ersten Blick verliebt. Das kommt selten vor. Am liebsten hätte ich den Raum eins zu eins in meine Zürcher Wohnung verpflanzt. Der Sekretär wurde aus Elementen eines alten Schranks gezimmert, ein gelber und ein türkisgrüner Spaghetti-Sessel laden zum TV-Abend (natürlich mit überdimensionalem Flachbildschirm).

Es gibt drei Zimmerkategorien – Preisspanne zwischen 63 und 85 EuroEs gibt drei Zimmerkategorien – Preisspanne zwischen 63 und 85 Euro

Das Bad mit Regendusche und auf neu getrimmten Plättli, die ans Altersheim erinnern, ist so gross, dass man gerne länger als üblich drin verweilt. Ein Highlight ist die grosse Terrasse mit Blick über die Bäume aufs Riesenrad im Prater. Der erste Bezirk liegt gleich um die Ecke – eine bessere Lage gibt es kaum.

Blick von der Terrasse auf den Wiener PraterSicht auf den Prater

Das Magdas eignet sich übrigens auch hervorragend für Hochzeiten, Geburtstage oder geschäftliche Anlässe. Es gibt einen Seminarraum, WLAN ist Standard und gerade im Sommer ist der lauschige Garten die ideale Kulisse.

Ein Tipp: Frühzeitig buchen. Und ein wenig Nachsicht, wenn der Service manchmal nicht ganz so schnell ist. Ich hoffe, dass er auch nicht schneller wird. Auch das macht das Magdas aus.

Der Garten kann auch für Anlässe genutzt werden

Zimmer ab 63 Euro. Weitere Informationen gibt es auf der Website www.magdas-hotel.at

 

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