„Hakuna Matata“ im Massai-Dorf

„Hakuna Matata“ im Massai-Dorf

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Was tun, wenn der Wunsch nach einer konkreten Auszeit da ist? Dario (19), Junior Product Manager für Kenya und Tanzania bei Let’s go Tours, sehnte sich nach Ende seiner Lehre nach einer Auszeit von Kultur und Menschen hierzulande. Er hegte schon immer eine Faszination für Afrika, so war es für ihn sehr naheliegend, „etwas“ innerhalb Afrikas zu unternehmen. Die Frage stellte sich nur was…

Zusammen mit einer Non-Profit Organisation reiste Dario als Volunteer in ein Massai-Dorf in der Serengeti-Region (nicht im Nationalpark selber, sondern in der Ngorongoro Conservation Area), um dort an einer Schule Englisch zu lehren. Kein Whatsapp, kein Strom, kein fliessend Wasser, Schülern denen er beim Englisch lernen helfen möchte,  obwohl die grundsätzliche Kommunikation schon bei den geringsten Verständigungsversuchen zum Scheitern verurteilt war. Schwierige Herausforderungen treffen auf eine sehr abenteuerliche Zeit…

Als Volunteer ins Ausland – wie entstand bei Dir diese Idee?
Dario: Das war ein Prozess. Eine Auszeit vom ganzen Umfeld, der Gesellschaft und Familie. Andererseits das „Neue“ und „Exotische“ sehen, ein Abenteuer erleben – das war mein Wunsch. Ein Schlüsselerlebnis war sicher auch die Dokumentation des Abenteurers Richard Gress, welche ich im Winter 13/14 im TV gesehen habe: Er bereiste zu Fuss alleine die entlegensten Ecken Afrikas. Und genau das: Die fremden Menschen und die wundervolle, unberührte Natur haben mich sehr angeregt!

IMG_6460Der Englischlehrer und seine Schüler

Hattest Du eine gewisse Erwartungshaltung an Dich selbst und an die Zeit vor Ort?
Ja und Nein. Einerseits wollte ich einen anderen Lebensrhythmus und Lebenseinstellung kennenlernen, andererseits das Abenteuerliche und Ungewisse auf mich zukommen lassen. Auch war mir der Aspekt wichtig, „etwas Gutes zu tun“, Menschen helfen. Deswegen fiel auch meine Entscheidung auf dieses konkrete Volunteer-Projekt und habe nicht das klassische Herumreisen gewählt. Und vielleicht auch, um mich auf dieser Reise ein bisschen (mehr) zu finden.

Was waren zu Beginn die grössten Herausforderungen vor Ort?
Da könnte ich zahlreiche aufzählen, täglich warteten neue Herausforderungen auf mich! Eine der Grössten war bestimmt die Kommunikation. In dem abgelegenen Dorf in dem ich wohnte, lebten ausser weiteren Lehrpersonen, nur traditionelle Stammesangehörige der Massai und diese sprechen bis heute nur ihre Stammessprache. Die Modernen unter ihnen auch die Landessprache Kisuaheli. Nur mit den wirklich gebildeten und modernen Massais, welche definitiv die Ausnahme darstellen – im ganzen Dorf waren es knapp drei bis vier – konnte ich mich auf Englisch verständigen. Mit den restlichen Dorfbewohnern leider wirklich nur mit Händen und Füssen.

Und wie konntest Du die Kinder in der Schule unterrichten?
(lächelt) Die Kinder in den höheren Klassen sollten eigentlich bereits Englisch können. Doch das ganze System und die Organisation an der Schule in Tanzania ist bekanntlich alles andere als gut. Ein regulärer Unterricht war für mich somit unmöglich: Mit den Kindern verständigte ich mich ebenfalls mit Händen und Füssen, was die Unterrichtsgestaltung sprachlich als auch inhaltlich sehr schwierig machte. Deswegen entschied ich mich auch nach kurzer Zeit entgegen dem Lehrerwillen zu lehren.

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Wie sah das genau aus?
Der reguläre Unterricht ist viel zu schwierig, die Kinder verstehen wenig, haben Konzentrationsschwächen des stundenlangen Schulwegs und Mangel-/Unterernährung. Das was ich als sinnvoll empfand habe ich versucht den Kindern näher zu bringen, um wenigstens einen kleinen Lernerfolg verbuchen zu können. So haben ich mit den Kindern gesungen, einfache Verse gelernt, Vokabular-Spiele gemacht und immer versucht, alles so praktisch wie möglich zu tun. Die Kinder hatten Spass und lernten auf spielerische Art noch was!

Was gefiel Dir besonders gut am Lehrersein?
Ich war und bin noch immer nicht angetan vom Lehrerberuf. Ich habe dieses Projekt auch nicht aufgrund der Tätigkeit sondern aufgrund des Umfelds und den dortigen Umständen gewählt. Berührend war für mich der Moment, wie fasziniert und neugierig die Kinder an mir als „Weisshäutiger“ waren. Sie bekommen ja schliesslich nicht oft so einen zu Gesicht.

IMG_6146Sonnenuntergang über der Savanne

Heimweh…?
Verspürte ich nie. Schon nach wenigen Tagen habe ich mich vertraut gefühlt mit den Menschen und der Umwelt. Ich merkte schnell, dass es sehr gute Leute sind und wurde dementsprechend auch herzlich aufgenommen. Klar hatte ich viel Zeit um nachzudenken, um zu denken wie es wohl zu Hause wäre und was es dort wohl für News gibt. Heimweh hat sich aber gar nie breit gemacht, im Gegenteil.

Ich hatte eine wirklich sehr abenteuerlich Zeit und habe währenddessen auch spannenderweise keinen Komfort vermisst, den ich ansonsten gewohnt bin. Aber was mir anfänglich sehr schwer fiel war der Austausch mit der Aussenwelt – keiner. Komplett abgeschnitten, kein Internet, kein Whatsapp, nicht einmal schnell anrufen. Man ist grundsätzlich sehr auf sich alleine gestellt und fühlt sich isoliert. Es dauerte ca. zwei bis drei Wochen bis ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein und sich der Kommunikationsverlust normalisierte.

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Was macht Freiwilligenarbeit Deiner Meinung nach so attraktiv?
Immer öfter entscheiden sich junge Erwachsene zwischen Schule, Studium oder Ausbildung eine Auszeit zu nehmen, um als Volunteer ins Ausland zu gehen. Es ist bestimmt eine gute Möglichkeit eine Auszeit zu geniessen, Neues kennenzulernen, kulturellen Austausch zu betreiben und etwas Gutes zu tun, ohne grossen finanziellen Aufwand.

Eine spannende Anekdote aus dieser Zeit?
Eine alte Dame meinte, dass meine Familie sehr sehr reich sein müsse, da ich schon in so jungem Alter weg von zu Hause darf und mein Vater daher meine Arbeitstätigkeit nicht benötige – so hat es mir jemand übersetzt. Für die Massai wiederspiegelt sich Reichtum in der Anzahl Kinder und in der Grösse der Viehherden. Die Kinder müssten ausserdem schon in sehr jungen Jahren all Tage mit dem Vieh raus fürs Grasen auf die weite Savanne, werden dies übrigens auch ihr ganzes Leben tun, werden also als Arbeitskräfte gebraucht.

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Hat Dich der Aufenthalt verändert?
Bestimmt bin ich lockerer geworden. In Tanzania regiert das Lebensmotto: alles ist „hakuna matata“ = kein Problem. Wenn ich von unseren typischen Problemen im Alltag berichtet habe, bekommen die Massai-Bewohner einen Lachkrampf! Sie haben tagtäglich mit existenziellen Bedrohungen wie zu wenig Nahrung, schmutzigem Wasser, Verdrängungen und wilden Tiere zu kämpfen. Jedoch unterm Strich sind sie dabei immer noch zufriedener als wir es sind.

Wie sieht Deine Zukunft aus, bzw. wo siehst Du sich in den nächsten drei Jahren?
Mittelfristig werde ich bei Let’s go Tours als Product Manager für Kenya und Tanzania tätig sein dürfen. Ich hoffe meine Destinationskenntnisse noch vertiefen zu können; ob ich ein solches Projekt wiederholen werde, weiss ich noch nicht.

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Darios Arbeitgeber Let’s go Tours ist ein Kunde von PrimCom Schweiz.

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