Meine Lieblingswanderung auf Lemnos

Meine Lieblingswanderung auf Lemnos

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Schon 28 Jahre sind vergangen, seit Brigitte Georgoudis am Flughafen der griechischen Insel Lemnos ankam. Als gelernte Buchhändlerin wollte sie endlich ihren  Traum verwirklichen und die griechische Kultur näher kennenlernen. Ihren Eltern hatte sie versprochen, dass sie nur während einer Sommersaison als Reiseleiterin in Griechenland arbeiten werde. Doch es kam anders, wie Brigitte im folgenden Blogbeitrag eindrücklich beschreibt…

Ausser mir gab es keine Reiseleiterin auf der noch unberührten Insel im Ägäischen Meer. Es war jedes Mal ein Ereignis, wenn einmal pro Woche auf dem Flughafen Hephaistos eine Maschine aus Zürich landete. Nach den erholsamen Ferien verabschiedeten sich die Gäste oft mit den folgenden Worten: „hoffentlich bleibt die Insel ein Geheimtipp“. Seither hat sich nicht viel verändert. Lemnos ist bis heute vom grossen Touristenstrom verschont geblieben.

Flamingos beim Salzsee Lemnos LimnosFlamingos beim Salzsee

Im malerischen Hafenstädtchen Myrina bin ich als Ausländerin den Einheimischen gleich aufgefallen. Eine Frau ohne Begleitung war damals ein eher ungewohntes Bild. Es dauerte nicht lange, da sprach mich ein netter junger Mann an und ich freute mich darüber meine Griechischkenntnisse anwenden zu können. Der Intensivkurs war so aufregend und spannend, dass ich im nächsten Sommer wieder auf die Insel kam und blieb…

Meine drei inzwischen schon fast erwachsenen Töchter haben es einfacher, denn sie sprechen neben Griechisch auch fliessend „Bärndütsch“ oder „Fremdländisch“ wie die Inselbewohner sagen. Trotzdem passieren manchmal lustige Fehler wie zum Beispiel die Frage: „Gehen wir mit den Füssen oder fahren wir mit dem Auto“?

Lemnos

No Description

Vor ein paar Jahren wurde mir von einem lokalen Reisebüro die Möglichkeit gegeben, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Meine Aufgabe bestand darin, ausländischen Touristen die Insel zu zeigen. Doch bald kamen griechischen Reisegruppen dazu, die mir am Anfang schlaflose Nächte bereiteten.

Ich, eine „Xeni“, eine Fremde, sollte den Griechen Geschichte und Tradition ihres Landes näher bringen? Mittlerweile macht mir diese Herausforderung besonders Freude. Die Touristen zeigen immer grosses Interesse an dem was ich erzähle, doch am Ende wollen alle meine eigene Geschichte hören.

Schafhirte ins Gespräch vertieftSchafhirte ins Gespräch vertieft

Mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise nahm der griechische Tourismus rapide ab und ich musste mich neu orientieren. „Káthe empódio ke se kaló“ (Jedes Hindernis hat auch sein Gutes), pflegen die Griechen zu sagen, wenn etwas nicht so läuft wie man es sich wünscht. Ich meldete mich bei Baumeler Reisen und fand eine neue, erfüllende Aufgabe. Wanderer sind sehr dankbare Gäste, denn wer zu Fuss eine Landschaft erkundet ist auch interessiert, Land und Leute näher kennenzulernen.

Absolutes Highlight auf Lemnos: Die Höhlenkirche Kakaviotissa

Mir wiederum gibt es die Möglichkeit, meine Wahlheimat den Besuchern näher zu bringen. Mit meinen Gästen besuche ich Bauernhöfe, Weinkeltereien, Bäckereien, Käsereien, Töpfereien, Olivenmühlen etc. Die Einheimischen fühlen sich geehrt und bewirten uns überall nach typisch griechischer Gastfreundschaft. Die lokale Bevölkerung zu unterstützen ist mir ein besonderes Anliegen. Meist wird ein Entgelt erst akzeptiert, wenn ich das griechische Sprichwort sage „Í kalí logariasmí kánun tús kalús fílus“. (Les bons comptes font les bons amis) – und wir wollen gute Freunde bleiben oder?

Abendspaziergang Burg MyrinaBrigitte Georgoudis in ihrer Wahlheimat Lemnos

Zu meinen Lieblingswanderungen gehört der Gang zur Höhlenkirche Kakaviotissa. Ein Pfad führt uns durch die Vulkanfelsen mit wunderbarem Blick über weite Teile der Insel. Ein mystischer Ort, der den Griechen schon in der Antike als Kultplatz diente.

Felskapelle Panagia KakviotissaDie Felskapelle Panagia Kakaviotissa

Die Wanderung zur Bäuerin Eleftheria ist für die Gruppe jedes Mal ein Höhepunkt. Auf der Suche nach einem schönen Pfad kam ich zufällig bei ihrem kleinen Hof vorbei. Eleftheria begleitete mich damals mit ihrem Esel bis ins Tal hinunter, und seither hat sich zwischen uns eine schöne Freundschaft entwickelt. Obschon Eleftheria ihre dreihundert Schafe und Ziegen von Hand melken muss, nimmt sie sich jedes Mal Zeit, um uns in ihrer Stube zu bewirten.

Bäuerin Eleftheria mit ihrer Ziege JuliaBäuerin Eleftheria mit ihrer Ziege Julia

Unsere Wanderfreunde sind generell auch Gourmets und geniessen das gemütliche Beisammen in der Taverne. Die verschiedenen lokalen Spezialitäten die oft nicht auf der Menükarte aufgeführt sind, werden besonders geschätzt.

Bin ich einmal alleine unterwegs, werde ich immer von irgendwoher beobachtet. Die bellenden Hunde auf den einsamen Höfen verraten mich meist zuerst und die Einheimischen glauben ich sei eine „Touristria“ die kein Griechisch versteht. Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass die „Elvetida“ (die Schweizerin) die Insel zu Fuss erkundet. Von Bauern und Schafhirten bekomme ich hilfreiche Tipps, wo es auch noch schön wäre!

Führt mich mein Weg in eine kleine Ortschaft kehre ich jeweils im Dorfladen ein, der auch als Kafeneion dient und werde gleich über das Neuste informiert.

Gomati-Bucht mit Blick nach SamothrakeDie Gomati-Bucht mit Blick nach Samothrake

Fast jeden Abend spaziere ich auf die Burg von Myrina. In den halb verfallenen Mauern treffe ich ausser Rehen und wilden Ziegen selten jemanden an. Ich geniesse den Ausblick auf Städtchen und Hafen und beobachte gerne das rege Treiben und die vielen Schaulustigen wenn eine Fähre anlegt.

Am eindrucksvollsten ist, wenn die Sonne im Meer untergeht und in der Ferne der heilige Klosterberg Athos erscheint. Dann weiss ich, dass ich damals die richtige Entscheidung getroffen habe, Lemnos ist meine zweite Heimat geworden!

Berg AthosBlick auf den Berg Athos

 


Über Lemnos (auch Limnos):

Lemnos ist noch wenig touristisch und gilt als Geheimtipp bei den Griechen. Die Insel in der nördlichen Ägäis zählt rund 17’000 Bewohner. Verwaltungssitz sowie wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Insel ist die Stadt Myrina. Besucher der Insel können sich über sanft abfallende Hügel, einsame Strände und eine Jahrtausende alte Geschichte freuen. An der Küste locken wunderschöne Strände zum Baden, im Norden dominieren schroffe Felsküsten und im Hinterland trifft man auf Hirten, die noch tief mit alten Traditionen verbunden sind.

Limnos verfügt über einen Flughafen und wird beispielsweise aus Athen, Thessaloniki oder Mytilini (Lesbos) angeflogen. Alternativ ist die Insel ab Kavala und Mytilini auch per Fähre erreichbar.

Weitere Infos unter www.visitgreece.gr und www.limnosgreece.gr

 

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9 responses to Meine Lieblingswanderung auf Lemnos

  • SusannLevy sagt:

    Hallo Brigitte danke für den Artikel über Lemnos. Macht Lust auf die Insel.Werde nun einmal die Unterkünfte auskundschaften .Danke vielmals.

  • Peter Einhorn sagt:

    Hallo Brigitte,
    als Ergänzung zu deinem Beitrag noch der Link zu unserem Reiseführer über Limnos
    https://www.michael-mueller-verlag.de/de/reisefuehrer/griechenland/limnos/index.html
    Liebe Grüße Ulli und Peter

    • Brigitte Georgoudis sagt:

      Liebe Ulli und lieber Peter
      Die Kunden von Baumeler Reisen erhalten bei ihrer Buchung euren interessanten Reiseführer als Geschenk!
      Herzliche Grüsse aus Lemnos
      Brigitte

  • George Graf/Irene Mumprecht sagt:

    Liebe Brigitte
    Deine Lemnos Schilderungen mit den schönen Fotos sind so richtige „Gluschtigmacher“!
    An alle die Lemnos noch nicht kennen, kommt mit auf diese Ferieninsel in der Ägäis und lasst euch von Brigitte die vielen schönen Wanderrouten und Badestrände zeigen (niemand kennt die Insel besser als Sie!)
    Wir freuen uns jetzt schon auf die nächsten Lemnos-Ferien im September, auf schönes Wander- und warmes Badewetter … das schöne Afroditi Hotel, den Ausblick vom Burghügel aufs tiefblaue Meer, den Besuch bei der Bäuerin, den Badestrand in der Gomati-Bucht und den vielen schönen Sonnenuntergängen ins Meer!
    Auf bald Irenen und George
    PS. den Schlüssel zu diesen Traumferien: http://www.baumeler.ch

    • Brigitte Georgoudis sagt:

      Liebe Irene, Lieber George

      Ganz herzlichen Dank für eure lobenden Worte!
      Ich freue mich sehr, wieder mit euch unterwegs sein zu dürfen. Da ihr Lemnos inzwischen kennt ist für mich eure Teilnahme an der Wander-Tour jedes Mal eine Herausforderung, etwas Neues ins Programm aufzunehmen.

      Ganz liebe Grüsse aus Lemnos und bis bald!
      Brigitte

  • Maya Künzli sagt:

    Liebe Brigitte
    meine Wander-/Badeferien mit Dir auf „Deiner“ Insel waren ganz nach meinem Geschmack: ohne Hektik, fast ohne Touristen dafür authentisches Alltagsleben der gastfreundlichen Einheimischen, wie z.B. bei Eleftheria auf ihrem Hof mit den Ziegen und Schafen. Die tollen Wanderungen kreuz und quer über die Insel, Deine Erklärungen zu Land, Leute und Geschichte, die Tavernen mit den feinen Mezzes werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ich hoffe sehr, dass Limnos noch lange ein Geheimtipp bleiben wird, so dass noch mehr Wanderlustige dieses spezielle Erlebnis erfahren dürfen.
    Ganz liebe Grüsse uns Wangen bei Olten
    Maya

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