Wie gehe ich mit Handgepäck auf Weltreise?

Wie gehe ich mit Handgepäck auf Weltreise?

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Reisen mit wenig Gepäck ist oft einfacher, dementsprechend zu packen ungleich schwieriger. Meistens nimmt man dann ja doch immer mehr mit, als man geplant hatte – und muss viel schleppen. Darum habe ich mit einem unterhalten, der sich auskennt.

Mein Götti Nicolas aka Csumi hat eigentlich immer wenig Sachen dabei. In unseren zweiwöchigen Hundeschlitten-Ferien in Schweden war sein einziges Gepäckstück ein kleiner Koffer, den er als Handgepäck mitgenommen hat, während alle anderen mit Riesenkoffern am Flughafen standen. 2019 war Nicolas das ganze Jahr auf Weltreise, auch wieder nur mit einem Rucksack, den er als Handgepäck genommen hat! Ich habe ihn mal gefragt, wie er das geschafft hat.

Die Packtipps von Nicolas

Was ist das richtige Gepäckstück?

Nicolas: Um zu wissen, wie viel man überhaupt mitnehmen kann, braucht man ein gutes Gepäckstück, das die Handgepäckbedingungen im Flugzeug erfüllt. Ich hatte mich für einen Rucksack der Marke Bach entschieden, den Travel Pro 45 mit 45 Liter Stauplatz. Wenn man ihn nicht allzu vollstopft, geht der noch als Handgepäck durch. Es ist ein eher schlichter Rucksack, aber weil er aus dem gleichen Material wie Schutzwesten gefertigt ist, ist er sehr robust.

Entscheidend war für mich, dass der Rucksack ein gutes Tragsystem hat und dass er mit seinen zwei Abteilen gut aufgeteilt ist. Aussen hat er auch noch einmal drei Fächer für kleinere Sachen. Er ist zwar nicht wasserdicht, doch das war auch nicht so wichtig. Ich habe ihn anfangs mit ungefähr zehn bis elf Kilos gepackt.

Wenn man für ein paar Tage in einem Hotel bleibt und Tagestouren macht, sollte man am besten auch noch einen kleinen Tagesrucksack mitnehmen. So muss man dann nicht alle Sachen und den grossen Rucksack mit sich rumschleppen, sondern kann die wichtigsten Dinge umpacken und ist freier unterwegs.

Was muss immer dabei sein?

Ich war ein ganzes Jahr lang in den verschiedensten Ländern unterwegs, weshalb ich zum Teil Temperaturunterschiede von bis zu 50 Grad Celsius erlebt habe. Das heisst, ich musste für alle Temperaturen vorbereitet sein. Das ging am besten mit dem Zwiebelprinzip. Ich hatte Kleider für jeweils ca. 5 Tage dabei, damit ich nicht täglich waschen musste. Ausserdem habe ich immer darauf geachtet, dass ich meine Sachen so vielfältig wie möglich benutzen und somit das Gewicht im Gepäck reduzieren konnte. Was immer im Gepäck war, sozusagen von oben nach unten:

  • Mein Buff, ein rundes geschlossenes Halstuch, das ich oft um mein Handgelenk trage und schnell zu einem Kopf- oder Halstuch als Kälte-, Wind- oder Sonnenschutz und im Flieger als Augenbinde umfunktionieren kann.
  • Ausserdem meine Wollkappe, mit beidem zusammen sind dann Kopf und Hals geschützt.
  • Meine Lieblings-Mammut-Jacke, leider nicht wasserdicht, aber sehr robust. Sie wärmt gut und hat gleichzeitig ein Lüftungssystem.
  • Thermounterwäsche, leicht und sehr praktisch unter der Kleidung.
  • Einen Fleecepulli mit Reissverschluss und einen Kapuzenpulli.
  • Ein paar T-Shirts.
  • Eine «zip on zip off»-Hose, die ich zum Wandern und als kurze Hose benutzt habe.
  • Eine Sporthose, die ich auch als kurze Hose und Badehose getragen habe.
  • Natürlich Unterwäsche und Socken.
  • Einen Seidenschlafsack, der sich als sehr praktisch erwiesen hat.
  • Ein Zahlenschloss für Spinde in Hostels, die oft kein eigenes Schloss hatten.
  • Einen Geldgürtel, in dem ich immer Dollarscheine hatte, die ich dann wechseln konnte. In manchen Gegenden konnte man gar kein Geld rauslassen oder es war billiger, zu wechseln. In Südamerika musste ich aber mal auch Youtube nachgucken, wie man Geldscheine glättet, da sie zu verknittert waren und die Bank sie so nicht annehmen wollte.
  • Einen batteriebetriebenen Rasierer.
  • Ganz wichtig: Ohrenstöpsel.
  • Und am allerwichtigsten natürlich: das Handy inklusive Kopfhörer und Ladekabel.

Wie viele Schuhe hattest du dabei?

Ich habe nur mit einem Paar tiefgeschnittenen Wanderschuhen angefangen, aber schnell gemerkt, dass das nicht ausreichte. Deshalb habe ich mir noch ein Paar Alltagsschuhe zugelegt und die bei nicht so anstrengenden Tagestouren getragen. Ausserdem hatte ich immer noch ein Paar Flipflops dabei. Die sind Gold wert, sowohl in nicht ganz sauberen Duschen wie auch indoor oder einfach, wenn es heiss ist.

Und wie hast du gepackt, so dass alles reingepasst hat?

Zuerst habe ich alles, was ich mitnehmen wollte, auf dem Boden ausgelegt und damit dann verschiedene Stapel gemacht: Einen mit allem, was sicher mitmusste, einen mit den Sachen, die doch dablieben und dann noch einen nice-to-have Stapel. Aus dem habe ich ganz am Ende noch einige Sachen ausgesucht und mitgenommen.

Als sehr nützlich haben sich Travel Cubes erwiesen. Das sind rechteckige Beutel aus leichtem Kunststoff, mit denen ich kleine Abteile im Rucksack machen konnte und es so viel organisierter war. Ich hatte einen für T-Shirts, einen für Unterwäsche, einen als Necessaire, einen mit der Reiseapotheke und sogar einen mit Küchenutensilien wie einem Mini-Kocher, Streichhölzern und Besteck. Alles andere und die grösseren Sachen habe ich drum herum eingepackt.

Wie machst du es mit Flüssigkeiten im Handgepäck?

Ich habe mir immer schon vor dem Flug Shampoos, Duschgels etc. in kleine Behälter abgefüllt oder Reisegrössen gekauft.

Musstest du auch mal schick sein? Was hast du dann gemacht?

Nein, ich musste nirgendwo schick sein, und wenn doch, dann habe ich es verpasst. (lacht)

Hast du dir unterwegs noch Sachen gekauft und musstest du dann welche zurücklassen?

In Patagonien brauchte ich für Ausflüge mit Zodiacs wasserfeste Handschuhe. Die waren dann später unauffindbar. Ich glaube, sie wurden mir geklaut.

Dann natürlich die Alltagsschuhe und in den USA dann gleich nochmal ein Paar, als die ersten durchgelaufen waren.

Zurückgelassen habe ich Diverses, das ich nicht mehr brauchte und an den verschiedensten Orten.

In den USA war ich längere Zeit unterwegs und hatte auch ein Mietauto, in dem ich auch schlief. Dort haben sich dann viele Sachen angesammelt, von einer Matratze bis hin zu Töpfen und richtigem Besteck. All das habe ich am Ende entweder verschenkt oder weggeschmissen.

Hattest du auch Bücher dabei?

Nur einen kleinen Gedichtband und ein Notizheft, das ich gar nicht gebraucht habe weil ich mir sowieso alles im Handy aufgeschrieben habe. Sonst hatte ich auf dem Handy noch Bücher runtergeladen, die ich mir während dem Fahren auch vorlesen lassen konnte.

Ist dir auch mal eine Frau mit nur Handgepäck begegnet?

(lacht wieder) Ehrlich gesagt habe ich das nie gesehen, dafür das Gegenteil: Zwei Französinnen, die ich kennengelernt habe, hatten ihre Reise mit zwei Rucksäcken angefangen. Als ich sie traf, hatten sie schon zwei riesige Taschen mehr.

Obwohl, in Argentinien habe ich eine Frau getroffen, die wochenlang mit dem Fahrrad unterwegs war und deshalb eigentlich auch nur Handgepäck dabeihaben konnte.

Zur Person:

Nicolas, Psychologe und mein Götti und Cousin, war von Februar 2019 bis Februar 2020 auf Weltreise und hat folgende Länder bereist: Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Costa Rica, USA, Japan, Südkorea, Vietnam, Laos, Thailand, Singapur.

Ich habe in dieser Zeit unzählige Sprachnachrichten und Postkarten aus aller Welt bekommen. Wenn ihr mehr über Nicolas’ Reise hören möchtet oder mal psychologische Beratung braucht, kontaktiert ihn doch via mich: contact@travelistas.info

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