Zurück auf Null-Null: São Tomé & Príncipe – wo der Nullmeridian auf den Äquator trifft

Zurück auf Null-Null: São Tomé & Príncipe – wo der Nullmeridian auf den Äquator trifft

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Jeder Ort auf unserem hübschen Planeten ist einzigartig, aber einige stechen doch ganz besonders heraus: Mount Everest als höchste Punkt der Erde, der Marianengraben als tiefster Punkt, der Nordpol in der Arktis, der Südpol in der Antarktis. Allen gemeinsam ist, dass sie nicht ganz so easy zu bereisen sind…

Nicht so jedoch ein ganz spezieller Ort, der sich auf einer winzigen Insel im Golf von Guinea, ca. 600 km südlich der Küste Ghanas versteckt: Der Schnittpunkt zwischen Äquator und Nullmeridian und Ausgangspunkt sowohl der nördlichen und südlichen Breiten- als auch der östlichen und westlichen Längengrade. Punkt Null-Null liegt ganz unscheinbar auf der winzigen Insel Ilhéu das Rolas, die zum Inselstaat São Tomé & Príncipe vor der Küste Afrikas gehört.

Palmengesäumte Bilderbuchstrände mit feinstem Sandstrand und die hübsche Hotelanlage des Pestana Equador begrüssen die Gäste, die von São Tomé mit dem Boot übersetzen. Und schon beginnt die Qual der Wahl: Erst die grosszügige Anlage mit den luftigen Holzhäuschen, dem einladenden Salzwasserpool mit Bar direkt am Strand und dem architektonisch coolen Restaurant erkunden und testen?

Oder sich in das türkisgrüne Wasser stürzen, in die Palmenblätter schauen und sich ein Peeling mit dem feinen Sand gönnen? Oder sich eben gleich auf den Weg zu meinem Highlight der Insel machen, dem «Equator Landmark», der Stelle also, wo der Nullmeridian den Äquator kreuzt?

Bei unserer Ankunft war es bereits fast dunkel, so dass das Highlight bis zum nächsten Morgen warten musste. Aber dann: Bereits vor 7 Uhr sind wir unterwegs. Vorbei an der Rezeption und mitten durch das angrenzende winzige Dorf führt ein Naturweg. Ein paar Kinder treiben sich schon herum, eindeutig gerade vom Frühstück kommend, der Mund noch nass vom letzten Mangoschnitz und das T-Shirt voller Krümel.

Obwohl es noch früh ist, helfen sie den Erwachsenen schon beim Aufbau des Souvenirstands, an dem später am Tag afrikanische Masken und selbstgemachter Schmuck auf die Touristen wartet. Mit den übereifrigen Schweizern haben sie um diese Uhrzeit noch nicht gerechnet.

Weiter, mitten in den Dschungel, bis sich der Weg plötzlich gabelt. Was hatte der Rezeptionist noch gesagt? Geradeaus oder rechts? Zum Glück hören wir Geräusche aus dem Blätterwerk, ein Mann schlägt mit einer Machete Kokosnüsse vom Baum. Englisch versteht er nicht wirklich, aber was wir suchen, ist eh klar. Rechts rauf also. Der Schweiss läuft uns trotz der frühen Stunde die Stirn runter.

Aber nicht lang, kaum zehn Minuten später sind wir da. Auf einem Plateau etwa 100 Meter über dem Meer mit grandioser Aussicht auf das Türkisblau bis zum markanten Pico Cao Grande auf São Tomé ist eine Weltkarte auf den Boden gekachelt. Mitten drin steht eine mannshohe Säule mit einer Kugel drauf, die den Nullpunkt markiert. Yay. Ein cooler Moment. Zurück auf Null. Reset.

Wir geniessen den besonderen Moment, sind ganz allein bis auf ein paar Ziegen, die plötzlich mit lautem Geschrei den Dschungel über uns heruntergeschossen kommen, von einem streunenden Hund verfolgt.

Sie rasen über die Weltkarte, und scheren sich keinen Deut um die besondere Location. Für sie gilt nur: Nichts wie weg von dem kläffenden Köter. Dann kehrt wieder Ruhe ein, und wir können unser Foto-Shooting fortführen und die Aussicht und den Moment geniessen. Bis uns der Magen knurrt und das tropische Frühstücksbuffet, das im Hotel auf uns wartet, wieder den Berg herunterlockt.

Nur ein kleiner Abstecher quer durch das Dorf, das nun immer mehr zum Leben erwacht, zum nächsten Traumstrand muss noch sein. Einmal schnell die Kleider abstreifen und sich in das lauwarme Wasser werfen. Was für eine Idylle – so muss das Paradies aussehen. Der Strand wunderschön und menschenleer, nur ein paar Dorfbewohner, die sich auf dem Weg zum Fischen machen, kommen vorbei und grüssen freundlich. Wenn da nur nicht der knurrende Magen wäre, an diesem Ort kann man die Zeit vergessen.

Hinkommen

TAP Air Portugal fliegt vier Mal die Woche ab Zürich via Lissabon auf die Insel São Tomé.

Die Ilhéu das Rolas ist von der Hauptstadt und dem Flughafen von São Tomé aus ca. 75 Kilometer entfernt, die Fahrt dauert allerdings mehrere Stunden. Das liegt nicht nur an den v.a. im südlichen Teil der Insel sehr schlechten Strassenbedingungen, sondern v.a. daran, dass man am liebsten an jeder Ecke halten möchte.

Drei Highlights auf dem Weg

Durch den Höllenmund direkt nach Portugal

Bei der Boca do Inferno bei Praia Izé, wo sich die Wellen durch einen engen Felskanal drücken und tosend bis zu 30m hoch aufsteigen. Dem Tor zur Hölle wurden in Kolonialzeiten magische Kräfte zugesagt: Wenn er zurück nach Portugal gelangen wollte, müsste der Plantagengründer der nahen Roca Agua Izé nur mit seinem Pferd in die Boca do Inferno reiten und würde direkt in die Heimat geschleudert.

Zum Kunstschaffenden und Spitzenkoch ins Fischerdorf

Oder in São João dos Angolares, einem armen aber unglaublich pittoreskem Fischerdorf, über dem sich einer der grössten Botschafter der Kultur von Sao Tome & niedergelassen hat: João Carlos Silva ist Star- und Fernsehkoch, Maler, Bildhauer und Kulturförderer. Er pendelt zwischen Portugal und Sao Tome, wo er sich hoch über seinem Heimatdorf in den Gebäuden einer ehemaligen Kakaoplantage ein Kulturzentrum aufgebaut hat.

Hier betreibt er ein offenes Restaurant mit atemberaubendem Blick auf die Küste und das Dorf, das Roca São João Angolares. Im ehemaligen Krankenhaus der Plantage finden Ausstellungen lokaler Künstler und Musikvorführungen statt.

Wer die Kochkünste von Silva João und den passenden Wein dazu richtig auskosten möchte, übernachtet am besten gleich in den authentisch eingerichteten Zimmern der Roca.

Zur Landschaft wie in Jurassic Park

Weiterer Höhepunkt auf der Fahrt ist der Blick auf den archaisch anmutenden nadelförmigen Pico do Cão Grande, der wie ein Phallus 370 Meter aus dem Dschungel herausragt – eine Schande, dass in unmittelbarer Nähe und mitten im Nationalpark Obô de São Tomé eine belgische Firma eine Palmölplantage anlegen durfte.

Vom Pico do Cão Grande ist es nicht mehr allzu weit zur Anlegestelle des kleinen Shuttleboots in Porto Alegre, das Gäste in ca. 30 Minuten auf die Ilhéu das Rolas und ins Pestana Equador bringt.

Lucky me durfte 2019 eine Pressereise mit dem Schweizer Reisespezialisten Let’s go Tours begleiten aufgrund derer dieser Bericht entstand. Wir danken an dieser Stelle dem Veranstalter hierfür. Let‘s go Tours bietet Rundreisen nach São Tomé und Príncipe an und hilft gerne bei der Planung individueller Touren.

Sao Tomé wurde auch in Sabines Reise-Highlights von 2019 erwähnt.

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