Der Charme der verschlafenen Hauptstadt von Laos

Der Charme der verschlafenen Hauptstadt von Laos

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Als ich mit Aeh und einem Kajak die wunderschöne Gegend um Vang Vieng erkundet hatte,  sind wir per Zufall der lokalen Reiseführerin Da begegnet. Sie versprach mir,  mich auf eine Entdeckungsreise in der laotischen Hauptstadt Vientiane mitzunehmen. Da stand Sie nun – mit einem brandneuen Töff, Helm und… Flip Flops. Als sie mich anlachte, blitzte ihre  Zahnspange auf. In Laos ist das Tragen einer Zahnspange ein Zeichen von relativ gutem Einkommen, da man es sich leisten kann, Geld für eine ästhetische Korrektur auszugeben.

Ich schlug vor, zwei Velos zu mieten und damit die Stadt zu erkunden. Vientiane ist eine überblickbare, charmante und ein bisschen verschlafene Hauptstadt, die im Laufe der Jahre Patina angesetzt hat. Sie hat nicht viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Am auffälligsten ist wohl der Patuxai – der „Arc de Triomphe“ Vientianes –mit einem grosszügig angelegten und den Pariser Champs Élysées nachempfundenen Boulevard. Ein weiterer sichtbarer Beweis der langjährigen französischen Präsenz im 19. Und 20 Jh. Der Charme der Stadt liegt im unaufgeregten Lebensrhythmus, in der lieblichen Art ihrer Einwohner und dem Charme der kleinen Cafés und Restaurants am Fluss. Man fühlt sich einfach wohl.

Bild13Vientiane: Weltmännisch oder gemütlich?

Da war beflissen, mir die weltoffene, internationale Seite der Hauptstadt zu zeigen und entführte mich zum Mittagessen in ein kleines (von Belgiern geführtes) Restaurant am Fluss. Ich genoss tolle Moules (aus Neuseeland) & Frites bei einem Glas Chardonnay (aus Südafrika). Auch der Austausch mit Da war erfrischend. Sie stammt aus einer Kleinfamilie, aus ärmlichen Verhältnissen. Der Vater war bis bei ihm Diabetes diagnostiziert wurde Bauarbeiter, die Mutter ist Schneiderin und hat sich auf die Herstellung von lokalen Gewändern spezialisiert.

Da besuchte die Universität und schloss ihr Studium erfolgreich ab. Dies und der Besuch von entsprechenden Kursen, gab ihr die Möglichkeit den Beruf der Reiseführerin auszuüben (worauf sie mit Recht stolz ist). So oder so: um das knappe Familienbudget aufzubessern hilft Da in jeder freien Minute ihrer Mutter bei der Arbeit. Sie habe das mehr als verdient, sie sei eine tolle Mutter, die alles daran setze, dass es der Familie gut gehe.

Bild1Eine Tempelanlage in Vientiane

Am nächsten Tag schlug Da vor, zum Stausee Nam Ngum zu fahren. Dieser biete eine zauberhafte Inselwelt. Da es eine Ewigkeit gedauert hätte, mit dem Linienbus nach Longngum zu gelangen, beschloss ich, den Ausflug mit dem „Vergnügen“ zu verbinden, in Laos Auto zu fahren. Ich mietete einen 4-Rad-angetriebenen Pick-up und los gings. Abgesehen von starken Verkehr und vom „Gesetz des Stärkeren“, kam ich ziemlich schnell in den richtigen Fahrrhythmus.

Der Strassenzustand wurde immer schlechter, es galt zunehmend, riesigen Schlaglöchern auszuweichen. Dann endeten die geteerten Strassen und wir setzten die Fahrt auf Sandpisten fort. In den Dörfern werden diese ständig bewässert, um eine zu grosse Staubbildung zu verhindern. Für ca. 85 Kilometer benötigten wir schlussendlich rund zweieinhalb Stunden.

Bild6Wie wäre es mit einem Essen auf dem Floss?

Die Mühe hat sich aber wirklich gelohnt! Ein wunderschöner See breitete sich vor uns aus, mit hunderten von Inseln und unbebautem Ufer. Ein toll im Hang gebautes Viersterne-Hotel (Einzelzimmerpreis Fr. 35 pro Nacht), sowie ein paar Restaurants auf Flössen – das ist Longngum. Wir entschieden uns für eine mehrstündige Bootsfahrt durch die vielfältige, „verzauberte“ Inselwelt. Eine Idylle – wäre da nicht das Nachbarboot mit einer Gruppe betrunkener Koreaner gewesen. Anstatt die traumhafte Umgebung zu geniessen, widmeten sie sich lauthals dem in Asien überall so populären Karaoke…  schräg aber irgendwie trotzdem lustig.

Bild10Idyllisch: Die Inseln im Stausee

Zum Nachtessen gingen wir zum Floss und waren die einzigen Gäste. Die Gastgeber waren freudig überrascht über den seltenen Besuch aus Europa und gaben sich grosse Mühe, uns ein tolles Nachtessen mit lokalen Spezialitäten zuzubereiten. Woher auch immer kramten sie noch eine Flasche Neuseeländischen Cabernet Sauvignon hervor. Das Erlebnis war somit perfekt abgerundet.

Bild11Gianni und Da geniessen lokale Spezialitäten

Auf der Rückfahrt machte ich noch Bekanntschaft mit der laotischen Verkehrspolizei. In einem Vorort von Vientiane überquerte ich bei „dunkelorange“ eine Kreuzung. Da bemerkte, dass wohl bald die Polizei auftauchen würde. Ich hatte niemanden gesehen und nahm ihre Bemerkung deshalb nicht wirklich ernst. Doch einige Sekunden später sah ich im Rückspiegel einen Uniformierten auf einer Vespa mit hohem Tempo aufschliessen. Es kam was kommen musste; ich wurde rausgewinkt. Da der Officer keine Fremdsprachen sprach, war ich auf das Verhandlungsgeschick von Da angewiesen. Nach einem 15-minütigen Hin und Her einigten sie sich auf die Bezahlung einer Busse (natürlich ohne Quittung…) von 200’000 Kip (ca. 8 Sfr.). Erleichtert konnte ich die Fahrt fortsetzen und war unendlich dankbar dafür, dass Da die Kastanien aus dem Feuer geholt hatte.

Obwohl wir nur 24 Stunden von Vientiane und der „Zivilisation“ weg gewesen waren, kam mir die laotische Hauptstadt plötzlich gross, lärmig und weltmännisch vor. Wieder einmal der Beweis, dass Sichtweisen und persönliche Eindrücke von den erlebten Umständen abhängen.

Ich hatte mit Da zwei tolle Tage in und um Vientiane verbracht. Zum Abschied versprach ich ihr, dass ich mit einer Gruppe von Freunden zurückkehren werde, um ihnen die Schönheiten Laos näher zu bringen – natürlich nur mit ihr als Reiseführerin!

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4 responses to Der Charme der verschlafenen Hauptstadt von Laos

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