Funtastic Prag – Kunst, Kubismus und Design

Funtastic Prag – Kunst, Kubismus und Design

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Unglaublich aber wahr, bis jetzt hat es mich noch nie in die goldene Stadt verschlagen – schade eigentlich, denn sie ist wirklich wunderschön. Untergekommen sind wir bei unserem Bekannten Guenther. Vor einigen Jahren hat den Wiener die Liebe nach Prag gezogen und dort lässt er nun ab und an Freunde bei sich schlafen, gibt Insider-Tipps und macht ein phänomenales Frühstück!

Und so frisch gestärkt erlaufen wir uns Städte gerne. Daher kommt die Empfehlung zu dem etwas anderen Reiseführer „Citywalks von Irene Hanappi“ gerade recht. Unsere erste Tour startet an der Akademie für Kunst, Architektur und Design. Die Galerie neben dem Eingang im Erdgeschoss fungiert als Projektraum und zeigt Abschlussarbeiten der Studenten. Im Moment findet so etwas wie ein Revival tschechischer Designkultur statt; das betrifft Produktdesign, Mode, Schuhe und Schmuck. Da nicht alle jungen Kreativen über einen Shop oder Showroom verfügen, gibt es die Veranstaltung Designblok, die jeweils im Herbst in Galerien, Studios und Lofts stattfindet. Genau gegenüber der Akademie befindet sich das Rudolfinum, ein wahrlicher Prunkbau und Sitz der tschechischen Philharmonie, in dem hochkarätige Klassikevents stattfinden. Aber Achtung: In keinem Fall auf die klassischen Konzerte reinfallen (ist uns leider passiert), die allabendlich angeboten werden. An sich nicht schlecht, aber leider nicht im schönen Hauptraum des Rudolfinums und eher ein Touristennapp. Das Café im Erdgeschoss – man sitzt unter Palmen – vermittelt wunderbare Grandezza.

Rudolfinum PRag

Fashion made in Czech

Läuft man weiter Richtung Moldauufer, entdeckt man ein wenig versteckt einen kubistischen Brunnen. Von der 17. Listopadů führt die rechts abzweigende Brehová direkt ins jüdische Viertel. Am Ende der Quergasse kann man schon einen Blick auf die Klausen-Synagoge erhaschen. Dass das Zentrum sich im ehemaligen Judenviertel befindet, hat seine Gründe: Dieses wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen und es entstanden elegante Wohnhäuser, die schönsten stehen an der Pariser Straße. Damals siedelten sich Modeateliers und Haute-Couture-Salons an, die nach der Zeit des Realsozialismus schnell wiederzurückkehrten. Viel spannender als die internationalen Brands sind die kleinen Boutiquen tschechischer Prêt-à-porter-Labels, deren Spitze sich unter dem Label Made in the Czeck Republic zusammengefunden hat. Biegt man etwas weiter rechts in die Elišky Krásnohorské ein, führen in der Nr. 4 ein paar Stufen in ein Souterrain hinunter.

Hier findet man bei Navarila spezielle Strickmode aus wertvollen Materialen und limitierter Auflage. Die Straße grenzt an die Usvatého Ducha, von der aus man auf einen kleinen Platz kommt, an den die Spanischen Synagoge grenzt. Dort steht das erste Franz-Kafka-Denkmal der Stadt. Für eine kleine Pause kann ich hier zwei Restaurants empfehlen: das Kolknova, mit deftiger, böhmischer Hausmannskost und erstklassigem Bier und das Nostress, das zeitgleich auch eine Galerie ist und wo es hochkalorische, aber stressmindernde Schokotörtchen gibt – die Entscheidung fällt auf Letzteres :-). Weiter geht es durch die Dušní ins Atelier Bohême, wo man die sexy Entwürfe von Hanna Stockklassa findet. Schräg gegenüber ist die Boutique Tatiana, wo es geometrische und asymmetrische Modelle von Tatiana Kovarková gibt. Am Ende der Straße gelangt man auf die Dlouhà, von wo wir links abbiegen und zu Klára Nademlýnská gelangen. Auch hier sind die Preise höher angesetzt, aber High Fashion hat eben ihren Preis.

Blick über den „Tellerrand“

Ebenfalls auf der Dlouhá gibt es super leckeren Kuchen, aber auch frische, kleine Snacks im Au Gourmand. Das Interieur des Lokals, das um die Jahrhundertwende eine Fleischerei war, ist immer noch mit alten Fliesen ausgelegt. Schräg gegenüber an der Ecke Kozí ist der Bakeshop Praha, wo es Zimtschnecken, Golatschen und Rugaleh gibt. Weiter auf der Kozíund dann der Haštalská führt die erste Gasse rechts in die Rámovázum zum Designshop Qubus – hier werden Männer in jedem Fall fündig. Hier findet man traditionelle Materialien wie Glas und Porzellan auf schräge Weise umgesetzt. Witzige, aber nicht gerade günstige Souvenirs.

Von dort aus geht es wieder zurück auf die Haštalská, dann rechts in die Rybná, um erneut auf der Dlouhá zu landen. An der Ecke befindet sich das Traveller’s Hostel, in dem sich das NOD versteckt. Eine entspannte Bar im ersten Stock mit Fensternischen, deren Nebenraum für Performances und Ausstellungen dient.

Super und authentisch essen kann man im Lokál, das auf den ersten Blick den Charme einer Bahnhofshalle hat. Auf den zweiten jedoch recht gemütlich ist, wahrscheinlich auch, weil man an den langen Bänken schnell mit anderen ins Gespräch kommt. So wie wir mit einem alten Prager Pärchen, das aber schon ewig in Kanada lebt. Nach dem deftigen Hauptgang, überreden sie uns zu einem typischen Nachtisch – „den kleinen Särgen“, luftiges Bisquit mit Crême. Das übrige tut das gute Pivo, für dessen Bestellung die Bedienung einfach auf einem Zettel die Größe und Menge ankreuzt – gefährlich kann ich nur sagen …

Kubismus und moderne Kunstfabrik in Prag

Nicht unweit ist die Týnská, in der noch das mittelalterliche Prag lebt. Weiter über die Celestna kommt man zum Haus der schwarzen Madonna. Das 1902 als Kaufhaus entworfene Gebäude, dient seit 2003 als Kubismus-Museum. Auch der Shop mit seinen Repliken einiger Ikonen des Kubismus ist einen Besuch wert. Allein der Eingang mit der extravaganten, tropfenförmigen Treppe ist einen Blick wert. Wir machen Halt im Grand Café Orient im ersten Stock, das für sein im Originaldesign restauriertes Interieur berühmt ist.

Wir probieren den Klassiker Kairserka, Kaiserbrötchen mit Prager Schinken und Gurke – lecker! Spaziert man über den ehemaligen Obstmarkt passiert man das Tyl-Theater, wo 1787 die Uraufführung von Mozarts Don Giovanni stattfand. Auch am Kohlmarkt wird man – recht versteckt in einem Winkel des Jungmannplatzes – fündig: hier steht eine kubistische Straßenlaterne von Emil Králicek. In den 90ern tauchte sie gar in einem Video von Jan Hammer auf – wohoo! Der letzte Stopp heißt Leeda. Zwei Absolventinnen der Akademie für Kunst, Architektur und Design, haben hier ihren Flagshipstore, in dem man limitierte und originelle Outfits findet. Ein schöner Abschluss für einen inspirierenden Spaziergang.

 

Was noch in Prag?

 

Shopping in Prag:

  • Botas: Relaunch einer Sneaker-Marke aus den 1970er Jahren, als es westliche Marken noch nicht zu kaufen gab.
  • Futurista: Ein Mix aus Buchgeschäft, Designshop und Galerie. Auch hier kann man coole Souvenirs finden.
  • Bohemian Retro: Hier gibt es von Knöpfen über Sonnenbrillen bis hinzu Kleidern fast alles aus den 1930er-70er Jahren der Tschechoslowakei – eine reine Vintage-Fundgrube, die von einem sehr gesprächigen Amerikaner und seiner Frau geführt wird.
  • DNB: Elegantes tschechisches Design in klaren Farben.
  • Botanicus: Hier findet man duftendes Rosenshampoo, Seifen sowie viele andere Kosmetika, die alle auf natürlicher Basis auf einer Farm 30 km von Prag entfernt hergestellt werden.

Sightseeing in Prag:

  • Alter jüdischer Friedhof: Diesen sowie den gesamten Komplex mit Maisel-, Pinkas-, Klausen- und Spanischer Synagoge (sehr beeindruckend) sowie den Zeremoniensaal sollte man nicht verpassen.

Jazz:

  • Agharta: Uriger Jazzkeller in der Altstadt mit ständig wechselndem Live-Programm ab 21 Uhr. Bei unserem Besuch trat eine geniale Modern Big Band auf.

Kunst:

  • YellowKorner: Fotokunst-Galerie in der Altstadt, mit nach Themen geordneten Motiven, die man auch erwerben kann – schöne Sachen. Die Idee dahinter: Kunst, die sich jeder leisten kann.
  • Staatsoper: Wer Wagner liebt, wird hier seine helle Freude haben. Das neoklassizistische Gebäude ist wunderschön und die Pausen einer Tannhäuser-Oper kann man mit den supergünstigen Essens-und Getränkepreisen perfekt überbrücken.
  • Museum Kampa: Sehr schön, auf der anderen Flussseite gelegen, ist allein das Gebäude speziell – ebenso die Kunst aus der Zeit der Repression.
  • Mucha-Museum: Wer, so wie ich, auf die Illustrationen des Autodidakten steht, wird es lieben und viel Wissenswertes erfahren.
  • DOX: Allein das Gebäude des Zentrums für zeitgenössische Kunst ist interessant, handelt es sich doch um ehemalige Fabrikräume. Spezielle Wechselausstellungen und auch das Café auf dem Dach sowie der Shop lohnen sich. Unbedingt hingehen.

Essen in Prag:

  • Maitrea: Vegetarisches Restaurant mit super leckerem Essen und einem sehr außergewöhnlichen Interieur-Design – allein schon das wirkt „organisch“.
  • U Medvidku: Besteht seit 1466 und bietet leckere böhmische Speisen sowie eigens gebrautes Bier. Ich kann das Dunkle nur empfehlen!
  • Jan Paukert: In dem 1916 gegründeten Delikatessengeschäft findet man sowohl Herzhaftes als auch Torten und tolle Weine. Im hinteren Teil kann man zudem gut essen.

Entspannen:

  • Vysehrad: Bizarrer Moldaufelsen auf dessen Areal sich der riesige, wunderschöne Ehrenfriedhof mit Gräbern von Smetana, Dvorak oder auch Mucha befindet. Zudem hat man von der Peter-und-Paul-Kirche einen tollen Blick über die Stadt und das Beste – kaum ein Tourist verirrt sich hierher.
  • Palastgärten unter der Prager Burg: Schöne Oase mit Barockgärten, die terrassenförmig angelegt und ein wenig versteckt liegen. Auch dort trifft man kaum auf andere Menschen.
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