Mit dem Hundeschlitten durch die Wildnis Finnlands

Mit dem Hundeschlitten durch die Wildnis Finnlands

Eine Reise ins schneebedeckte Lappland im Winter, der dort von November bis Ende April dauert, ist in vielerlei Hinsicht ein magisches Erlebnis. Was man sich aber unter keinen (!) Umständen entgehen lassen darf, ist eine Husky-Tour mit Hütten-Übernachtung in der Wildnis. Selbst mangelndes Tageslicht oder Temperaturen unter -20°C sollten einen nicht davon abhalten, sich auf dieses Naturerlebnis einzulassen. Wer es etwas weniger extrem mag, reist am besten ab März in den hohen Norden. Dann sind die Tage nämlich bereits etwas länger als bei uns und die Temperaturen nicht mehr ganz so abschreckend.

Für mich gibt es im Februar kein Schonprogramm: Das Thermometer zeigt schon um 13 Uhr beim Pick-up in Rovaniemi -12°C an und für die Nacht werden -25°C vorausgesagt. Wie sich diese Kälte wohl anfühlt? Ich ziehe das Wärmste an, was ich dabei habe, packe die wichtigsten Übernachtungsutensilien und meine Kamera in einen kleinen Tagesrucksack und los geht das Abenteuer.

Nach Ankunft in der Farm von Bearhill Husky, ca. 30 Autominuten nordwestlich von Rovaniemi, werden wir in einen Ankleideraum gebracht, wo es zusätzliche Ausrüstung zum Überziehen gibt. Mit einem dicken Arktis-Overall, klobigen Arctic-Boots und gefühlten 10 Schichten Bekleidung geht es dann mit meinen vier Tour-Begleitern los zu den Hunden.

Rovaniemi_Husky_Tour19Die Hunde sind startklar

Unser Guide Valentijn, ein Holländer, der schon sein halbes Leben in Finnisch Lappland lebt, sucht die Hunde für die Tour aus und zeigt uns, wie wir diese an die Schlitten spannen und startklar machen können. Kein leichtes Unterfangen: Die Tiere sind so euphorisch aufgeregt über den bevorstehenden Trip, dass sie lieber wild herumhüpfen statt sich das Laufgeschirr anlegen zu lassen. Es ist definitiv von Vorteil, wenn man etwas hundeerfahren ist und weder Berührungsängste noch Ekel vor Hunde-Sabber hat.

Die Tiere sind nun für die nächsten 24 Stunden unsere treuen Gefährten: Sie transportieren uns 30 km durch die lappländische Wildnis und wollen im Gegenzug gefüttert, liebkost, gehegt und gepflegt werden. Denkt also nicht mal dran, irgendwie die Hände oder ein paar Handschuhe sauber zu halten, es wird am Ende der Tour alles, wirklich alles, nach Hund riechen! 😉

Im Anschluss erklärt uns Valentijn die Sicherheitsanweisungen. „Do NOT, under any circumstances, ever, ever, stop holding the sledge”, warnt er eindringlich. Dies sei die wichtigste aller Regeln, die es als Musher zu beachten gibt. Denn wenn der Schlittenführer den Schlitten nicht mehr festhält, würden die Hunde sofort losrennen und aufgrund des reduzierten Gewichts eine gefährliche Geschwindigkeit erreichen, was sie zu einer Verletzungsgefahr für sich selbst und die anderen werden lässt. Mit einem mulmigen Gefühl steigen wir also auf die Schlitten. Valentijn fährt voraus und los geht’s. Zum Glück sind die Ängste rasch verflogen.

Man merkt ab der ersten Minute, dass diese Huskys nichts lieber tun, als durch den Schnee zu rennen. Sie sind kaum zu bremsen. Es ist jedoch nicht besonders schwierig, den Schlitten in den bereits vorgefahrenen Spuren zu lenken und aufzupassen, dass sie nicht zu schnell werden. Sobald es etwas bergauf geht, unterstützen wir die Hunde und treten eifrig mit. So kommt eigentlich nie wirklich ein Gefühl von Kälte auf. Der arktische Anzug hält schön warm und während der Pause unterwegs im Wald serviert uns Valentijn heissen lappländischen Beerensaft.

Rovaniemi_Husky_Tour06

Bei Einbruch der Dunkelheit überqueren wir schliesslich noch einen weiteren gefrorenen See (merkt man gar nicht, ausser dass plötzlich eine riesige Fläche ohne Bäume vor einem steht) und kommen in einer Holzhütte an, wie es sie zu tausenden in den finnischen Wäldern gibt: Sie haben meistens weder Strom noch fliessendes Wasser. Was aber niemals, wirklich niemals fehlen darf ist eine Sauna! Diese gilt es nun zusammen mit der Haupthütte, die aus einer kleinen Küche und einem Schlafraum besteht, anzuheizen. Sprich: Holz holen und erst mal Feuer machen. Für das nötige Licht sorgen Kerzen.

Rovaniemi_Husky_Tour08Hüttenromantik mitten im Nirgendwo

Die Prioritäten sind klar gesetzt: zuerst werden die Hunde gefüttert, dann ihre Pfoten eingecremt und erst zuletzt kommt der Mensch auf seine kulinarische Kosten. Valentijn bereitet das Abendessen zu, während die Frauen aus der Gruppe schon mal in die Sauna dürfen (wenn es um die Sauna geht, wird Geschlechtertrennung überall in Finnland strikte eingehalten!). Wir kommen in den Genuss der ursprünglichsten aller finnischen Sauna-Arten. In Hotels und Privathaushalten werden die Saunen heutzutage ja meistens elektronisch beheizt. Hier in der Wildnis gibt es keinen Strom, also sorgt ein alter Holzofen für wohlig warme 80°C. Der angenehme Holzduft und das schummrige Kerzenlicht tun schliesslich den Rest und lassen einen abschalten wie in keinem 5-Sterne-Spa dieser Welt.

Für die Mutigen wartet aber nochmals ein letzter „Once-in-a-Lifetime“-Moment: Nach dem Schwitzen in der Sauna raus in den eiskalten Tiefschnee springen. Ja, tut es und versucht einen kurzen Moment liegen zu bleiben, es ist unvergesslich! Spätestens beim Betrachten der Abermillionen Sterne, die hier draussen zu sehen sind, dürfte man dann einmal mehr zur Einsicht kommen, dass es für das vollkommene Glück doch eigentlich so wenig braucht im Leben!

Rovaniemi_Husky_Tour09Die Hütte am nächsten Morgen: Im Moment dieser Aufnahme herrschte -26°C

Weitere Infos:

Praktisch in jedem Ferienort in Lappland, egal ob in Norwegen, Schweden oder Finnland, werden Husky-Touren angeboten. Schlittenfahrten für ein paar Stunden sind meist auch kurzfristig vor Ort buchbar. Die um ein vielfaches spannenderen Übernachtungstouren werden aber nicht täglich angeboten und sind in der Hochsaison auch sehr gut gebucht. Voraus Planen lohnt sich also.

 

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