Kraftquelle Natur – Ein Spaziergang im Tiroler Wald

Kraftquelle Natur – Ein Spaziergang im Tiroler Wald

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Besonders jetzt – nach Wochen des Umbruchs und grosser Unsicherheit – ist der Wald Sehnsuchtsort für viele Menschen. Schon Goethe dichtete “Ich ging im Walde so vor mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn”. Was also zieht die Menschen in den Wald?

Waldexperte im Naturpark Kaunergrat

“Ich habe schon in den 90ern zwei Monate im Jahr im Wald gelebt”, erzählt mir Didy, der Waldexperte im Naturpark Kaunergrat im Tiroler Oberland. Ein Kraftort sei der Wald, und für viele ein Ort zum Nachdenken und zu sich kommen. Didy beschäftigt sich schon seit über 40 Jahren mit den positiven Effekten des Waldes auf den Menschen. Er erklärt mir, dass wir im Wald duftende Botenstoffe einatmen und über die Haut aufnehmen, die die Pflanzen zur Kommunikation nutzen – die Terpene.  Die Pflanzen können bis zu 80 Kilometer weit kommunizieren. Sie stärken unser Immunsystem, wirken aber auch auf der psychischen Ebene.

“Der Wald hilft Krankheiten wie Krebs, Schlaganfall, Magengeschwüre, Depressionen, Angst und Stress zu bekämpfen. Ein Aufenthalt im Wald stärkt das Immunsystem, senkt den Blutdruck und fördert den Schlaf. Die besondere Atmosphäre lässt uns zur Ruhe kommen”. Didy erzählt mir Geschichten von gestressten Managern, körperlich überbelasteten Bauarbeitern, gestressten Müttern und zappeligen Kindern, die beim “Waldbaden” zur Ruhe gefunden haben.

Waldbaden – der neue alte Trend

Das auch unter dem Namen Shinrin Yoku bekannte Konzept entstand in Japan bereits in den 1980er Jahren, und feiert bei uns im Westen gerade sein Revival. Einfach ausgedrückt bedeutet Waldbaden, den Wald mit all unseren Sinnen aufzunehmen: Das satte Grün sehen, das Holz und die Baumnadeln riechen, den Waldboden spüren und die Luft schmecken.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Studien, die die positiven Auswirkungen auf Körper und Geist belegen. In Japan wird bereits an einigen Universitäten “Waldmedizin” unterrichtet. “Waldbaden gibt den Menschen die Möglichkeit, sich eine Auszeit zu nehmen, runterzukommen und sich mit der Natur zu verbinden”, ist Didy überzeugt.

Typisches Waldbaden dauert ca. vier Stunden. Begonnen wird mit einer Erklärung über Shinrin-Yoku. Dann geht es um Sinnes- und Achtsamkeitsübungen, die Didy dem Yoga oder Qi Gong entlehnt. Bewegt wird sich sehr langsam, es werden Bäume berührt, mit verbunden Augen spaziert, und einfach wahrgenommen was ist.

Der Wald als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen

Der Naturpark Kaunergrat beherbergt alle Waldgesellschaften der inneralpinen Lagen. Auf einer Fläche von fast 600 Quadratkilometer findet man hier fast alle in Tirol vorkommenden Baumarten.

Namensgeber des Naturparks ist der “Kaunergrat” – ein knapp 30 Kilometer langer Gebirgszug, der Heimat für bedeutende Schutzgebiete, wie artenreichen Trockenrasen, Sonnenhänge, Moorlandschaften und Gletscher ist.

Der Naturpark wurde vor 20 Jahren auf Initiative von Landwirten aus der Region ins Leben gerufen und soll ein bestmögliches Miteinander von Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus schaffen. Tourismus und Naturschutz müssen einander nicht ausschliessen, findet Ernst Partl, Geschäftsführer des Naturparks Kaunergrat. Er ist seit Anbeginn mit dabei und arbeitet gemeinsam mit seinem Team sehr engagiert an einer nachhaltigen Regionalentwicklung.

Ihm ist ein reger Austausch und die Integration mit der regionalen Bevölkerung sehr wichtig, denn – so sagt er – nur wer aktiv mit gestaltet, steht auch wirklich hinter dem Projekt. Die Idee ist es, Landwirte und Hoteliers zusammen zu spannen und ein Netzwerk zu kreieren, damit Kooperationen entstehen können und die Wertschöpfung für die Region verbessert wird. Das Motto dabei ist “Natur nützen und schützen”. Die Erhaltung der bäuerlichen Kulturlandschaft steht dabei im Fokus.

Grösste Steinbockkolonie der Ostalpen

Mittlerweile vereint der Naturpark Kaunergrat 9 Mitgliedsgemeinden, 6 Schutzgebiete, 700 Schmetterlingsarten, 1000 Steinböcke und die die grösste Steinwildkolonie der Ostalpen.

Die Lage des Naturparkhauses ist nicht zufällig gewählt: Der “Gacheblick” ist die Schnittstelle zwischen Kaunertal, Pitztal und Inntal. Das moderne Gebäude ist eine gelungene Verbindung von Natur und Architektur im Einklang. Von hier aus starten viele Wanderwege zur Erkundung des Naturparks. Die multimediale Ausstellung “3000 m VERTIKAL” führt als interaktive Wanderung durch die verschiedenen Lebensräume des Naturparks. Von den trockenen Steppenhängen im Tal bis hinauf auf die Gletscher.

Eine Aussenstelle zum Thema Gletscher & Wasser befindet sich im Kaunertal und im Herbst soll das Steinbockzentrum im Pitztal eröffnet werden.

Hier noch ein weiteres Video mit Didy:

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